Heute: 17. Mai 2012 Donnerstag
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Nukleare Endlagerung
 
EU will höchste Sicherheitsstandards für alle
Die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten dürfen das Thema Endlagerung von Atommüll nicht mehr länger vor sich herschieben. Stattdessen sollten sie in den kommenden Jahren erklären, wann, wo und wie sie Endlager bauen und betreiben wollen, so die EU-Kommission am 3. November 2010. Diese Lagerstätten müssen in jedem Fall den höchsten Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) entsprechen.
 
"Sicherheit ist unteilbar. Kommt es in einem Land zu einem Unfall, kann dies auch in anderen Ländern verheerende Folgen haben. Wir müssen gewährleisten, dass wir über die höchsten Sicherheitsstandards in der Welt verfügen, um unsere Bürger, unsere Gewässer und unsere Böden vor radioaktiver Kontaminierung zu schützen", sagte Energiekommissar Günther Oettinger.
 

Dafür soll eine neue Richtlinie sorgen. Sie sieht vor, die Regierungen zu verpflichten, spätestens vier Jahre nach ihrer Verabschiedung nationale Programme vorzulegen, in denen jede Regierung ihre Pläne zu den nuklearen Endlagern genau darlegt. Diese sollten einen genauen Zeitplan für den Bau der Endlager enthalten. Die EU-Kommission wird über diese Programme in Kenntnis gesetzt und kann gegebenenfalls Änderungen verlangen. Mit der Richtlinie würden international vereinbarte Standards in allen EU-Mitgliedstaaten rechtsverbindlich und durchsetzbar.
 
Jährlich fallen in der EU rund 7.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle an, die derzeit größtenteils in Zwischenlager gebracht werden. Mehr als 50 Jahre nachdem der erste Atomreaktor in Großbritannien ans Netz ging, existieren jedoch noch immer keine Endlager. Früher oder später muss sich das ändern, denn Zwischenlager sind zur Abkühlung vor allem der Brennstäbe zwar nötig, sind aber keine langfristige Lösung.
 
Der EU-Vorschlag sieht weiter vor, der Öffentlichkeit ein Recht auf Information und Beteiligung bei der Entscheidungsfindung zur nuklearen Endlagerung einzuräumen. Der Export von Atommüll aus der EU heraus soll dagegen verboten werden. Untereinander sollen EU-Mitglieder jedoch die gemeinsame Nutzung eines Endlagers vereinbaren dürfen. Entscheidend ist, dass die von der IAEO entwickelten Sicherheitsstandards rechtsverbindlich werden. (hb)
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 37 vom 4. November 2010 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Nuklearabfälle: Kommission schlägt Sicherheits­standards für Endlagerung vor
PresseInformation der EU-Kommission vom 3. November 2010.
 
Safety standards for nuclear waste disposal
Memorandum der EU-Kommission vom 3. November 2010 mit Fragen und Antworten (FAQ) zum Thema.
 
Management of nuclear waste: Commission proposes high level EU standards
Die am 3. November 2010 von der EU-Kommission veröffentlichte Mitteilung mit ihren Vorschlägen sowie weitere Dokumente dazu können über diese Seite abgerufen werden.
 
Fundamental Safety Principles
Text der International Atomic Energy Agency (IAEA), der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEO), zu Sicherheitsstandards bei der Entsorgung von Atommüll als PDF-Dokument.


Wo andere Länder Atommüll lagern


Berlin (dpa) 04.11.2010 - Die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll ist weltweit ein Problem. Als erstes Land hat Finnland mit dem Bau eines Endlagers begonnen. Im folgenden ein Überblick:
 
FINNLAND: Finnland hat den Bau eines Endlagers für seinen Atommüll in Angriff genommen. Es wird nahe der Ortschaft Eurajoki und des Atomkraftwerkes Olkiluoto am Bottnischen Meerbusen vier Kilometer in Felsgestein gebohrt und soll 2020 in Betrieb genommen werden. Baukosten: 3 Milliarden Euro. Allerdings reicht die Kapazität nur für den Müll aus den bisherigen vier sowie einen im Bau befindlichen neuen Reaktor. Für Atommüll aus zwei weiteren geplanten Meilern ist hier kein Platz mehr.
 

