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Klein, aber oho!
San Marino und der Vatikanstaat
von Laelia Kaderas
San Marino und der Vatikanstaat
Dir wird etwas angeboten? Nimm es! Anderen gehört mehr? Nimm es ihnen weg!
In der Geschichte haben viele Länder so gedacht. Sie wollten mehr, wollten wachsen, wollten größer sein als andere. Neid, Gier, Machtwille und Ruhmsucht waren da am Werk und sind es bis heute. Sag nicht, du warst niemals neidisch oder niemals gierig! Irgend etwas davon kennt jeder Mensch; so ist das nun mal. Die Starken schlagen die Schwachen, die Schnellen überholen die Langsamen. Auch wenn es nicht schön ist.
Wieso aber gibt es ganz kleine Länder, die von den Großen nicht belästigt werden? Wieso können sich diese kleinen Länder aus den Kriegen der Großen raushalten? Wieso werden sie nicht einfach überrannt und eingenommen? Und wieso geht es ihnen manchmal besser als den Großen, die doch alles haben?
Ich will euch die Geschichte erzählen von zwei Kleinen mit großem Erfolg. Beide liegen mitten in Italien. Zwei eigenständige Staaten. Der eine verzichtete freiwillig auf Grund und Boden. Er lehnte ein Angebot ab, das zwar verlockend klang, ihm aber vermutlich nur Ärger eingebracht hätte. Klug entschied er: Lieber klein bleiben dafür frei! Der andere erschwindelte sich seine Unabhängigkeit, dehnte sich aus und wurde gestutzt. Am Ende blieb ihm eine Fläche von gerade mal einem halben Quadratkilometer. Doch was macht das schon, wenn man gesund und reich ist?
Na gut, reich ich übertreibe. Heute ist ein Land ja schon gut dran, wenn es keine Schulden hat. Schulden hat keines der Länder. Jedes weiß, wie es mehr Geld einnimmt als ausgibt.
Das eine Land heißt San Marino. Das andere Staat Vatikanstadt, kurz: Vatikanstaat.
| Der Kleinstaat San Marino liegt in der Nähe des Seebades Rimini an der italienischen Adria-Küste. Der Kleinstaat Vatikanstadt (bzw. Vatikanstaat) liegt mitten in der italienischen Hauptstadt Rom (Roma). |
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Und wer von den beiden war nun der Schwindler? Tja, du wirst staunen: Es war der Staat des Papstes. Das kam so: Weil auf dem Hügel Roms lateinisch heißt er mons vaticanus der Apostel Petrus beerdigt sein soll, ließ Kaiser Konstantin dort eine Grabeskirche errichten: St. Peter. Die gläubigen Menschen strömten herbei; der Hügel Roms wurde zum Wallfahrtsort.
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in der italienischen Hauptstadt Rom.
Eine Karte des Vatikanstaates mit Erläuterungen findest Du hier...
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Mit einer Schenkung fing auch für San Marino alles an. Was zunächst als Sage weitererzählt wurde, stellte sich später als wahr heraus. Eine reiche römische Edelfrau, die den christlichen Glauben angenommen hatte, soll dem Steinhauer Marinus den Berg Titano geschenkt haben. Marinus und andere Christen hielten sich dort während einer grausamen Christenverfolgung versteckt. Die christliche Gemeinschaft blieb über viele Jahrhunderte unbekannt, deshalb konnte sie frei leben und sich entwickeln. Irgendwann fing sie an, Befestigungsanlagen und Regenwasser-Brunnen zu bauen. Die Gemeinschaft wurde größer. Die Menschen brauchten mehr Platz. Und so kaufte man zwei Schlösser und Ländereien in der Nähe.
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Blick auf die Hauptstadt San Marino (Mitte) und der Regierungspalast (rechts).
Schon damals war San Marino eine Stadtrepublik, einer der ältesten Republiken der Welt. Die San-Marineser wählten ein Staatsoberhaupt, und sie befolgten klare Gesetze. Zum Beispiel durften sie Müll nicht einfach auf die Wege kippen. Im Mittelalter war es ganz normal, alles auf die Straßen und Plätze zu werfen. Jeder machte das. Nur in San Marino stand dies unter Strafe.
So gesittet und friedlich blieb es aber nicht. Immer wieder gab es Nachbarn, die San Marino besitzen oder wenigstens Steuern eintreiben wollten. In Italien waren sich Kirche und Kaiser spinnefeind, und das bekam auch San Marino zu spüren. Kurz: Es gab Streitereien, Angriffe, Kämpfe, Kriege. Aber die San-Marineser hatte eine starke Armee aufgebaut, die niemand bezwingen konnte. So klein, so schlagkräftig! Schlimm war die Zeit trotzdem. Den San-Marinesern ging es nicht gut. Einmal zettelten sie selbst einen Krieg an und siegten. Fortan gehörten vier weitere Schlösser zu San Marino.
Mehr wollten sie aber nicht. Als Napoleon Italien einnahm und überall Republiken gründete, bot er San Marino Kanonen, Getreide und Land bis zum Meer an. Er mochte San Marino. Vielleicht weil diese jahrhundertealte Republik für ihn ein Symbol für Unerschrockenheit und Sieg war. Die San-Marineser aber schlugen sein Angebot aus. Kanonen und Land, nein danke! Nur das Getreide nahmen sie.
Über all die Zeit hielt sich San Marino so gut es ging heraus aus den politischen Wirren in Italien. Es nahm Flüchtlinge auf und versuchte neutral zu bleiben. Selbst als einmal eine faschistische Partei regierte das war zur Zeit des Zweiten Weltkriegs kämpften san-marinesische Soldaten nicht im italienischen Heer.
San Marino war immer zurückhaltend, und das war gut für seine Bewohner. Die lebten als Bauern oder Viehzüchter oder Steineklopfer. Heute bringen jährlich drei Millionen Touristen viel Geld ins Land. Besonders beliebt sind die Briefmarken des kleinen Staates mit nur 33.000 Einwohnern.
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Mit Briefmarken macht auch der Vatikanstaat gute Geschäfte. Und mit vatikanischen Euro-Münzen. Und mit Telefonkarten. Diese sind etwas so Außergewöhnliches, dass die Besucher sie nicht zum Telefonieren benutzen, sondern zur Erinnerung aufbewahren.
Na bitte! Sage noch einmal einer, dass die Kleinen im Nachteil sind!
Weitere Informationen:
San Marino
Weitere Informationen zu San Marino findest Du hier.
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Vatikanstaat
Weitere Informationen zum Vatikanstaat in Rom findest Du hier.
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