Heute: 04. Februar 2012 Samstag
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Der EU-Virus - Journalisten in Brüssel
von Antonia Bolz, Volontärin beim »Hit Radio Antenne« in Göttingen, und
Britta Lüers, Volontärin bei »Radio ffn« in Göttingen

 
Die so genannte "Brüsseler Brille" ist das Instrument, was sich ein jeder Journalist am Anfang hier zulegen muss. Rainer Koch von der Financial Times Deutschland ist zwar kein Brillenträger, dennoch wurde ihm bei seinem Umzug in die belgische Hauptstadt schnell klar, mit einer deutschen Sichtweise komme ich hier nicht weiter, in Brüssel muss man eben Europäer sein.
 
Ob man nun vorher in Berlin über Hartz IV und Kanzler Schröders Kampf um die Anerkennung in der eigenen Partei berichtet hat oder bei einer Lokal-Zeitung den Eier- und Hühnerdieben auf die Schliche gekommen ist - in Brüssel wird mit Sicherheit alles anders. Mittlerweile haben sich aber viele Medienvertreter mit dem so genannten EU-Virus infiziert, insgesamt 900 an der Zahl. Anfang der 90er Jahre waren es nur 300. Damit gilt die europäische Hauptstadt weltweit als der Ort mit dem größten Korrespondenten-Netzwerk - da kann auch Washington längst nicht mehr mithalten.
 
Egal, ob man nun an einer Universität studiert, eine renommierte Journalisten-Schule besucht oder bei einer Regional-Zeitung volontiert hat - die Wege nach Brüssel sind so vielfältig, wie die Arbeit der Journalisten vor Ort. Denn zum Alltag eines Brüsseler Korrespondenten gehört nicht nur die tägliche Pressekonferenz der Europäischen Kommission am Mittag sondern auch das tägliche Geschehen in Belgien. Ob die Gasexplosion bei Ath in der Nähe von Brüssel oder der Dutroux-Prozess in Arlons - auch das gehört zum Aufgabengebiet vieler EU-Journalisten.
 
Von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über die Deutsche Presse Agentur (dpa) bis hin zur ARD, jedes Medium hat eine gewisse Anzahl an Vertretern in Brüssel. Mit rund 130 Journalisten hat Deutschland mittlerweile mehr als doppelt so viele Berichterstatter akkreditiert als Frankreich oder Italien und stellt damit das größte Korrespondenten-Netz aller 25 Mitgliedsstaaten.
 
Klar, dass da auch ein gewisser Konkurrenzkampf herrscht: Vor allem die "älteren" EU-Journalisten müssen sich teilweise gegen die junge Generation durchsetzen. Die "Neuen" benutzen die Station Brüssel häufig als Karriere-Sprungbrett. Doch haben sie nicht nur Laptop, Stift und Diktiergerät im Gepäck - sie bringen vor allem Enthusiasmus und eine gehörige Portion Kritik gegenüber den Europäischen Institutionen mit und verleihen dem angestaubten Image der Journalisten in Europas Hauptstadt ein neues Gesicht.
 
Dennoch hilft auch in Brüssel wie in Berlin, London oder Rom in erster Linie "Vitamin B". Kontakte und Informanten sind das A und O einer guten europäischen Berichterstattung.
 
Glück dem Journalisten, der in Brüssel nicht eine Ein-Mann-Redaktion bildet, denn nur ein Team bietet die Möglichkeit der Themen-Spezialisierung. Nicht jeder fühlt sich auf dem Parkett der Außen- und Sicherheitspolitik zu Hause.
 
Erschwerend kommt hinzu, dass die EU-Institutionen selbst nicht besonders transparent erscheinen. Viele Entscheidungen werden hinter geschlossenen Türen gefällt - Beschlüsse werden präsentiert, Konflikte kommen dabei nur selten ans Tageslicht.
 
Die Kunst der Europa-Journalisten liegt daher vor allem darin, den Bürgern in der Heimat die EU näher zu bringen. Noch immer wird Brüssel als ferner und letztlich fremder Ort wahrgenommen. Die Europa-Politik muss noch stärker Teil der nationalen Berichterstattung werden - nur so schafft es Europa ins Bewusstsein seiner Bürger. Und das ist unter anderem der Job der EU-Journalisten: Getreu dem Motto: "Brüsseler Brille" aufsetzen und in die Tastatur hauen!
 
Brüssel-Reise 2004

Was macht eigentlich die Europäische Kommission in Brüssel? Und wie arbeitet sie? Mit vielen Fragen fuhren niedersächsische Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten vom 18. bis 20. Oktober 2004 nach Brüssel. Sie kamen mit einigen Antworten und noch mehr Fragen zurück.
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Journalistischer Nachwuchs aus Niedersachsen erkundet Europa

Auf Einladung der Niedersächsischen Staatskanzlei, der Europäischen Kommission und der Jungen Presse Niedersachsen (JPN) erhalten junge Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit, die EU-Metropole Brüssel zu besuchen. Die Reisen für den journalistischen Nachwuchs finden in der Regel im Oktober eines Jahres statt. An den Brüssel-Reisen teilnehmen können alle Volontärinnen und Volontäre von Presse und Rundfunk sowie Schülerzeitungsredakteurinnen und -redakteure aus Niedersachsen.
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