Heute: 11. März 2010 Donnerstag
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Zum Lernen ins Ausland
 
Junge Europäer sollen europäischen lernen
Was heute Ausnahme ist, soll immer stärker zur Normalität werden: Junge Europäer lernen und sammeln Erfahrungen in anderen Ländern - ob als Studenten, im Schüleraustausch, in Praktika oder freiwilligen Diensten. Der Weg dorthin aber ist noch weit und fordert Einsatz. Ein Grünbuch soll die Diskussion darüber anstoßen, eine breite öffentliche Konsultation Ideen und Erfahrungen zusammentragen.
 
Die von der EU-Kommission geforderte "Lernmobilität" soll zu einem selbstverständlichen Teil des europäischen Lebens werden. Kein geringer Anspruch also, den die Kommission am 8. Juli 2009 in einem entsprechenden Grünbuch auf die Tagesordnung gesetzt hat. "Wir müssen die Mobilität fördern, damit ein Auslandsaufenthalt zur Regel wird und nicht die Ausnahme bleibt. Für die Stärke und Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in der EU ist dies ebenso wichtig wie für den sozialen Zusammenhalt der europäischen Gesellschaften im 21. Jahrhundert," sagte der EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend Ján Figel' bei der Vorstellung des Grünbuchs.


Es ist ein Thema, bei dem die EU-Kommission die Regierungen hinter sich weiß. "Jeder junge Mensch", beschloss der Europäische Rat erst im November 2008, "soll die Möglichkeit haben, in irgendeiner Form an dieser Mobilität teilzuhaben, sei es im Rahmen von Studium über Ausbildung, in Form eines Praktikums oder im Zusammenhang mit Freiwilligenarbeit". Ende April formulierten die Bildungsminister auf der Bologna-Nachfolgekonferenz in Leuven das Ziel, bis 2020 sollten mindestens 20 Prozent aller Hochschulabgänger einen Abschnitt ihres Studiums oder ein berufliches Training im Ausland absolvieren.
 
Das Thema Lernmobilität begleitet die europäische Integration seit Jahrzehnten, spätestens seit der Binnenmarkt beschlossene Sache war und 1987 das Programm ERASMUS aus der Taufe gehoben wurde. Denn die europäischen Unternehmen brauchen weltgewandte, sprachkundige Mitarbeiter, die politische Entwicklung braucht Bürger, die Fremdenfeindlichkeit und Berührungsängste mit anderen Kulturen abgelegt und eine europäische Identität entwickelt haben.
 
Dafür hat sich die EU-Kommission von Anfang an engagiert. Immer mehr Programme für immer mehr Zielgruppen kamen im Lauf der Jahre hinzu - Studenten, Schüler, Lehrlinge, junge Handwerker, Jungunternehmer, benachteiligte Jugendliche. Manche fordern die Initiative der jungen Leute selber, andere richten sich an Bildungsträger, Unternehmen und Verbände, die junge Menschen aktivieren sollen. Daraus ist eine Vielfalt von Programmen und Fördertöpfen geworden. Erfolge sind da: Rund 310.000 junge Menschen im Jahr profitieren von einem der EU-Programme. Doch das ist viel zu wenig, so die Botschaft des Grünbuches, misst man es an der Größe der Aufgabe: 310.000 sind ungefähr 0,3 Prozent der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen. Größere Erfolge gibt es bei den akademischen Zielgruppen, in manchen Studiengängen gehört das Auslandssemester oder -praktikum einfach dazu. Die Hochqualifizierten sind klar die Gewinner der europäischen Integration. Doch auch hier relativiert sich vieles, sobald man die Masse in den Blick nimmt: Nur vier Prozent der europäischen Studierenden haben überhaupt einen Studienaufenthalt im Ausland absolviert, nur eine von fünf Bildungseinrichtungen in Europa bietet ihren Studenten ein Erasmus-Programm an.
 
Die Schlussfolgerung der Kommission lautet nicht bloß: Es muss mehr geschehen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die EU hier mit ihren Mitteln und Instrumenten an Grenzen stößt. Das Grünbuch folgt weitgehend den Empfehlungen eines Ende 2007 von der Kommission eingesetzten hochrangigen Expertenforums für Mobilität. Dieses forderte, insbesondere Lehrlinge, Schüler der Sekundarstufe sowie Jungunternehmer, Kunstschaffende und Freiwillige verstärkt einzubeziehen. Noch bestehende Mobilitätshindernisse sollten beseitigt, eine neue Partnerschaft zwischen der EU, den Mitgliedstaaten, Regionen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zur Ankurbelung der Mobilität geschlossen werden.
 
Dies trifft genau die Sicht der Kommission: Noch mehr Möglichkeiten, noch mehr Aufklärung und Information, noch mehr praktische Hilfen. Eine konzertierte Aktion soll es werden, eine große Bewegung soll durch Europa gehen, bei der sie sich als Anreger, Koordinator und Förderer sieht. Alles, was vom Aufbruch ins Ausland abschreckt, soll verschwinden - was den Entschluss erleichtert, soll Unterstützung erfahren. Dabei setzt die Kommission auf die Wirkung des guten Beispiels. Das Grünbuch ist durchsetzt mit vielen Informationskästen über vorbildliche Aktivitäten aus fast allen Mitgliedsländern - "best practices". So sind etwa die Aktivitäten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und die vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag, dem Baden-Württembergischen Handwerkstag und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall gemeinsam getragene Servicestelle "Go.for.europe" lobend erwähnt.
 
