Die biologische Vielfalt schwindet, ganze Ökosysteme verändern sich aufgrund der Eingriffe des Menschen in die Natur in dramatischer Weise. Die Politik steht vor der Aufgabe, diesen negativen Trend so schnell wie möglich umzukehren. Die bedrohte Natur ist nicht nur Lebensraum des Menschen, auch die Wirtschaft ist auf die Nutzung der biologischen Vielfalt angewiesen. Der Schutz der biologischen Vielfalt (Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten und genetische Ressourcen) ist eine ebenso große Herausforderung wie der Kampf gegen den Klimawandel.
"Stop the loss" bis 2010 Die Europäische Union (EU) hat diese Herausforderung engagiert angenommen. Mit dem Abkommen von Rio im Jahre 1992 (Convention on Biological Diversity, CBD) einigte sich die internationale Staatengemeinschaft auf den Schutz von Lebensräumen und von wildlebenden Tieren und Pflanzen, auf die nachhaltige Nutzung der Arten sowie deren genetische Vielfalt, aber auch auf gerechte Zugangsmöglichkeiten zu den genetischen Ressourcen der Welt. Die EU definierte anschließend mit ihrer EU-Biodiversitätsstrategie vier zentrale Politikbereiche, die im Zuge von Aktionsplänen umgesetzt werden. |
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- Die biologische Vielfalt in der EU erhalten (Schutz der wichtigsten Lebensräume und Arten, Erhaltung der Meeresumwelt, Verringerung von invasiven - eingewanderten - gebietsfremden Arten);
- Die weltweite biologische Vielfalt schützen (Förderung des Schutzes der Lebensräume und Arten in der EUAußenhilfe);
- Den Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt und Klimawandel herstellen;
- Eine gemeinsame Wissensgrundlage schaffen.
EU-weites Netzwerk NATURA 2000
| Dabei verfolgt die EU im Wesentlichen zwei sich ergänzende Ansätze. Erstens werden Überlegungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in alle maßgeblichen Politikbereiche integriert. Kein politisches Vorhaben der EU, sei es in der Landwirtschaft, Fischerei oder beim Verkehr, geht ohne Beachtung des Artenschutzes über die Bühne. Zweitens wurden Maßnahmen ergriffen, um das Überleben vieler bereits bedrohter Arten und Lebensräume zu gewährleisten. Durch das Wachsen der Städte, die Ausbreitung des Tourismus sowie die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft sind auf dem europäischen Kontinent 42 Prozent der Säugetierarten, 15 Prozent der Vogelarten und 52 Prozent der Süßwasserfischarten in ihrer Existenz erheblich bedroht oder stehen bereits kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden. Das ökologische Netzwerk "NATURA 2000" soll das langfristige Überleben der am stärksten bedrohten Arten in Europa sichern.
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Unternehmen und biologische Vielfalt
| Der Artenreichtum ist ungleich auf der Erde verteilt: Die größte biologische Vielfalt ist in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu finden, alleine über 80 Prozent der Pflanzen- und Tierarten sind dort beheimatet. Von diesem "Grünen Gold", wertvollen Ressourcen für Biochemie, Pharmazie und Medizin, profitiert vor allem die Wirtschaft der westlichen Industrieländer. Bei der Bonner UN-Konferenz soll unter anderem auch eine Entscheidung über die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung dieser genetischen Ressourcen zustande kommen. Die Verknüpfung wirtschaftlicher Interessen mit dem Interesse an der Erhaltung der Artenvielfalt - das ist eines der Schwerpunktthemen der EU-Kommission. 2006 hat sie einen Aktionsplan zur Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt innerhalb der Europäischen Union und auf internationaler Ebene ausgearbeitet.
