Heute: 09. Februar 2012 Donnerstag
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EU macht ernst mit dem Klimaschutz
 
20 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020
Der Klimawandel ist in vollem Gange. Europa setzt alles daran, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Dieses Ziel ist erreichbar, wenn weltweit bis 2050 der Ausstoß an Treibhausgasen gegenüber dem Stand von 1990 um die Hälfte vermindert wird. Entschlossene Maßnahmen sind nötig, heißt es in der am 10. Januar 2007 beschlossenen Mitteilung der Europäischen Kommission für das EU-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im März 2007. Eine einseitige Senkung des CO2-Ausstoßes der EU-Länder um ein Fünftel bis 2020 ist ein erster Schritt.


Energiepolitik und Klimaschutz hängen unauflöslich zusammen. Das haben Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der für Energie zuständige Kommissar Andris Piebalgs und Umweltkommissar Stavros Dimas am 10. Januar unterstrichen, indem sie mit dem integrierten Gesamtpaket gemeinsam vor die Presse traten. Das selbst gesetzte Einsparziel soll die EU zum energieeffizientesten Raum weltweit und zum Vorbild machen. Es gilt, solange es kein darüber hinaus gehendes weltweites Klimaschutzabkommen gibt. "Die EU muss jetzt handeln. Das wird ein klares Signal sein, wie ernst wir die Zukunft unseres Planeten nehmen", sagte Barroso.
 
Emissionshandel und mehr erneuerbare Energien
Die Mitteilung der EU-Kommission sieht auch längerfristige Ziele für die CO2-Schadstoffreduktion vor. Die Industrieländer sollen bis 2020 die Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen auf durchschnittlich 30 Prozent unter die Werte von 1990 senken. Als wichtiges Signal für internationale Verhandlungen möchte die Kommission die Emissionen der EU-Mitgliedsländer bis 2020 um mindestens 20 Prozent unter die Werte von 1990 reduzieren.
 
Das wichtigste Instrument, der Emissionshandel, soll den Luftverkehr einbeziehen - ab 2011 innergemeinschaftliche Flüge und ab 2012 für alle Flüge von und zu europäischen Flughäfen. Diesen Vorschlag hatte die Kommission bereits im Dezember vorgelegt.
 
Erneuerbare Energien werden massiv ausgebaut. Die Kommission möchte für 2020 ihren Anteil an der Energieerzeugung mit 20 Prozent verbindlich vorgeben. Ein 2007 geplantes Vorschriftenpaket soll die Marktdurchdringung von Biokraftstoffen und den Einsatz erneuerbarer Energien in den Heiz- und Kühltechnologien fördern. Biokraftstoffe sollen einen Marktanteil von zehn Prozent erreichen. Eine Empfehlung zu Gunsten der Kernenergie gab die Kommission indessen nicht. Über deren Nutzung entscheidet jeder Staat selbst. Wenn der Anteil der Atomenergie in einem Mitgliedstaat sinke, sollte dies aber durch andere kohlenstoffarme Energieträger ausgeglichen werden.
 
EU alleine kann wenig ausrichten
Bei allen Anstrengungen: Die EU kann den Klimawandel nicht im Alleingang bremsen - schließlich ist sie nur für 14 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Aufkommens verantwortlich. Deshalb will sie sich für internationale Abkommen stark machen, in deren Rahmen die Industrieländer ihren Ausstoß bis 2020 um 30 Prozent vermindern. In Ländern wie den USA oder Australien, die das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben, sieht die Kommission Anzeichen des Umdenkens.
 
Auch die Entwicklungsländer müssen mehr tun. Ab 2020 werden ihre Emissionen die der Industrieländer übersteigen. Sie sollten beginnen, den Schadstoffausstoß zu bremsen und ihn nach 2020 zurückführen. Ohne Entwicklungshilfe wird das ebenso wenig gehen wie der Stopp der Waldvernichtung und die Wiederaufforstung. Die Entwaldung allein trägt mit rund 20 Prozent zu den weltweiten Emissionen von Treibhausgasen bei - mehr als der Verkehr.
 
