Heute: 17. Mai 2012 Donnerstag
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Spanien: Von vierarmigen Riesen und 1001 Nacht
von Laelia Kaderas
 
Don Quijote war ein verhuschter Spanier, der so viele Ritterromane gelesen hatte, dass er sich selbst für einen Ritter hielt. So machte er sich zusammen mit seinem kleinen, stämmigen Knecht Sancho Panza auf, um heldenhafte Abenteuer zu bestehen.
 
Eines Tages nahm Don Quijote todesmutig den Kampf gegen Riesen auf, die sich ihm in den Weg stellten. Die Riesen waren in Wahrheit aber nur Windmühlen. Denn in der spanischen Region Kastilien-La Mancha, wo Don Quijote und Sancho Panza unterwegs waren, reiht sich eine Windmühle an die andere. Don Quijote und Sancho Panza sind die Hauptfiguren eines weltberühmten Romans, den der Spanier Miguel de Cervantes im Jahr 1605 geschrieben hat.
 


Don Quijote (links) und Sancho Panza.
Toledo, die Hauptstadt von La Mancha, war einst die Stammeshauptstadt der Iberer. Das ist sozusagen das Ur-Volk Spaniens. Deshalb spricht man auch heute noch von Spanien als der Iberischen Halbinsel.
 




Ansichten von Toledo.

 
Immer wieder andere Herrscher und Völker kamen und nahmen das Land ein, und alle hinterließen Spuren. Sie bauten Häuser auf ihre Art, sie führten Kulturtechniken ein, machten auf ihre Art Musik. Jeder hatte berühmte Wissenschaftler und Künstler und Philosophen, die alle Einfluss genommen haben auf das Leben der Spanier.
 
Genau das macht Spanien heute so interessant: Es gibt Hinterlassenschaften der Römer und der Germanen und der Araber. Christen, Juden und Muslime lebten hier lange Zeit und prägten den Stil. Kirchen, Kathedralen und andere Gotteshäuser, wunderschön verzierte Paläste wie aus 1001 Nacht, Baudenkmäler und Handwerkskunst zeugen von den unterschiedlichen Einflüssen.
 




Granada (von links nach rechts): Blick auf die Altstadt, die Kathedrale und der berühmte Löwenbrunnen in der Alhambra.
 
Jede Region hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Besonderheiten. Im Süden, in Andalusien, ist zum Beispiel der Flamenco zu Hause – ein rassiger Ausdruckstanz, der mit klappernden Instrumenten und Gitarren und Gesang begleitet wird (siehe Foto rechts). Die Frauen tragen bunte knöchellange Kleider mit überhängenden Rüschen. Beim Tanzen stampfen sie mit ihren Füßen rhythmisch auf.
 
Das ist zum Beispiel ein maurisches, also muslimisches Erbe. Mauren waren ein umherziehendes Volk aus Nordafrika. Auch der Stierkampf kommt aus diesem Kulturkreis. Am berühmtesten für die maurisches Bau- und Lebensweise sind die Städte Córdoba, Sevilla und Granada mit der märchenhaften Stadtburg Alhambra.
 

Der Norden Spaniens ist dagegen sehr christlich geprägt. Seit dem Mittelalter ziehen Pilger auf dem St. Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Wege aus ganz Europa führen über die Bergkette, die die Iberische Halbinsel mit dem europäischen Festland verbindet, die Pyrenäen. Der nordwestliche Teil Spaniens, Galicien, ist überhaupt ziemlich gebirgig. Die Küste ist zerfurcht und buchtenreich.
 
Im Norden leben auch die Basken. Sie sprechen eine eigene Sprache. Einige von ihnen versuchen seit vielen Jahren, sich von Spanien unabhängig zu machen und einen eigenen Staat zu gründen. Diese Separatisten – das Wort kommt aus dem lateinischen separare und heißt abtrennen – lassen manchmal Bomben hochgehen, aber nur selten in den touristischen Gebieten.
 
Die meisten Touristen erholen sich nämlich an den Stränden an der Mittelmeerküste. An der Costa Brava, der Costa Dorada, der Costa del Azahar, der Costa Blanca und der Costa del Sol. Man kann den ganzen Tag in der Sonne liegen oder im warmen Mittelmeer schwimmen, Fisch und Muscheln essen und viele andere Leckereien probieren. Die Erwachsenen genießen vielleicht einen Rioja, einen roten Wein, der im Landesinnern angebaut wird und den es auch in Deutschland zu kaufen gibt. Die meisten Touristen sind übrigens Deutsche: über 10 Millionen verbringen jedes Jahr ihre Ferien in Spanien. Außerdem haben sich mehr als 500.000 Deutsche ein Häuschen, manche sogar eine Villa mit Swimmingpool gekauft. Sie wohnen hier: "Spanien ist meine zweite Heimat", sagen sie.
 


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