Die Konsultation, die sich in den kommenden Monaten anschließt, soll noch mehr gute Beispiele ans Licht bringen. Das wird Grundlage für eine europaweite Strategie. Bis zum 15. Dezember 2009 kann jeder Interessierte über das Internet sein Wissen zur Verfügung stellen. (mb)


Lehrjahre werden wieder Wanderjahre
Die Deutschen gelten im europäischen Vergleich eher als weniger beweglich. Doch sie werden mobiler, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kürzlich zeigte. Jeder Vierte kann sich vorstellen, seinen Lebensmittelpunkt für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu verlegen. Doch planen nur zwei Prozent konkret einen Auslandsaufenthalt. Wer dies tut, findet alle erdenkliche Hilfe. Nur ein Beispiel: Mit einem neuen Beratungsangebot will die Handwerkskammer Leipzig den Handwerkernachwuchs motivieren, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Grundlage ist das Programm zur Förderung beruflicher Mobilität junger Beschäftigter, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aufgelegt und aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) unterstützt. Lehrlinge und Berufsanfänger erhalten Informationen und Beratung über verschiedene Möglichkeiten beruflicher Auslandsaufenthalte, zu Sprachkursen, zur finanziellen Förderung und werden bei der Organisation ihres Auslandaufenthalts unterstützt.
 
Azubis beispielsweise können wählen zwischen "Let´s go", einem dreiwöchigen Betriebspraktikum im Handwerk in Europa, "Mobinardo", einem vier- bis achtwöchigen Auslandspraktikum für Auszubildende, "xchange", einem vierwöchigen Praktikum in Italien, Österreich, im Fürstentum Liechtenstein oder in der Schweiz, oder aber "INTEGRA", das sich um Mobilität für benachteiligte und lernbehinderte Jugendliche in der Ausbildung kümmert. Daneben bieten das Deutsch-Französische ebenso wie das Deutsch-Polnische Jugendwerk vier- bis zwölfwöchige Praktika im jeweiligen Land an. Wer schon im zweiten oder dritten Jahr einen gewerblich-technischen Beruf lernt, kann über die "Stiftung Bildung und Handwerk" ein Praktikum in Bulgarien, Estland, Italien, Niederlande, Spanien oder Ungarn bekommen. Wer mehr möchte, kann über "Compagnons du Devoir" gleich eine komplette handwerkliche Berufsausbildung in Frankreich antreten, die in Deutschland anerkannt ist.
 
Hochqualifizierte zieht es ins Ausland
PresseInformation des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin vom 7. Juli 2009.
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 24 vom 9. Juli 2009 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Zum Lernen ins Ausland:
Kommission startet öffentliche Konsultation zu Mobilitätsmöglichkeiten für junge Menschen

PresseInformation der EU-Kommission vom 8. Juli 2009.
 
Die Mobilität junger Menschen zu Lernzwecken fördern
Volltext des Grünbuchs der EU-Kommission vom 8. Juli 2009 zur Bildungsmobilität in Europa als PDF-Dokument in deutscher Sprache.
 
Bildung und Kultur: Anhörung der Öffentlichkeit
Über diese Seite der Generaldirektion 'Bildung und Kultur' der EU-Kommission kann in Kürze der Fragebogen im Rahmen der Konsultation zum Grünbuch abgerufen wwrden (auch über diese Seite der EU-Kommission).
 
Allgemeine & berufliche Bildung: Unterstützung für Mobilität
Informationen der EU-Kommission zum Thema sowie zum Bericht "Lernen mobil machen - eine Herausforderung für alle".


HINWEISE


Grünbücher
Die von der EU-Kommission veröffentlichten Grünbücher sollen auf europäischer Ebene Denkanstöße zu spezifischen Themen liefern. Sie richten sich hauptsächlich an interessierte Kreise (Einrichtungen und Einzelpersonen), die damit zur Teilnahme an einem Prozess der Konsultation und Debatte auf der Grundlage der im Grünbuch enthaltenen Vorschläge aufgefordert werden. In einigen Fällen geben sie den Anstoß zur Erarbeitung von Rechtsvorschriften, die dann in Weißbüchern erläutert werden.
 
Weißbücher
Die von der EU-Kommission veröffentlichten Weißbücher enthalten Vorschläge für Maßnahmen der Gemeinschaft in einem bestimmten Bereich. Weißbücher knüpfen zum Teil an Grünbücher an, deren Zweck es ist, Konsultationsprozesse auf europäischer Ebene in Gang zu bringen. Wird ein Weißbuch vom EU-Ministerrat positiv aufgenommen, kann es die Grundlage für ein Aktionsprogramm der EU im betreffenden Bereich bilden.
Das EIZ Niedersachsen ist eine Informationsstelle im europe direct-Netzwerk der EU.
Website der EU-Ratspräsidentschaft Spaniens im 1. Halbjahr 2010.
Niedersachsen wird sich am 3. Mai 2010 (Montag) am 4. bundesweiten EU-Projekttag an Schulen beteiligen. Hier finden Sie nähere Informationen zum EU-Projekttag 2010.
Informationen, Dokumente und Links zum EU-Reformvertrag und zum Prozess seiner Ratifizierung.
dabei sein in Europa: Unsere EU- und Europa-Informationen für Jugendliche.
EU- und Europa-Infos für Kinder mit dem niedersächsischen Europa-Pferd "Eurogaloppo".