Wirtschaftswachstum nicht gefährdet
Maßnahmen gegen den Klimawandel kosten viel Geld - auf sie zu verzichten, wird aber noch teurer. Die Investitionen in eine kohlenstoffarme Wirtschaft werden 2013 bis 2030 nicht mehr als 0,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts kosten. Dies würde das globale Wirtschaftswachstum bis 2030 um jährlich durchschnittlich 0,19 Prozent bremsen, ein Bruchteil des erwarteten jährlichen Wachstums von 2,8 Prozent. Vorteile für die Gesundheit, größere Energiesicherheit und geringere Umweltschäden sind dabei nicht eingerechnet. Das sei, so die Kommission, eine kleine Prämie für die Verhütung irreversibler Schäden, die nach Schätzung des von der britischen Regierung veranlassten Stern-Reports bei unkontrolliertem Klimawandel 5 bis 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts kosten könnten.
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 1 vom 11. Januar 2007 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Kommission legt integriertes Energie und Klimapaket zur Emissionsminderung
im 21. Jahrhundert vor

PresseInformation der EU-Kommission vom 10. Januar 2007.
 
Energy for a Changing World
Über diese Seite der EU-Kommission können die einzelnen Dokumente mit den Vorschlägen der EU-Kommission vom 10. Januar 2007 und Hintergrundinformationen dazu heruntergeladen werden.
 
Der Weg in die Zukunft bis 2020 und darüber hinaus
Mitteilung der EU-Kommission vom 10. Januar 2007.
 
Limiting Global Climate Change to 2 degrees Celsius:
The way ahead for 2020 and beyond - Impact Assessment

Einschätzung der Auswirkungen. Mitteilung der EU-Kommission vom 10. Januar 2007.
 
Limiting Global Climate Change to 2 degrees Celsius:
The way ahead for 2020 and beyond - Impact Assessment Summary

Einschätzung der Auswirkungen - Zusammenfassung. Mitteilung der EU-Kommission.
 
Global Roundtable on Climate Change: Großkonzerne fordern mehr Klimaschutz
Einige der weltweit größten Konzerne haben sich in einer gemeinsamen Erklärung am 20. Februar 2007 dem Klimaschutz verschrieben. Rund 100 Unternehmen und Organisationen riefen beim "Global Roundtable on Climate Change" (GROCC) die Politik zu schnellen und wirksamen Maßnahmen zur Drosselung des Treibhausgas-Ausstoßes auf.
 
Europaparlament: Bis 2020 Treibhausgasemissionen um 30 Prozent senken
In einer Entschließung äußerte sich das Europäische Parlament (EP) am 14. Februar 2007 zu den von der EU-Kommission vorgelegten Plänen zum Klimaschutz. Bis 2020 müssten die Treibhausgasemissionen aller Industriestaaten um 30 % gesenkt werden, um den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf höchstens 2 °C zu begrenzen. Als Maßnahmen schlägt das Parlament z.B. eine verbesserte Energieeffizienz, die verstärkte Nutzung von Biokraftstoffen und erneuerbaren Energieträgern sowie die Einführung einer Kerosinsteuer vor.
 
Neue Impulse für die Klimapolitik: Chancen der deutschen Doppelpräsidentschaft nutzen
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat am 12. Februar 2007 sein "politikpapier" Nr. 5 mit dem Titel "Neue Impulse für die Klimapolitik: Chancen der deutschen Doppelpräsidentschaft nutzen" an die Bundesregierung übergeben. Das Papier macht deutlich, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Trendumkehr und bis 2050 eine Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 erreicht werden muss, um einen gefährlichen Klimawandel noch zu verhindern.
 
Stern Review on the Economics of Climate Change
Die globale Klimaerwärmung unter Kontrolle zu halten, verursache viel geringere Kosten für die Weltwirtschaft, als die Schäden im Nachhinein zu beheben. Dies ist die Schlussfolgerung des Stern-Berichts vom Oktober 2006 über die Kosten des Klimawandels. Über diese Seite der britischen Regierung kann die von Sir Nicholas Stern verfasste Studie zum Klimawandel und zu seinen weltwirtschaftlichen Auswirkungen heruntergeladen werden.
 
Strategie für nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energie
Entschließung des Europäischen Parlaments (EP) vom 14. Dezember 2006 zu dem Thema "Eine europäische Strategie für nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energie" - Grünbuch.
 
