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Hitze aus der Erde: Thermalbäder in Ungarn
von Laelia Kaderas
 
Du kennst sicher Leute, die schon mal zur Kur gefahren sind. Wer im Krankenhaus war und im Alltag noch nicht zurechtkommt. Oder wer schon lange Zeit ein Leiden mit sich rumschleppt, das einfach nicht besser werden will. Oder wer sich einfach mal etwas Gutes tun will.
 
Meistens fangen die Orte, wo Kuren angeboten werden, mit "Bad" an. Das ist ein Hinweis auf besondere Quellen. Da steigen aus dem heißen Erdinneren bestimmte Mineralien auf, die der Körper sonst in dieser Menge nicht bekommt. Das sind Salze oder Schwefel, die im Wasser dieser Quellen enthalten sind. In diesem Wasser baden die Kranken, oder sie trinken es aus Heilbrunnen. Nur: Was dem einen hilft, ist nicht unbedingt gut für den anderen. Das eine heilt Magenkranke, schadet aber Herzkranken. Das andere glättet die Haut, bringt aber Kreislaufpatienten in die Nähe eines Zusammenbruchs. Deshalb sollte man sich gut auskennen.
 
Das mineralhaltige Wasser, das an manchen Stellen an die Oberfläche kommt, ist oft noch heiß. Die ganze Erde ist im inneren Kern ein glühender Ball. Zum Glück ist die äußere Schicht so weit entfernt von diesem Kern, dass wir darauf leben können. Hier und dort aber ist die Erdrinde dünner als normal. Dort sprudeln dann die heißen Quellen.
 
In Ungarn ist diese äußere Erdhülle etwa acht bis zehn Kilometer dünner als im restlichen Europa. Davon waren schon die alten Römer hellauf begeistert. Das heutige Ungarn war damals eine römische Provinz, die weithin als "Pannonien mit den warmen Bädern" bekannt war. Von weit her strömten die Menschen herbei, um diese zu genießen. Später herrschten die Türken über Ungarn. Sie brachten aus ihrer alten Kultur die Sitte des gemeinschaftlichen Badens mit. Vielleicht habt Ihr von den türkischen Bädern gehört: wunderschön gekachelte Badeanstalten, oft mit Kuppeldächern und Säulen im Inneren. Orte zum Entspannen und zum Wohlfühlen.
 




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Ungarn war wie geschaffen für solche türkischen Bäder, und so entstanden an vielen Orten prächtige Bauten mit farbig gefliesten Becken und Wandelhallen und Arkadengängen.
 
Die Ungarn fanden das gut. Sie übernahmen diese Sitte der Türken und wurden selbst zu richtigen Badehaus-Freaks. Dabei geht es nicht nur ums Baden oder ums Kuren.
 
Die warmen Bäder, die so genannten Thermalbäder, sind oft Treffpunkte für Freunde und Bekannte. Die Leute kommen zusammen, um gemütlich im Wasser zu liegen und zu tratschen oder Schach zu spielen.
 
 
Fünf Millionen Hektoliter Thermalwasser sprudeln Tag für Tag aus den ungarischen Quellen. Wenn Du im Sekundentakt bis zu einer Million zählen willst, also pro Sekunde eine Zahl aufsagst, brauchst Du dazu fast 278 Stunden, das sich elfeinhalb Tage und Nächte ohne Pause, ohne Schlaf, ohne Essen. Und ein Hektoliter sind 100 Liter: Stell Dir also zehn große Gießkannen voll Wasser vor. Und das eine Million Mal. So viel Thermalwasser kommt in Ungarn jeden Tag aus der Erde.
 
Jetzt wundert es Dich wahrscheinlich nicht mehr, dass es im ganzen Land Hunderte von Thermalbädern gibt, mehr als 20 allein in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Und was für schöne Bädehäuser das sind! Im Gellért-Heilbad beispielsweise hast Du das Gefühl, Du bist im Orient, in einer anderen Welt zu einer ganz anderen Zeit.
 




Das Gellért-Heilbad in Budapest.

 
Um sich von Wasser und Schlamm aus Ungarns heißer Erde heilen zu lassen, fahren auch viele Deutsche nach Budapest, Balatonfüred, Héviz, Balf, Bükfürdö, Gyula oder zu anderen Orten. Manchmal gibt die Krankenkasse sogar einen kleinen Zuschuss. Man kann ja mal nachfragen.
 
Thermalbäder in Budapest
Der größte Thermalkurort der Welt ist die ungarische Hauptstadt Budapest mit über 120 verschiedenen Quellen und mehr als 20 öffentlichen Bädern, die teilweise bis zu 450 Jahre alt sind.
 
Weitere Informationen über die Thermalbäder in Budapest findest Du HIER im Internet.
Für weitere Informationen über Ungarn klicke hier die Flagge: