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Projekt Europa: Wulff in der Schule
Zum Europatag eilen Politiker in die Klassenräume
von Christian Holzgreve
in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) am 23. Januar 2007
Hannover. Am Ende mischt sich bei Christian Wulff so etwas wie Erleichterung in die Stimme. Nicht, dass ein Ministerpräsident nicht in einem Klassenraum tadellos über Europa reden könnte. Die Gefahr schien eher, dass er womöglich auf eine gelangweilte Schülerrunde treffen könnte, die das Thema Europa nolens volens im Unterricht über sich ergehen lassen muss. So aber lobt Wulff nach 30 Minuten die beiden Politikkurse, die in dieser Diskussionsrunde gut vorbereitet gewesen seien. Ach so – und: Man möge doch vielleicht selbst aktiv werden in der Politik, sich engagieren und nicht nur über Politiker schimpfen. Ein kleiner Appell nach der gewonnenen Erkenntnis, dass die oft beschworene Politikverdrossenheit eben doch nicht mit Händen zu greifen ist.
Wulff ist an diesem Montag Gast der Berufsbildenden Schule 14 (BBS) im Stadtteil Roderbruch in Hannover. Wie Hunderte andere EU-Beamte, Mandatsträger aus Bundes- und Landtagen, wie Vizekanzler Franz Müntefering und Kanzlerin Angela Merkel sucht er zum Auftakt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft das Gespräch mit der Jugend. Die Bundesregierung hat diesen "EU-Projekttag" erfunden, mitmachen dürfen alle Schulen, müssen aber nicht.
| Wulff hat erfahren, dass hier an der BBS 14 Kaufleute in Büroberufen sowie für die Freizeit- und Touristikbranche ausgebildet werden. Er hat "Mobilitätspässe" an sechs angehende Touristikkaufleute verliehen. Sechs Wochen Praktikum und Sprachschule im spanischen Andalusien haben sie absolviert. Die Schule setzt auf die Förderung durch die "Leonardo da Vinci"- und die "Comenius"-Programme der EU. Wulff überreicht die europäischen Urkunden, nicht ohne zu erwähnen, "dass man großes Fernweh bekommen könnte" angesichts des Schülervortrags über Malaga, Marbella oder Sevilla.
Wulff ist an einer aufgeweckten Schule gelandet. An einer, in der Lehrer und Schüler schon von Berufs wegen ein Interesse daran haben, wenn über andere Länder, andere Kulturen, über Europas Vielfalt gesprochen wird. Ja, stellt Hannovers Regionspräsident Hauke Jagau am Rande der Veranstaltung fest, den Austausch mit dem Ausland, den könne man nicht verordnen. "Da muss die Chemie stimmen, das hängt auch vom Engagement Einzelner ab." |
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Mit den Hinweisen, die ein Christdemokrat so zum Thema Türkei drauf hat - die hohe Bevölkerungszahl des Landes, seine geographische Lage, die Gefahr der Überforderung der EU, die mangelnde Religionsfreiheit und strukturelle Defizite - kommt Wulff nicht davon. Mit einiger Mühe muss er mit Blick auf die vergangene Erweiterungsrunde zum 1. Januar hervorheben, dass Städte wie Bukarest in Rumänien oder Sofia in Bulgarien doch europäischer seien als Anatolien.
So wirbt der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende zwar für die "privilegierte Partnerschaft" mit der Türkei, sagt aber auch Sätze wie: "Europa darf sich nicht abschotten" oder "Darüber lässt sich ganz lange diskutieren". Die Frage nach der Integration von Zuwanderern, zumal türkischen, nach Deutschland interpretiert der Ministerpräsident für die Schüler auch ganz anschaulich: "Meine Chefsekretärin zum Beispiel ist türkischstämmig." Und Wulff kann punkten mit dem Hinweis, dass in Niedersachsen 62 Millionen Euro für die Sprachförderung ausgegeben würden oder der Islamunterricht ausgebaut worden sei.
Es bleibt indes dabei, dass unter den 40 Schülern mit fünf Nationalitäten von Politiklehrer Peter Knüppel mancher ist, der die niedersächsischen "Abschiebungen bei Nacht und Nebel" rügt oder künstliche Widersprüche zwischen dem Leben junger Muslime und junger Christen in Deutschland errichtet sieht. Da kann der Ministerpräsident auch etwas mitnehmen für die Politik zwischen Osnabrück und Ankara, zwischen Hannover und Sevilla.
Der Abdruck dieses Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ).
Wulff beantwortet Schülerfragen
In Hannover stellte sich der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff beim "EU-Projekttag" am 22. Januar 2007 den Fragen junger Erwachsener an den Berufsbildenden Schulen (BBS) 14 der Region Hannover. Knapp anderthalb Stunden lang besucht Wulff die Berufsschule - 2.600 Schüler, 30 Nationalitäten, rein kaufmännische Berufe. Weiterer Bericht mit Fotos.
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Pressespiegel zum EU-Projekttag
Das EIZ Niedersachsen hat - in zwei Teilen - einen "Pressespiegel" mit Medienberichten zum EU-Projekttag am 22. Januar 2007 zusammen gestellt.Sie können beide Pressespiegel hier herunterladen.
PDF-Dokument: Pressespiegel (1) vom 29.01.2007 (2,6 MB)...
PDF-Dokument: Pressespiegel (2) vom 30.01.2007 (3,6 MB)...

