Ein Jahr Europäisches Solidaritätskorps: Fast 43.000 Anmeldungen

08.12.2017 Brüssel. Ein Jahr nach dem Start des Europäischen Solidaritätskorps haben sich haben sich 42.745 junge Menschen aus allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) für das Europäische Solidaritätskorps angemeldet, 3.160 Anmeldungen kommen aus Deutschland. Die größte Nachfrage kommt aus Italien mit 7.178 Anmeldungen und aus Spanien mit 6.777 Anmeldungen. 2.190 der Registrierten europaweit konnten in rund 1.434 Einrichtungen ihren Einsatz bereits antreten. 185 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland sind zurzeit mit dem Solidaritätskorps im Ausland, nach Deutschland kamen bisher 84 junge Menschen.

Im August 2017 traf die erste Gruppe von Freiwilligen des Europäischen Solidaritätskorps im italienischen Norcia ein, um die laufenden Bemühungen zur Behebung der Schäden und zum Wiederaufbau sozialer Dienste in den Gemeinden zu unterstützen, die ein Jahr zuvor von den schweren Erdbeben getroffen worden waren. Bis zum Jahr 2020 werden insgesamt 230 Angehörige des Europäischen Solidaritätskorps diese Gemeinden unterstützen.

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten beispielsweise mit jungen Menschen aus benachteiligten Bevölkerungsschichten oder mit besonderen Bedürfnissen, mit Flüchtlingen oder alten Menschen – von Rotterdam in den Niederlanden bis Aveiro in Portugal, und an vielen anderen Orten in Europa.

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, erklärte dazu am Donnerstag in Brüssel: „Ich freue mich, dass so viele junge Menschen in Europa an Solidarität glauben und im Rahmen einer Freiwilligentätigkeit, Ausbildung oder Arbeitsstelle andere unterstützen. Ein Jahr nach der Einrichtung des Europäischen Solidaritätskorps bewirken viele von ihnen bereits Positives und bringen Hilfe und Hoffnung für diejenigen, die sie brauchen. Wir müssen nun rasch die entsprechende Rechtsgrundlage und die Haushaltsmittel für die kommenden Jahre bereitstellen, damit das Potenzial des Europäischen Solidaritätskorps voll ausgeschöpft werden kann.“

Marianne Thyssen, EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität, fügte hinzu: „Die Teilnahme am Europäischen Solidaritätskorps ist nicht nur eine hervorragende Gelegenheit, Solidarität zu demonstrieren, sondern ermöglicht den jungen Menschen auch, neue Fähigkeiten zu entwickeln und ihren Lebenslauf zu bereichern. Ich hoffe auf eine zügige Annahme unseres Vorschlags für ein gestärktes Solidaritätskorps, damit wir unserer europäischen Jugend noch mehr Möglichkeiten bieten können.“

Seit der Einrichtung durch die Europäische Kommission vor einem Jahr haben sich 42.745 junge Menschen aus allen EU-Mitgliedstaaten für das Europäische Solidaritätskorps angemeldet. 2.190 von ihnen haben in rund 1.434 Einrichtungen ihren Einsatz bereits angetreten.

Der Vorschlag der EU-Kommission zur Stärkung des Europäischen Solidaritätskorps durch einen eigenen Haushalt und eine eigene Rechtsgrundlage sowie zur Ausweitung seiner Tätigkeiten wird derzeit im Rat der EU (Ministerrat) und im Europäischen Parlament erörtert. Auf der Sitzung des Rates „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ erzielten die EU-Mitgliedstaaten am 20. November 2017 bereits eine Einigung, die den Weg zu einer abschließenden Einigung mit dem Europäischen Parlament ebnet.

Hintergrund

In seiner Rede zur Lage der Union am 14. September 2016 kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Schaffung eines Europäischen Solidaritätskorps an, das jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren die Möglichkeit bieten sollte, an vielfältigen Solidaritätsprojekten in der gesamten EU mitzuwirken.

Zwei Monate später fiel der Startschuss für das Europäische Solidaritätskorps mit dem Ziel, dass 100.000 junge Menschen bis Ende 2020 daran teilnehmen.

In dieser ersten Phase des Europäischen Solidaritätskorps wurden acht verschiedene Programme mobilisiert, um jungen Menschen die Chance zu geben, sich an Solidaritätsmaßnahmen zur Bewältigung schwieriger Situationen in der gesamten Europäischen Union zu beteiligen. Eine Teilnahme wirkt sich nicht nur vorteilhaft auf die persönliche Entwicklung junger Menschen, ihre aktive Einbindung in die Gesellschaft und ihre Beschäftigungsfähigkeit aus, sondern unterstützt zudem Nichtregierungsorganisationen, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen bei ihren Bemühungen zur Bewältigung gesellschaftlicher und anderer Herausforderungen.

Nach der Vermittlung der Freiwilligen an die Einrichtungen, die im März 2017 anlief, starteten im Juli die Beschäftigungsprojekte des Europäischen Solidaritätskorps mit zwei von der EU-Kommission unterstützten Projekten der italienischen bzw. der französischen öffentlichen Arbeitsverwaltung. Diese Projekte bieten bis zu 6.000 jungen Menschen Arbeits- oder Praktikumsstellen mit Solidaritätsbezug in einem anderen EU-Land.

Am 30. Mai 2017 legte die EU-Kommission einen Vorschlag vor, um das Europäische Solidaritätskorps mit einem Budget von 341,5 Millionen Euro für den Zeitraum 2018-2020 und einer eigenen Rechtsgrundlage auf eine solide Basis zu stellen. Außerdem regte die EU-Kommission an, das Angebot für junge Menschen im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps noch zu erweitern: Neben den Möglichkeiten, eine Freiwilligentätigkeit oder ein Praktikum zu absolvieren oder einer regulären Beschäftigung nachzugehen, sollte den Mitgliedern auch die Gelegenheit geboten werden, eigene Solidaritätsprojekte ins Leben zu rufen oder sich in Freiwilligenteams zu engagieren.

Juncker rief die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten am 17. November in Göteborg (Schweden) dazu auf, das Ziel der Teilnahme von 1,5 Millionen jungen Menschen am Europäischen Solidaritätskorps bis 2025 zu erreichen, wofür 6 Milliarden Euro im Zeitraum 2021-2027 bereitgestellt werden müssten.

Link zum Thema:

Ein Jahr Europäisches Solidaritätskorps
PresseInformation der EU-Kommission vom 7. Dezember 2017.