Nachweisbar nachhaltig
| Nur wenn sie einen hohen Beitrag zum Klimaschutz leisten und der Natur nicht schaden, sind Biokraftstoffe akzeptabel. Dazu hat die EU-Kommission am 10. Juni 2010 strenge Bestimmungen beschlossen. Ein Zertifizierungssystem soll ihre Einhaltung gewährleisten.
Wer Biokraftstoffe auf den europäischen Markt bringt, muss künftig klare Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Sie stellen sicher, dass die Kraftstoffproduktion aus pflanzlicher Biomasse nicht den Raubbau an der Natur fördert. Das alleine reicht der EU-Kommission allerdings nicht: Was an Stelle von Benzin oder Diesel in den Tank kommt, muss gegenüber fossilen Treibstoffen handfeste Einsparungen bringen. Mindestens 35 Prozent in den ersten Jahren, ab 2017 dann 50 Prozent. Dabei geht es nicht alleine um CO2, sondern auch um Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O), die noch klimaschädlicher sind. |
|
Zehn Prozent Biosprit
Nur Biokraftstoffmengen, die diese Bedingungen erfüllen, werden den EU-Mitgliedsländern auf die Erfüllung ihrer Energieziele angerechnet. Nach der EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen, die im Dezember 2010 in Kraft tritt, müssen sie bis 2020 gewährleisten, dass zehn Prozent der für Verkehr und Transport genutzten Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen kommen.
Das am 10. Juni 2010 beschlossene Paket bringt der Wirtschaft und den Regierungen Klarheit, wie die Richtlinie umzusetzen ist. Es erläutert detailliert die Bedingungen dafür, dass nur entsprechende Biokraftstoffe zum Einsatz kommen. "Unser Zertifizierungssystem ist das weltweit strengste und wird dafür sorgen, dass unsere Biokraftstoffe die höchsten Umweltstandards erfüllen", erklärte Günther Oettinger, der für Energie zuständige EU-Kommissar. "Es wird sich auch auf andere Regionen positiv auswirken, da es auch für importierte Biokraftstoffe gilt."
Künftig müssen also europäische Prüfer, so genannte Auditoren, vor Ort nachschauen, ob der Anbau der verwendeten Biomasse den EU-Nachhaltigkeitskriterien entspricht. Wälder, Naturschutzgebiete, Feucht- und Moorgebiete sind dabei tabu, auch solche, die erst kürzlich umgewandelt wurden. Ausdrücklich erwähnt: Wälder in Ölpalmenplantagen umzuwandeln, geht gar nicht; so produzierter Biokraftstoff hat auf dem europäischen Markt nichts zu suchen. Freuen wird das Naturschützer wie Manfred Niekisch, den Präsidenten der Gesellschaft für Tropenökologie (gtö), der noch kürzlich vor der Zerstörung der Urwälder durch sich ausbreitende Ölpalmenplantagen gewarnt hatte.
Ein Vorbild für die Zertifizierung gibt es schon: In Deutschland wurde auf Basis von zwei Verordnungen zu Biomassestrom und zum Biokraftstoff ein Zertifizierungsinstrument entwickelt und zwei Jahre lang getestet. Im Januar 2010 erteilte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung dem Zertifizierungssystem "International Sustainability and Carbon Certification" (ISCC) die vorläufige Anerkennung, erste Zertifizierungsverfahren laufen.
Zulassung erforderlich
Die künftigen europäischen Zertifizierungseinrichtungen brauchen eine Zulassung durch die EU-Kommission. Sie prüft, ob das Verfahren zuverlässig und betrugssicher ist. Der zertifizierte Biokraftstoff wird am Ende mit einem Label als "klimafreundlich" gekennzeichnet. EU-Kommissar Oettinger zufolge haben sie eine große Zukunft: "Biokraftstoffe sind in den kommenden Jahren die wichtigste Alternative zu den Otto- und Dieselkraftstoffen im Verkehrssektor." (mb)Wie funktioniert Biokraftstoff-Zertifizierung?
Die internationale Biomassezertifizierung ist für alle Beteiligten - Regierungen, NGOs, Wissenschaftler und Kraftstoffbranche - völliges Neuland. Zertifizierung bedeutet: Überprüfung durch unabhängige Dritte nach festen Regeln. Dabei sind mehrere Instanzen im Spiel: Die EU-Kommission legt die Regeln fest und wacht über deren Einhaltung. Die Anbieter des Zertifizierungssystems, wie in Deutschland das ISCC, arbeiten nach diesen Regeln ein genaues Verfahren aus; sie lizensieren und überwachen dann die Arbeit der eigentlichen Zertifizierer. Das sind Gesellschaften oder Unternehmen wie TÜV oder Dekra, denen die Biokraftstoff-Lieferanten ihre Nachweise für die Nachhaltigkeit in der Lieferkette vom Landwirt bis zur Tankstelle vorlegen.
Die Zertifizierer prüfen nicht nur die Papiere, sondern besuchen mit ihren Prüfern (Auditoren) stichprobenartig Stationen der Lieferkette und überzeugen sich davon, dass die Vorgaben eingehalten werden.
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 21 vom 10. Juni 2010 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |
LINKS zum Thema
Kommission führt Zertifizierungssystem für nachhaltige Biokraftstoffe ein
PresseInformation der EU-Kommission vom 10. Juni 2010.
Kommission führt Zertifizierungssystem für nachhaltige Biokraftstoffe ein
Memorandum der EU-Kommission vom 10. Juni 2010 mit Fragen und Antworten (FAQ) zum Thema.
Biofuels: Sustainability Criteria
Die Mitteilung der EU-Kommission zu Thema sowie weitere Informationen und Dokumente dazu können über diese Seite abgerufen werden.






