Heute: 17. Mai 2012 Donnerstag
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Menschen mit Behinderung
 
Neue EU-Strategie für ein barrierefreies Europa
Der Alltag von Menschen mit Behinderung ist voller Tücken: Eine U-Bahn-Haltestelle ohne Aufzug ist für den Rollstuhlfahrer kaum erreichbar; kleine Schriften auf Verpackungen kann ein Sehbehinderter nur schwer entziffern, und viele Menschen mit Behinderung haben kaum Chancen am Arbeitsmarkt. Die EU-Kommission will mit einer am 15. November 2010 vorgestellten Zehn-Jahres-Strategie diesen Missständen begegnen.
 
Über 80 Millionen Menschen mit Behinderung leben in der EU. Mehr als jeder Dritte der über 75-Jährigen hat ein körperliches Handicap, das ihn in seinem Alltag beeinträchtigt. Dieser Anteil dürfte weiter ansteigen, da die Bevölkerung in der EU immer älter wird. Zu häufig bleibt der großen Mehrheit dieser Menschen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch aufgrund von Diskriminierungen verwehrt. Um dies zu ändern, möchte die EU-Kommisson in den kommenden zehn Jahren die bestehenden Barrieren aus dem Weg räumen und die Rechte von Menschen mit Behinderung stärken.
 

"Meine Vision ist ein wirklich barrierefreies Europa für Menschen mit Behinderungen im Jahr 2020. Zwei sehr wirksame Lösungsansätze sind die Entwicklung europäischer Normen für barrierefreie Produkte und Dienste und die Nutzung der öffentlichen Auftragsvergabe zur Sicherung der Zugänglichkeit der öffentlichen Gebäude", sagte die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding.
 
So möchte die EU-Kommission die Anerkennung von Behindertenausweisen EU-weit verbessern. Weitere Maßnahmen sind die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Behinderungen und behindertengerechte Einrichtungen, beispielsweise durch die Verleihung eines europäischen Preises für gut zugängliche Städte oder die gezielte Berücksichtigung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und staatlicher Beihilfen. Dies soll auch die europäische Wirtschaft ankurbeln. So könnte EU-weit das Angebot bei Dienstleistungen und Geräte für Behinderte verbessert werden. Der Jahresumsatz dieses Marktes wird bereits heute auf über 30 Milliarden Euro geschätzt.
 
Eine Studie des Royal National Institute of the Blind, das die Interessen von sehbehinderten Menschen in Großbritannien vertritt, zeigt beispielsweise, dass eine Supermarktkette, die 35.000 britische Pfund in eine barrierefreie Webseite investierte, jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von über 13 Millionen Pfund erwirtschaftet. Einer deutschen Studie zufolge würden behindertengerechte Einrichtungen den Reiseverkehr von Menschen mit Handicaps wesentlich ankurbeln und den Jahresumsatz des deutschen Fremdenverkehrssektors um bis zu 1,9 Milliarden Euro steigern. (fb)
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 39 vom 18. November 2010 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Barrierefreies Europa:
Kommission will Zugangs­erleichterungen für 80 Millionen behinderter Menschen

PresseInformation der EU-Kommission vom 15. November 2010.
 
European Disability Strategy 2010-2020
Memorandum der EU-Kommission vom 15. November 2010 mit Fragen und Antworten (FAQ) zum Thema.
 
Barrierefreies Europa:
Kommission will Zugangserleichterungen für 80 Millionen behinderte Menschen

Über diese Seite können die von der EU-Kommission am 15. November 2010 veröffentlichte Mitteilung sowie weitere Dokumente zum Thema abgerufen werden.
 
Europa 2020-Strategie: Ökologisch, wettbewerbsfähig, sozial
In den vergangenen zehn Jahren hat die EU Zeichen gesetzt: Klimaschutz, Stärkung der Verbraucherrechte, Reform der europäischen Hochschullandschaft und vieles mehr. 2010 tritt eine neue EU-Kommission ihr Amt an. Erweiterte Ziele sind nötig, das hat die Finanz- und Wirtschaftskrise gezeigt. Unter dem Namen "Europa 2020" hat die EU-Kommission ihre Ideen präsentiert, die Impulse für die Bewältigung der anstehenden Herausforderungen geben.
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