Feierliche Sitzung zum zehnjährigen Bestehen des Euro
| Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Euro fand am 13. Januar 2009 im Europäischen Parlament in Straßburg eine feierliche Sitzung statt. Alle Redner unterstrichen die herausragende Bedeutung des Euro für die europäische Integration und verwiesen auf den Erfolg der gemeinsamen Währung, die Wachstum und Wohlstand in Europa sichere und zur zweiten Weltwährung aufgestiegen sei. Die Wirtschafts- und Währungsunion sei darüber hinaus "ein Schutzschild gegen die Finanzkrise".
Am 31. Dezember 1998 trat die dritte Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) in Kraft und die Wechselkurse zwischen dem Euro und den einzelnen Währungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden festgelegt. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro gesetzliche Buchungswährung. |
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Pöttering: "Einer der wichtigsten historischen Schritte der EU"
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering nannte den Euro "einen der wichtigsten historischen Schritte, die die Europäische Union bislang unternommen hat." Als der Euro eingeführt wurde, habe man auch viel Skepsis vernehmen können. Doch zehn Jahre später könne man feststellen, dass der Euro Vertrauen genießt: "Die Eurozone ist zu einem Fels makroökonomischer Stabilität geworden", so Pöttering.
Gerade in den letzten Monaten habe sich der Euro als entscheidender Stabilitätsfaktor erwiesen: "Die gemeinsame Währung hat uns vor den schlimmsten Folgen der bedeutendsten Finanzkrise seit den dreißiger Jahren bewahrt", sagte er.
Pöttering sprach insbesondere auch Irland an, "ein Land, das von der Finanzkrise stark getroffen wurde." Die Währungsunion habe Irland wahrscheinlich vor einer Krise noch größeren Ausmaßes bewahrt. Der Euro stelle einen nicht umkehrbaren Schritt hin zu einer tieferen wirtschaftlichen und politischen Integration dar. "Wie die Mitglieder einer Familie sprechen alle Mitglieder der Eurozone miteinander und beschließen das beste Vorgehen zum Nutzen jedes Einzelnen und Aller."
Die einheitliche Währung werde heute von den Bürgerinnen und Bürgern der Eurozone als "eines der positivsten Ergebnisse der europäischen Integration" betrachtet; weit mehr als die Hälfte der Mitgliedstaaten habe den Euro mittlerweile eingeführt, zuletzt die Slowakei. "Und ich bin zuversichtlich, dass wir bei den Feierlichkeiten zu den nächsten runden Geburtstagen des Euro noch mehr Mitglieder sein werden", sagte Pöttering.
Trichet: "Eine der größten Errungenschaften Europas"
Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean Claude Trichet, sagte, der Euro sei "eine der größten Errungenschaften Europas". Die Gründerväter seien "Visionäre und entschlossene, überzeugte und mutige Europäer gewesen". Seit der Einführung des Euro würden die europäischen Länder eine außergewöhnliche Preisstabilität genießen, die viele Vorteile bringe und mittel- und langfristig zu gemeinsamem Wohlstand führen werde.
Im Hinblick auf die Finanzkrise sagte Trichet: "Gerade in schweren Zeiten ist es besser, auf einem großen, sicheren Schiff, als in einem kleinen Boot zu sitzen." Europa habe gezeigt, dass es sogar unter den schwierigsten Bedingungen in der Lage sei, Entscheidungen zu treffen. Man dürfe sich jedoch nicht auf dem Erfolg ausruhen, denn es werde weitere neue Herausforderungen geben. Man habe eine Verantwortung für die Zukunft, der man mit "Weitsicht" begegnen müsse.
Juncker: "Euro sichert Wachstum und Wohlstand in Europa"
Für den Präsidenten der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, ist die Wirtschafts- und Währungsunion ein Beispiel für die ehrgeizigen Ziele, die sich die Europäische Union gesetzt hat. Der Euro spiegle den Geist und die Entschlossenheit der europäischen Einigung wider. Viele Zentralbanken hätten vor der Einführung der gemeinsamen Währung Bedenken über den Euro geäußert. Die Zugehörigkeit zum Euro habe sich jedoch als Qualitätssiegel erwiesen, das zur Sicherung des Wachstums und des Wohlstands in Europa beitrage.
