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Im Reich der wilden Tiere: Wolf, Wisent, Braunbär, Elch
von Laelia Kaderas
Wie Bisonherden einst durch die Prärien Nordamerikas zogen, so zogen Wisentherden durch West-, Mittel- und Südosteuropa. Wisente sind die schlankeren Geschwister der Bisons. Beide wurden erbarmungslos gejagt - bis sie ausgerottet waren.
Nicht nur die Jagd, auch das Abbrennen und Abholzen der Wälder haben dazu beigetragen, dass die wilden Tiere in Europa starben. Manche konnten sich in abgelegene Winkel zurückziehen, dorthin, wo wenig oder keine Menschen wohnten. Nur kleine Herden oder einzelne Tiere blieben übrig.
Die letzten frei lebenden Wisente in Europa wurden vor weniger als 100 Jahren getötet. Auch die Elche, die damals noch in Deutschland heimisch waren, wurden gejagt, bis kein einziger mehr lebte. Erst recht die gefährlichen, starken Raubtiere wie Bären und Wölfe. Die Bauern in den Dörfern am Rande der Wälder und in den Bergen fürchteten um ihre Schafe. Grauenhafte Geschichten von blutrünstigen Bestien erzählten sich die Menschen, so dass alle Angst bekamen. Sie waren deshalb froh, wenn Jäger auf die wilden Tiere schossen. Und die waren fürchterlich stolz, wenn sie einen erlegten Bären oder Wolf nach Hause bringen konnten. Sie fühlten sich dann wie Sieger. So kam es, dass der letzte Bär in Deutschland 1835 erlegt wurde.
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Einige wilde Tiere überlebten in den Wäldern, Sümpfen und Hochmooren in Osteuropa und Russland. Naturschützer halfen dabei, dass Wisente, Elche, Bären, Wölfe, Luchse und andere seltene Tiere sich wieder vermehrten. Manche, die in Gefangenschaft geboren wurden, wurden später in Naturreservaten ausgewildert. Im polnischen Bialowieza-Urwald zum Beispiel konnte ab 1952 wieder eine Wisentherde heimisch werden. Etwa zehn Jahre später wurden in den Karpaten wieder Wisente angesiedelt. Die Karpaten sind eine Bergkette wie die Alpen, die sich wie ein sehr krummes Komma durch mehrere osteuropäische Länder ziehen: Sie erheben sich im Süden Polens, streifen Tschechien, geben dem Norden der Slowakei einen Rücken, machen einen Schlenker in die westliche Ukraine und durchschneiden schließlich in einem Bogen Rumänien.
[ Übrigens: Informationen zum polnischen Białowieża-Nationalpark findest Du im Internet. ]
In Rumänien gibt es bis heute auch Braunbären. Früher fing man sie und ließ sie als Tanzbären im Zirkus oder auf der Straße auftreten. Das war sehr grausam, weil man ihnen einen Ring durch die empfindliche Nase zog. So machte man die wilden Tiere gefügig. Es war ein sehr schmerzhaftes Leben für die Bären. Andere wild lebenden Bären wurden extra in Fallen gelockt, damit Jäger sie abschießen konnten. Diese Jäger waren manchmal mächtige Männer etwa von der früheren rumänischen Regierung. Oder es waren Ausländer, auch Deutsche, die viel Geld dafür bezahlten, dass sie einen Bären erlegen durften.
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Auch heute ist das noch so. In Slowenien zum Beispiel. Diese Jäger bringen dem Staat viel Geld ein, und so behauptet dieser manchmal, dass in den Wäldern viel mehr Bären und Wölfe leben, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Denn je mehr es gibt, desto mehr dürfen abgeschossen werden.
Jagd ist aber nicht das einzige Problem. Die Lebensräume haben sich verändert. Wisente zum Beispiel brauchen unendlich viel Platz. Im Sommer wandern sie weit umher, streifen durch Laubmischwälder, offenes Grasland und Heidelandschaft. Sie fressen Laub, Zweige, Knospen, im Winter auch Baumrinde. Zu jeder Jahreszeit müssen sie an trinkbares Wasser herankommen können.
Solche riesigen Naturräume gibt es noch in Polen und den baltischen Staaten (= Estland - Lettland - Litauen). Dort leben mittlerweile auch wieder Elche; etwa 4000. Ein paar dieser Tiere hatten nach dem Zweiten Weltkrieg in den menschenleeren Sumpfgebieten an der polnisch-russischen Grenze überlebt. Dort konnten sie sich vermehren - und sich bis nach Litauen, nach Tschechien und sogar nach Ostdeutschland verbreiten.





