Heute: 08. September 2010 Mittwoch
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EU-Weißbuch zum Klimawandel vorgestellt
 
EU hilft den Regionen bei Anpassung an Klimawandel
Die Folgen des Klimawandels treffen Europa schneller und härter als gedacht - die Auswirkungen sind jedoch von Region zu Region verschieden. Besonders die Landwirtschaft bekommt die Wucht des Klimawandels zu spüren. In einem Weißbuch legte die Kommission am 1. April 2009 dar, wie die EU die Maßnahmen der Mitgliedstaaten unterstützen will.
 
Im November 2007 hatte der Bericht des Weltklimarats für Aufregung gesorgt: Zu den bereits unvermeidlichen Folgen, so hieß es, gehören zunehmender Wassermangel, mehr Dürren, erhöhtes Waldbrandrisiko sowie ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels. Damals hatte die Kommission in einem Grünbuch Anpassungsmaßnahmen zur Diskussion gestellt. Das am 1. April 2009 vorgelegte Weißbuch bringt Vorschläge, wie die Gemeinschaft tätig werden kann - in einer wiederum veränderten Situation. Denn nach neuen Erkenntnissen werden die Folgen des Klimawandels noch schneller und heftiger eintreten, als es die Experten 2007 erwarteten.
 

Der Übergang zu einer Wirtschaft mit geringem Kohlenstoffeinsatz bleibt der Hauptpfeiler der EU-Klimaschutzpolitik, um den globalen Temperaturanstieg möglichst auf maximal 2°C zu begrenzen. "Selbst wenn wir die Emissionen so weit eindämmen, wie wir uns vorgenommen haben, ist ein gewisser Grad an Klimawandel unausweichlich", betonte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas bei der Vorstellung des Weißbuchs. "Deshalb müssen wir jetzt mit den Regierungen, den Unternehmen und den Gemeinden an einer umfassenden Anpassungsstrategie für die EU arbeiten."
 
Folgen für Gesundheitswesen
Spanien leidet schon jetzt besonders unter dem Klimawandel - es ist wohl das am meisten betroffene Land Europas. Trockenheit, Wüstenbildung, Brände und Rückgang der Strände. Hier wie überall in Europa sind die Auswirkungen auf wichtige Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Energie, Verkehr, Ökosysteme, Tourismus und Gesundheit noch nicht voll abzuschätzen. Unternehmen, Haushalte mit niedrigem Einkommen, ältere Menschen und Behinderte werden sie zu spüren bekommen.
 
Auch hinsichtlich der Gesundheit: Gesundheitsbehörden müssten extreme Wetterbedingungen künftig in ihre Notfallplanung einbeziehen, fordert EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou: "Mit der Veränderung der Witterung kommt der stärkeren Überwachung der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze besondere Bedeutung zu." Joe Borg, Kommissar für maritime Angelegenheiten, verweist auf die Probleme der Küstenregionen, die an der vordersten Front des Klimawandels stünden: "Wir müssen uns den Herausforderungen des steigenden Meeresspiegels, der Überflutung von Küstenregionen und der Beeinträchtigung von Küstentourismus, Hafenbetrieben und Fischerei stellen. Rund die Hälfte der Europäer lebt in Küstenregionen."
 
Dem Weißbuch zufolge werden die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich sein. Entscheidungen müssen daher auf nationaler oder regionaler Ebene fallen. So hat Deutschland im Dezember 2008 seine Anpassungsstrategie beschlossen, die zum Beispiel davon ausgeht, dass in Teilen Ostdeutschlands, im nordostdeutschen Tiefland und in den südostdeutschen Becken und den Hügellandschaften das Wasser knapp wird. In den links- und rechtsrheinischen Mittelgebirgen wird es dagegen mehr Niederschläge geben. So schafft die Anpassungsstrategie einen bundesweiten Rahmen, der den Ländern Orientierung für ihre Schritte bietet.
 
Ähnlich geht die Kommission an das Thema heran: Sie will die Anstrengungen der Mitgliedstaaten durch Integrations- und Koordinierungsmaßnahmen unterstützen. Anpassung an den Klimawandel soll aber auch in den Mittelpunkt aller EU-Politiken rücken und in der EUAußenpolitik einen hohen Stellenwert erhalten. Denn die EU-Kommission will den am stärksten betroffenen Ländern helfen und eng mit den Partnerländern zusammenarbeiten.
 
Know-how-Basis schaffen
Der vorgeschlagene Regelungsrahmen verfolgt einen mehrstufi gen strategischen Ansatz: Die erste Phase der Strategie läuft bis 2012. Hier geht es um die Grundlagen, um die "Know-how-Basis", wie Dimas es nannte: Die Kenntnisse über den Klimawandel und seine Folgen sind noch unzureichend. Fundierte wissenschaftliche und wirtschaftliche Analysen sind nötig. Auf
sicherer Basis müssen dann ab 2013 die bestmöglichen Maßnahmen ermittelt und die Finanzierungsinstrumente gefunden werden.
 
Alle Erkenntnisse sollen in einer Clearingstelle gesammelt und in einer Datenbank erfasst werden. Bis 2011 will die Kommission einen Vermittlungsmechanismus etablieren, um Informationen über die Gefahren und die Erfahrungen mit Gegenmaßnahmen auszutauschen. Steuern wird dies alles eine Lenkungsgruppe für die Folgenbewältigung und Anpassung (IASG) aus Vertretern der EU-Mitgliedstaaten, die am Entwurf nationaler und regionaler Anpassungsprogramme mitwirken und Stellungnahmen gesellschaftlicher Gruppen und der Wissenschaft einholen. Unterstützt wird die IASG durch technische Fachgruppen, unter anderem zur Landwirtschaft. (mb)


Landwirtschaft besonders betroffen

"Die europäische Landwirtschaft wird die ganze Wucht des Klimawandels zu spüren bekommen", warnte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel anlässlich der Veröffentlichung des Weißbuches am 1. April 2009. Begleitend zum Weißbuch legte die Kommission auch ein Diskussionspapier zur Landwirtschaft vor.
 
Der Klimawandel, heißt es darin, werde vielfältige kleine und große, positive und negative Auswirkungen auf die Agrarwirtschaft haben. Die verlängerte Vegetationsperiode etwa bringe in manchen Gebieten Vorteile. In anderen kämpften Landwirte bereits gegen zunehmende Trockenheit, Pflanzenkrankheiten und immer häufigere Wetterextreme.
 
Im Einzelnen seien die Veränderungen noch nicht genau vorhersagbar und quantifizierbar, zumal sie sich mit wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem Wandel überlagerten. Deshalb sei es noch kaum abzuschätzen, wie der Klimawandel Niveau und Vielfalt der landwirtschaftlichen Erzeugung beeinflussen und sich auf die Preise und die Einkommen der Landwirte auswirken werde.
 
Landwirte müssten die Probleme, die auf sie zukommen, genau verstehen, forderte Mariann Fischer Boel. Deshalb solle eine Diskussion darüber in Gang gebracht werden, wie ihnen bei der Anpassung geholfen werden kann. Prinzipiell sei die Gemeinsame Agrarpolitik auf dem richtigen Weg, die Landwirte durch direkte, produktionsunabhängige Einkommenshilfen wirtschaftlich zu stärken und die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums durch mehr Mittel zu fördern.
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 12 vom 2. April 2009 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Klimawandel: EU muss sich auf die Auswirkungen vorbereiten
Die EU-Kommission hat heute ein Weißbuch vorgestellt, das Maßnahmen aufzeigt, mit deren Hilfe sich die EU besser auf den Klimawandel einstellen kann. Denn nach neuesten Erkenntnissen ist damit zu rechnen, das sich die Auswirkungen des Klimawandels schneller und stärker bemerkbar machen, als im Bericht des Weltklimarats von 2007 vorhergesagt. Europa kann sich diesen Folgen nicht entziehen und muss sich deshalb darauf vorbereiten, mit ihnen umzugehen. Dem Weißbuch zufolge werden sich die Folgen des Klimawandels je nach Region unterschiedlich auswirken, was bedeutet, dass die meisten Anpassungsmaßnahmen auf nationaler oder regionaler Ebene getroffen werden müssen. Der Regelungsrahmen der Kommission besteht aus einem zweistufigen strategischen Konzept zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in der EU, das die Maßnahmen der Mitgliedstaaten durch einen integrierten und koordinierten Ansatz ergänzt. PresseInformation der EU-Kommission vom 1. April 2009.
 
Adapting to climate change: Towards a European framework for action
Text des von der EU-Kommission am 1. April 2009 veröffentlichten Weißbuchs als PDF-Dokument.
 
White Paper on climate change adaptation
Memorandum der EU-Kommission vom 1. April 2009 mit Fragen und Antworten zum Weißbuch.
 
Adapting to climate change: the challenge for European agriculture and rural areas
Text des am 1. April 2009 mit dem Weißbuch veröffentlichten Papiers der EU-Kommission zu den Auswirkungen des Klimawandels im Bereich der Landwirtschaft als PDF-Dokument
(und Anhang... / Kurzfassung...).
 
Living with climate change in Europe
Informationen der EU-Kommission zu den Auswirkungen des Klimawandels in Europa.
 
Landwirtschaft und Klimawandel
Informationen der EU-Kommission zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die europäische Landwirtschaft.
 
Impacts of Europe's changing climate - 2008 indicator-based assessment
Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA Report Nr 4/2008) mit Basisdaten und -informationen zum Klimawandel in Europa.
Das EIZ Niedersachsen ist eine Informationsstelle im europe direct-Netzwerk der EU.
Website der EU-Ratspräsidentschaft Belgiens im 2. Halbjahr 2010.
Informationen, Dokumente und Links zum EU-Reformvertrag und zum Prozess seiner Ratifizierung.
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EU- und Europa-Infos für Kinder mit dem niedersächsischen Europa-Pferd "Eurogaloppo".