Die derzeitige Finanzkrise habe an der Glaubwürdigkeit der Finanzwelt gerüttelt. Unzureichende Transparenz und Aufsicht seien zu Katalysatoren der Krise geworden. Daher gelte es, die Fundamente der Wirtschafts- und Währungsunion weiter zu stärken und tiefgreifende Reformen einzuführen. Insbesondere die politische Instanz, die Wirtschafts- und Währungsunion, solle im globalen Rahmen gestärkt werden. Es müsse ein Gleichgewicht zwischen dem Konsum und dem Sparverhalten der Bürger gefunden werden.
Almunia: "Der Euro ist heute die zweite Weltwährung"
Der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung, Joaquín Almunia, betonte, der Euro beziehungsweise die Wirtschats- und Währungsunion entwickelten sich zu einem klaren Erfolg. Der Euro stelle heute die zweite Weltwährung dar und werde von 330 Millionen Bürgern in 16 Staaten verwendet. Der Euro sei jedoch nicht nur eine Währung, er sei ein "Symbol des gemeinsamen europäischen Unterfangens".
Die gemeinsame Währung schaffe Stabilität, geringe Inflation, fördere den Handel und lasse dadurch neue Arbeitsplätze entstehen. Der Euro habe auch gegenüber der derzeitigen Krise standhalten können und sei ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung des Binnenmarktes. "In der Eurozone kam es zu keinem Finanzkollaps." Gerade die Finanzkrise zeige, dass eine gemeinsame Währung heutzutage erforderlich sei, um gegenüber Spekulationen standzuhalten und die Verschuldung, die durch Besteuerungsmaßnahmen nicht zu lösen sei, einzudämmen.
Giscard d'Estaing: "Die Währungsunion ist ein Schutzschild gegen die Finanzkrise"
Der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard D'Estaing erklärte, er sei der Auffassung, dass man sich "nicht in Feierlichkeiten verzetteln" sollte, diese jedoch sei durchaus gerechtfertigt. Der Euro sei "eine der größten Errungenschaften der Integration", doch der Weg dahin sei ein langer gewesen und man müsse denjenigen, die ihn gegangen sind, Respekt zollen.
Die Ursprünge des Euros seien wegen der Fluktuierung der europäischen Währungen entstanden, so Giscard d'Estaing, und alle Währungsexperten seien zunächst skeptisch gewesen, hätten nicht an den Erfolg des Euro geglaubt. Doch nun sei er die zweitwichtigste und eine der am meisten respektierten Währungen geworden. Die Währungsunion sei ein "Schutzschild gegen die Finanzkrise" und ein "Fundament gegen inflationsgetriebenes Wachstum", sagte Giscard d'Estaing. "Gäbe es den Euro nicht, würde Europa in diesen Zeiten von einem wahren Währungstornado heimgesucht werden."
Angesichts der Krise dürfe man die Öffentlichkeit allerdings nicht mehr lange warten lassen. Das Finanzsystem müsse "wieder auf die Beine gebracht" werden. Abschließend sagte er, der Erfolg des Euro sei ein "Symbol für Integration" und dieser Erfolg solle "beflügelnd" beim weiteren Aufbau Europas wirken.
LINKS zum Thema
Feierliche Sitzung zum zehnjährigen Bestehen des Euro
PresseInformation des Europäischen Parlaments (EP) vom 13. Januar 2009.
10 Jahre Euro: Krise beweist Reife und Wert des Geburtstagskindes
Im Anschluss an die feierliche Plenarsitzung zum zehnjährigen Bestehen des Euro veranstaltete das Europaparlament eine Diskussion zur Rolle des Euro in der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise. Europa-Politiker diskutierten mit Experten, Journalisten und Wirtschafts- und Politikstudenten über die Verdienste und Perspektiven der gemeinsamen Währung. Unerwartete Töne waren dabei aus England zu hören. Bericht des Europäischen Parlaments (EP) vom 14. Januar 2009.






