Amnesty: EU-Staaten verantwortlich für mehr Tote im Mittelmeer

08.08.2018 Rom/London (dpa) – Die EU-Staaten sind nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verantwortlich für die hohen Todeszahlen im Juni und Juli im Mittelmeer. Die Ausweitung der Unterstützung der libyschen Küstenwache durch Italien und die Europäische Union trage dazu bei, dass die Route zwischen dem Bürgerkriegsland und Italien noch gefährlicher und die Seenotrettung in dem Gebiet unzuverlässiger werde, heißt es einem Bericht, der am Mittwoch in London veröffentlicht wurde.

Solange Schlepper Menschen dazu zwingen, auf seeuntüchtige und überfüllte Boote zu steigen, werde es Tote geben. «Der jüngste Anstieg der Todesfälle im Meer kann jedoch nicht als unausweichliches Unglück abgetan werden», erklärte Amnesty. Obwohl zuletzt weniger Migranten in Europa ankamen, ertranken mehr Menschen. Die Internationale Organisation für Migration hatte mit 564 Toten im Juni eine Rekordzahl an Opfern für diesen Monat verzeichnet. Insgesamt seien in diesem Jahr bereits 1514 Menschen im Mittelmeer gestorben.

Amnesty prangerte insbesondere die Politik der neuen populistischen Regierung in Rom an. Um Unterstützung der EU-Partner einzufordern, hatte sie mehrmals Schiffe mit Geretteten an Bord tagelang im Meer blockiert und Hilfsorganisationen die Einfahrt in Häfen untersagt. Dies habe das Such- und Rettungssystem unvorhersehbar gemacht.

Aus Unsicherheit könnten Schiffe Hilfe unterlassen oder Anweisungen der libyschen Küstenwache befolgen und in internationalen Gewässern gerettete Menschen entgegen internationalem Recht nach Libyen zurückbringen, warnte die Organisation.

In dem zu weiten Teilen anarchischen Bürgerkriegsland landen Menschen nicht in Aufnahme-, sondern in Gefangenenlagern, wo ihnen Gewalt und sogar Folter droht. In den vergangenen Monaten habe sich die Zahl der dort Inhaftierten von 4400 im März auf über 10 000 Ende Juli mehr als verdoppelt, berichtete Amnesty unter Berufung auf libysche Behörden.

Quelle dieser Information: Der Abdruck dieser Nachricht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).