SCHWEDEN: Auch Schweden hat bereits ein Endlager im Blick. Im Juni 2009 entschieden sich die schwedischen Kernkraftbetreiber, die auch das Abfall-Management betreiben, für die 23.000-Seelen-Gemeinde Östhammar 150 Kilometer nördlich von Stockholm als künftige Endlagerstätte für hoch radioaktiven Abfall. 100.000 Jahre soll hoch radioaktiver Müll hier in 500 Meter Tiefe in Urgestein verwahrt werden. In unmittelbarer Nähe liegt das Atomkraftwerk Forsmark.
 
USA: In den USA, dem Land mit den meisten Atomkraftwerken, wird der Müll meist dezentral bei den rund 100 Meilern gelagert. Die US-Regierung hat bisher etwa 10 Milliarden US-Dollar in ein mögliches Endlager in Yucca Mountain nahe Las Vegas investiert. 2002 beschloss der US-Kongress, Yucca Mountain als einzigen Standort für hoch radioaktiven Abfall in den Vereinigten Staaten auszubauen. Aber US-Präsident Barack Obama hat weitere Zahlungen vorerst auf Eis gelegt und will laut Energieministerium weitere Optionen testen lassen.
 
FRANKREICH: Das Land ist nach den USA der zweitgrößte Atomstrom-Produzent. Bislang wird hoch radioaktiver Müll an den Nuklearanlagen in La Hague, Marcoule und in Cadarache zwischengelagert. Derzeit prüft die französische Regierung die Errichtung eines Endlagers für mittel- und hoch radioaktive Abfälle in der nordostfranzösischen Gemeinde Bure. Dort gibt es Versuche in einer rund 500 Meter unter der Erde liegenden Gesteinsformation, die 160 Millionen Jahre alt ist. Wenn es grünes Licht gibt, soll das Lager um das Jahr 2025 öffnen.
 
GROSSBRITANNIEN: Auch in Großbritannien gibt es keine Lösung für die Endlagerung ausgedienter Brennstäbe aus den 19 Kraftwerken. 2005 wurde eine eigene Behörde für die Endlagerfrage ins Leben gerufen. Derzeit lagert ein Großteil des britischen Atommülls noch im Kernkraftzentrum um den umstrittenen Atommeiler Sellafield. Nachdem am Anfang diskutiert wurde, ob der Atommüll im Weltraum oder auf dem Meeresboden entsorgt werden könnte, geht es jetzt um die Endlagerung in gesicherten Räumen unter der Erde. Die Regierung rief Kommunen auf, sich freiwillig als Standort zu melden. Als Belohnung winken mehr Fördergelder. Jedoch haben sich bisher kaum Freiwillige gemeldet. Eine Lösung ist nicht vor 2050 in Sicht.
 
RUSSLAND: In Russland stammen viele Atommüll-Deponien noch aus den 1950er Jahren. Obwohl Umweltschützer die Lagerstätten für unsicher halten, erlaubte die Staatsduma 2001 die Einfuhr abgebrannter Brennstäbe aus dem Ausland. Moskau erwartet dafür Einnahmen in Milliardenhöhe. Der russische Staatskonzern Rosatom, der für die Lagerung zuständig ist, plant bis 2013 einen Ausbau der Deponie in der Andrejewa-Bucht auf der Halbinsel Kola. Schon jetzt lagern dort Abfälle, deren Strahlung laut Experten mit der in den versiegelten Reaktor in Tschernobyl vergleichbar ist. Ab 2011 soll ein Gesetz die Lagerung und Aufbereitung in Russland neu regeln. Politiker wie der Grünen-Europaabgeordnete Werner Schulz drängen auf einen Exportstopp von deutschem Atommüll nach Russland.
 
Der Abdruck der vorstehenden Meldung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
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