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Der 1000-Kilo-Boss aus der Urzeit
aus der Zeitung "Neue Presse" (NP) in Hannover
 
Das Wisentgehege Springe gehört mit seiner berühmten Zucht der urtümlichen Wildrinder zu den reizvollsten Tierparks in Europa. Die europäische Tierwelt kann im Gehege am Rande des Sauparks in ihrer großen Vielfalt studiert werden. Von großer Bedeutung sind die Erhaltungszuchten von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Der Wisent als Leittier der Naturanlage, die besonders im Herbst ihre Schönheit zeigt, wäre ohne die Springer Zucht wohl ausgestorben. In einer kleinen Serie stellt die NP den Tierpark vor.
 
Wisent ist Star im Springer Saupark
von Rüdiger Knorr (Text) und Frank Wilde (Fotos)
 
SPRINGE. Wenn der Wisent-Stier Boss in seiner ganzen, fast 1000 Kilo schweren Wucht im Wisentgehege zum Futtertrog stapft, geraten Besucher in ehrfürchtiges Staunen. "Mann, ist der groß", haucht Hannes (10), der mit seiner Schulklasse aus Hannover den Tierpark besucht.
 
Tatsächlich kann niemand sich hier dem starken Eindruck entziehen, den die Urzeit-Tiere auslösen. Erst recht, wenn sie erfahren: Ohne das Wisentgehege gäbe es diese europäische, dem nordamerikanischen Bison verwandte Tierart wohl nicht mehr: Nach dem Ersten Weltkrieg lebte nur noch ein Restbestand von 56 Tieren – ausschließlich in Zoos.
 
1928 wurde das Wisentgehege für die Rettung des Wildrinds eingerichtet. Es war der Beginn eines beispiellosen Erhaltungszuchtprogramms. Über 250 Jungtiere haben bis heute dazu beigetragen, dass es auch in großen Naturparks wieder stattliche Herden gibt.
 
"Umweltbildung und die Rolle als Arche für bedrohte europäische Tierarten sehen wir als unsere Hauptaufgabe", sagt Thomas Hennig, der die Leitung des Tierparks von seinem Vater Joachim Hennig übernommen hat.
 
Inzwischen nimmt das Wisentgehege an vielen Projekten des Europäischen Artenschutzprogramms für Eurasien teil. Przewalski-Pferde (die bald in der Mongolei wieder angesiedelt werden), der Vielfraß, der europäische Nerz, der Uhu, neuerdings das Mesopotamische Damwild gehören – unter anderen – dazu.
 
"Bei Luchs und Uhu ist die Wiederansiedlung schon gelungen", erklärt der engagierte Forstmann. Besonders stolz ist er auch auf sein Wolfsrudel, das mit Braunbären zusammenlebt: "Die Mär vom bösen Wolf sollte man endlich aufgeben. Es wäre schön, wenn sich Wolf und Luchs weiter in Europa verbreiten." Die Sorge, dass sich die jagenden Tiere auch an Nutztier-Beständen vergreifen, hält er für übertrieben: "Dafür würden doch Naturschützer locker Entschädigungen aufbringen."
 
Wer das Wisentgehege besucht, verlässt es mit einem gestärkten Bewusstsein für die Ehrfurcht vor der Natur. 140.000 Besucher hatte das Wisentgehege im vergangenen Jahr, sie brachten einen Umsatz von 900.000 Euro. Hennig ist zuversichtlich: "Wir hoffen, dass wir dieses Jahr daran anknüpfen können."
 


Er ist der Boss und heißt auch so: Der Leit-Stier der Wisentherde, die dem Gehege am Saupark den Namen gab. Zurzeit ist die Herde besonders zahlreich – 40 Tiere stark. Denn sie soll eines Tages auch der Grundstock für einen neuen Wildtierpark werden, der in Brandenburg mit Hilfe der Heinz Sielmann Stiftung geplant wird. Im Wisentgehege wurden seit der Gründung 1928 über 250 reinblütige Wisentkälber geboren.
Das Zuchtprogramm
Der Vielfraß ist die größte Marderart, lebt in Skandinavien, Nordsibirien und Nordamerika. Sein Name ist eine falsche Übersetzung des schwedischen Worts für Felsenkatze (Fjäll-fres). Im Wisentgehege wird die seltene Tierart mit Erfolg gezüchtet und dient zum Aufbau neuer Zuchten.
 
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Eine große Seltenheit auch in Tierparks ist das Mesopotamische Damwild, das es seit einem Jahr im Wisentgehege gibt. Die Zucht soll dazu beitragen, die Hirschart vor dem Aussterben zu bewahren. Ob es überhaupt noch Bestände in freier Wildbahn – etwa im Irak – gibt, ist ungewiss.
 
 
In freier Wildbahn ist das Przewalski-Pferd ausgestorben. Im Wisentgehege wird diese urzeitliche Stammform der Wildpferde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms mit großem Erfolg gezüchtet.
 

Wölfe und Bären leben friedlich in einem Gehege
Vor sechs Jahren wagte das Wisentgehege einen in Tierparks einzigartigen Versuch: Das Braunbärenpaar Siegfried und Karla (8) wurde in einem neuen Gehege gemeinsam mit einem Wolfsrudel angesiedelt.
 
Die Bären als Einzelgänger und die Wolfsgruppe mit ihrem ausgeprägten Sozialgefüge leben seither einträchtig nebeneinander. Thomas Hennig, Leiter des Wisentgeheges: "Die Tiere haben gehörigen Respekt voreinander, aber das Zusammenleben funktioniert."
 
Von einer großen hölzernen Aussichtsterrasse ist das ungewöhnliche Zusammenleben gut zu beobachten – eine der großen Attraktionen für Besucher.
 
Bei den Wölfen gibt es regelmäßig Nachwuchs – drei Jungtiere sind gerade nach Spanien weggegeben worden, wo sie den Grundstock für ein neues Rudel bilden sollen.
 



Foto oben links: Im Wolfsrudel herrschen strenge Rangordnungen – getrennt bei männlichen und weiblichen Tieren. Foto oben rechts: Braunbär Siegfried ist ein imposanter Vetreter seiner Art. Er wiegt an die 300 Kilo.
Wisentgehege Springe


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Das Wisentgehege ist am besten über die B 217 zu erreichen und ist ab der Abfahrt Springe ausgeschildert.
 
Es ist täglich ab 8:30 Uhr geöffnet und kann über Drehtüren auch abends nach Kassenschluss verlassen werden. Der Eintritt kostet 7 Euro für Erwachsene, 3,50 Euro für Kinder zwischen drei und 14 Jahren. Schüler ab 15 zahlen vier Euro, Studenten, Azubis und Schwerbehinderte 5 Euro. Jahreskarten: Erwachsene 35 Euro, Familie 100 Euro, Kinder 20 Euro. Hunde dürfen nicht ins Gehege.
 
Täglich außer montags gibt es auf dem Falkenhof um 11:30 und 15:00 Uhr eine Flugshow, die im Eintrittspreis enthalten ist. Wechselnde Fütterungen bei verschiedenen Tierarten gibt es regelmäßig morgens um 10:30 Uhr und am Nachmittag. Sie werden am Eingang angekündigt.
 
KONTAKT
Telefon: (05041) 58 28
Internet: www.wisentgehege-springe.de...
Hinweis zur Quelle:

Der Abdruck des Artikels und der Fotos aus der Ausgabe vom 12. Oktober 2004 erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Tageszeitung "Neue Presse" (NP) in Hannover. Vielen Dank.