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Wenn die Vertreter der EU-Kommission bei der Bonner Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt am Verhandlungstisch Platz nehmen, können sie nachweisen, dass sich in Europa bereits einiges getan hat. Die Vielfalt der Arten schützen - das muss weltweit als gemeinsame Aufgabe der Menschheit begriffen werden. (mw)
ROHSTOFF FÜR ARZNEIEN
EU-Studie beziffert Kosten durch Verlust biologischer Vielfalt
Nichtstun ist teurer als Handeln - das gilt nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die biologische Vielfalt. Eine Studie über die volkswirtschaftliche Relevanz der biologischen Vielfalt im Auftrag der EU-Kommission und des Bundesumweltministeriums unterstreicht diese Aussage. Fast die Hälfte aller zugelassenen Medikamente in Deutschland stammt aus Pflanzenmaterial. Zehn der 25 weltweit erfolgreichsten Medikamente werden aus natürlichen Quellen und von wildlebenden Arten, also aus Pilzen, Bakterien, Pflanzen oder Tieren gewonnen. Mit jeder Art, die ausstirbt, geht möglicherweise die Arznei für eine Krankheit verloren.
| Der Weltmarktwert für pharmazeutische Produkte, die aus der Nutzung natürlicher genetischer Ressourcen stammen, wird mit 75 bis 150 Milliarden Dollar pro Jahr veranschlagt. Autor der Studie ist der Ökonom Pavan Sukhdev, Generaldirektor der Abteilung "Globale Märkte" der Deutsche Bank AG in London. Die Ergebnisse der Studie werden von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf der 9. UN-Naturschutzkonferenz vom 19. bis 29. Mai 2008 in Bonn der Weltöffentlichkeit vorgestellt.
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UN-Naturschutzkonferenz 2008 in Bonn
Die Bundesregierung ist ab 19. Mai Gastgeber der 9. UN-Konferenz "Biologische Vielfalt" in Bonn. Der Vielfalt der Natur haben wir unter anderem Nahrung, Trinkwasser, fruchtbare Böden und Medikamente zu verdanken. Dennoch schwindet die Zahl der Arten und Lebensräume weltweit in dramatischem Ausmaß. Informationen der Bundesregierung zum Thema Biodiversität und zur UN-Konferenz in Bonn.
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 16 vom 8. Mai 2008 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |
LINKS zum Thema
Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt
Die zunehmende Verstädterung und der Bau von Infrastrukturen, die ungehemmte Nutzung der natürlichen Ressourcen, die unterschiedlichsten Formen von Umweltverschmutzung sowie das Vordringen exotischer Tier- und Pflanzenarten in die einheimischen Ökosysteme fügen der biologischen Vielfalt enormen Schaden zu. Auf dem europäischen Kontinent sind 42 % der Säugetierarten, 15 % der Vogelarten und 52 % der Süßwasserfischarten in ihrer Existenz erheblich bedroht oder stehen bereits kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden. Um die biologische Vielfalt zu bewahren und das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten verhindern, hat die Europäische Union unter dem Namen "NATURA 2000" ein ausgedehntes Netz von ökologischen Schutzgebieten geschaffen. Darüber hinaus hat sie die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu einem der Hauptziele ihres sechsten Umweltaktionsprogramms gemacht. Informationen vom Europa-Server der EU zum Thema.
Biodiversity
Informationen der EU-Kommission zur Biodiversitätsstrategie der EU.
Kampagne zur biologischen Vielfalt
Informationen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zur biologischen Vielfalt.
Deutschland: Förderung der Biodiversitäts-Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) baut seine Förderung für Forschungsarbeiten aus, die dem Erhalt der Artenvielfalt dienen. Mit der Förderung der Biodiversitäts-Forschung leistet es einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD). Ein besonderer Schwerpunkt der Förderung des BMBF liegt auf Forschungsvorhaben in dynamischen Wachstumsregionen. PresseInformation des BMBF vom 19. Mai 2008.
Biodiversitätskonvention
Informationen des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz (MU) zum Thema.
FFH-Gebiete - Netz "Natura 2000"
"Natura 2000" ist ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten in Europa. Natürliche und Natur nahe Lebensräume und gefährdete wildlebende Tiere und Pflanzen sollen hier geschützt und erhalten werden. Grundlage für den Schutz ist die FFH-Richtlinie vom 21. Mai 1992.