Auf dem Weg in die Heißzeit
Hintergründe, Infografiken und Interviews zum Klimawandel. Ein Dossier der "ARD tagesschau".
 
Greenhouse-gas emission trends and projections in Europe 2006
Studie der in Kopenhagen ansässigen Europäischen Umweltagentur (EEA) vom September 2006.
 
UN-Klimaberichte (IPCC-Reports)
Bis zum Jahr 2100 droht es auf der Erde bis zu 6,4 Grad wärmer zu werden. Davor warnt der UN-Klimarat in seinem neuen am 2. Februar 2007 in Paris veröffentlichten Bericht "Climate Change 2007: The Physical Science Basis". Die seit Jahren beobachtete Erwärmung des Klimasystems ist nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) "beispiellos". Elf der vergangenen zwölf Jahre seien unter den zwölf wärmsten seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Die IPCC-Berichte können über diese Seite abgerufen werden.
 
IPCC legt 4. Sachstandsbericht zur Klimaänderung vor
Das Bundesumweltministerium (BMU) in Berlin bietet auf seinen Seiten die Texte des 4. IPCC-Klimaberichts auch in deutscher Sprache zum Download an.
 
Climate Change
Informationen der EU-Kommission zum Thema Klimawandel und zur Politik der EU.
 
The Kyoto protocol
Informationen der EU-Kommission zum Kyoto-Protokoll.
 
Emission Trading Scheme (EU ETS): ETS Review
Informationen der EU-Kommission zur Überarbeitung des EU-Systems für den Emissionshandel.
 
Energiepolitik der EU
Die EU-Kommission hat am 10. Januar 2007 ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das die Energiepolitik für die kommenden Jahrzehnte skizziert. In dem Paket greift die Kommission die Herausforderungen des Klimawandels auf, thematisiert angesichts des russischen Öllieferstopps die Versorgungssicherheit und kritisiert den fehlenden Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt.


PUBLIKATIONEN zum Thema



Themenheft: Klima und Energie
Die Welt steht vor großen ökologischen und energiewirtschaftlichen Herausforderungen. Der Klimawandel hat begonnen, seine Auswirkungen sind spürbar. Die EU-Mitgliedsländer müssen gemeinsam handeln, wenn sie eine nachhaltige, sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung sicherstellen wollen. Die EU-Kommission schlägt eine Reihe konkreter Maßnahmen zur Stärkung internationaler Abkommen vor. Mit diesen Themen befasst sich das Themenheft der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland vom Mai 2007.
mehr...



e.public: EU-Gipfel beschließt neue Energie- und Klimapolitik
Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU haben am 8. und 9. März 2007 in Brüssel weitreichende Entscheidungen in der Energie- und Klimapolitik getroffen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft unter Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Mitgliedsländer auf, im Klimaschutz weltweit Vorreiter zu sein. Die EU-Energie- und Klimapolitik sind Schwerpunktthema der Ausgabe Nr. 46 von "e.public", dem Europa-Magazin der Bundesregierung.
Extern: e.public-Magazin...


Konjunktur: Klimawandel wird zum Kostenfaktor
Die Wetterextreme nehmen zu - auch in Deutschland. Nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaftsforschung (ifw) werden uns die kommenden Jahrzehnte vor allem eines bringen: eine deutliche Zunahme an heißen Sommern. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass damit nicht nur die Gesundheitsrisiken, sondern auch die Kosten für das Gesundheitssystem massiv ansteigen werden. Am 8. Februar 2007 veröffentlichte das ifw dazu die Studie "Kosten des Klimawandel" von Professor Gernot Klepper.
Extern: ARD-Bericht zur Studie... und ifw-Website...



Die globale Erwärmung und ihre Folgen
Es wird wärmer auf der Erde: Seit Jahrzehnten steigen die Durchschnittstemperaturen weltweit. Solche Phasen gab es in der Erdgeschichte immer wieder - erstmals ist es jedoch der Mensch selbst, der den Klimawandel auslöst. Die "ARD tagesschau" dokumentiert in einem Multimedia-Dossier vom Februar 2007 in Bildern, Videos und Grafiken Ursachen und Folgen.
Extern: Multimedia-Dossier...

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