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Schlösser ohne Schlossherren
von Laelia Kaderas
| Stell Dir vor, Dein Papa wäre ein Schlossherr. Vornehme Leute kämen zu Besuch. Im Empfangssaal würden sie ihre Visitenkarte hinterlegen. Und der Diener würde sie in aufrechter Haltung in den Besuchersalon führen. Die Gäste würden dort in antiken Sesseln, an verzierten Tischchen einen Tee einnehmen und mit Deinen Eltern über die feine Gesellschaft, Politik und Kultur parlieren. Dein Papa würde die Gäste schließlich von Saal zu Saal führen, ihnen kostbare Wandgobelins, Marmorstatuen und Gemälde zeigen. Alle würden am Fenster stehen oder an der Balkonbrüstung und den Blick über den kunstvoll angelegten Rosengarten schweifen lassen.
Und Du? Du bekämst vielleicht Privatunterricht. Alle würden viel Wert auf gutes Benehmen und eine gebildete Sprache legen. Du würdest entweder ein Instrument lernen oder reiten. Wilde Raufereien mit Buben aus der Nachbarschaft wären unter Deinem Niveau. |
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Ob Du auf ein solches Leben wirklich Lust hättest?
Ein Schloss zu kaufen, wäre ganz einfach. Es gibt sogar richtige Schlösser, die kannst Du für ein paar Euro bekommen.
| In Ungarn zum Beispiel. Nehmen wir mal eine Gegend am Plattensee (Balaton), den Landkreis Somogy. 56 verlassene Schlösser stehen dort unter Denkmalschutz. Sie waren einmal so prächtig, dass ein neuer Besitzer den Stil nicht verändern darf. Wenn er ein Schloss wieder herrichten will, muss er Fenster und Türen wie früher einsetzen und alte Materialien verwenden. Die sind aber viel teurer als moderne Fenster und Türen und Baustoffe.
In Somogy gibt es aber auch Schlösser und Landhäuser, die nicht denkmalgeschützt sind. Mehr als 100, hat die Balaton-Zeitung (im Internet: www.balaton-zeitung.de) herausgefunden. Fachleute sagen, dass viele dieser Gebäude schon so lange leer stehen, dass es billiger wäre, alles einzureißen und neu aufzubauen als es wieder in Stand zu setzen. Jetzt weißt Du, warum keiner die Bauten haben will! |
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Wem gehörten eigentlich die ganzen Schlösser in Somogy? Einige dieser Anwesen sind vor mehreren hundert Jahren gebaut worden. Die Familien der damaligen Besitzer sind Durch Kriege in alle Welt verstreut worden, anderen hat später der Staat alles weggenommen. Es war eine andere Zeit, eine andere Regierung. Sie wollte alles unter den Arbeitern und Bauern verteilen. Reiche Adlige sollte es nicht mehr geben. Heute ist es schwer, die Nachkommen der einstigen Eigentümer zu ermitteln.
Manche früheren Schlösser sind heute Hotels - oder könnten noch dazu ausgebaut werden. Denn mehr als die Hälfte der Landhäuser liegt in der Nähe von heißen Quellen und Heilbädern. Ältere Menschen und Kranke kommen wegen diesen Heilbädern gern nach Ungarn. Das Heilwasser und die Mineralstoffe im Schlamm tun ihnen gut. Ein Bad lindert Hexenschuss und Rheuma, eine Trinkkur beseitigt Magenschmerzen und macht die Haut geschmeidiger. Andere Gäste zieht es wegen der schönen Landschaft nach Somogy. Und wer sagt, dass Naturburschen sich nicht auch mal fürstlich betten wollen?
So wäre das herrschaftliche Leben doch viel einfacher: In den nächsten Ferien könntest Du mit Mama und Papa nach Ungarn fahren und in einem Schlosshotel übernachten. Für ein paar Tage könntest Du Dich dann selbst wie ein Schlossherr oder eine Schlossherrin fühlen. Und alles, ohne Dir Sorgen um die Zukunft des Guts machen zu müssen!
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