Mit Solidarität zu neuer Energie
| Einen grundlegenden Perspektivenwechsel der Europäischen Union (EU) im Energiebereich hat EU-Kommissar Andris Piebalgs angekündigt. Dazu legte er am 13. November 2008 einen "Aktionsplan für Energieversorgungssicherheit und -solidarität" vor. Um die Abhängigkeit von Energieimporten zu schmälern, setzt die Kommission in Zukunft auch verstärkt auf den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Gebäude-Isolierung. Das Ziel einer Energieeinsparung von 20 Prozent bis 2020 soll dabei nicht aus den Augen verloren werden.
Die Versorgungssicherheit fällt zwar prinzipiell in die Verantwortung jedes Mitgliedstaats, doch ist die Solidarität zwischen Mitgliedstaaten ein grundlegender Aspekt der EU-Mitgliedschaft. Von diesem Leitbild wird das Energiepaket getragen. Über die Hälfte ihres Energiebedarfs decken die EU-Staaten über Importe aus Drittstaaten. Das Handelsvolumen beträgt jährlich 350 Milliarden Euro, 700 Euro übertragen auf jeden EU-Bürger. Erdöl- und Gas werden knapp, der Klimawandel verstärkt sich - es gibt viele Gründe, auf europäischer Ebene zu einer gemeinsamen Energie- und Klimapolitik zu finden. |
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Bislang fiel der Blick allein auf regenerative Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie, Biomasse oder die Geothermie, die fossile Energieträger zumindest teilweise überfl üssig und die EU von Importen weniger abhängig machen sollen. Nunmehr rückt die EU-Kommission weitere Möglichkeiten der Energieeinsparung in den Mittelpunkt, um den Gesamtenergieverbrauch zu senken. Schon in der Vergangenheit hat die EU Vorschriften zur besseren Isolierung von Gebäuden erlassen oder zur Kennzeichnung von Elektrogeräten, um Stromfresser zu entlarven. Die Einführung von Energieklassen hat bei Kühlschränken, aber auch bei anderen Elektrogeräten zu Innovationen und einer spürbaren Stromeinsparung geführt. Das Energiepaket setzt weiter verstärkt auf Anreize für den Verbraucher, sich für energiesparende Produkte zu entscheiden.
Das Zitat "Die heute angenommenen Vorschläge sind ein klarer Ausdruck des Willens der Kommission, eine sichere und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten, und ein wichtiger Beitrag zum Erreichen der ‚20-20-20‘-Klimaschutzziele."Kommissionspräsident José Manuel Barroso am 13. November 2008 zu den Vorschlägen zur Energieversorgungssicherheit und -solidarität sowie zur Energieeffizienz. |
Wo die EU vorankommen will
Energieeffizienz
Durch effizienteren Energieeinsatz kann ein beträchtlicher Teil des Energieverbrauchs eingespart werden. Bis 2020, so das EU-Ziel, soll der Energieverbrauch um 20 Prozent sinken. Dazu müssen die Investitionen in energieeffiziente Techniken und Geräte massiv steigen. Pro Haushalt können damit die Energierechnungen um über 1.000 Euro sinken. Bereits jetzt ist der Erfolg zu sehen. Der Energieverbrauch der Haushalte wäre von 1997 bis 2006 um elf Prozent stärker gestiegen, hätte es keine Verbesserungen bei der Energieeffizienz gegeben. Der Europäische Energieeffizienz-Aktionsplan hat sechs Bereiche identifiziert, in denen besonders viel Potenzial besteht und dazu 85 Einzelaktionen formuliert. Der Plan soll bis 2012 umgesetzt werden.
Kernenergie
Teil des Energiepaketes der EU ist auch die Nutzung von Kernenergie. Die EU-Kommission hat darum das "Nuclear Illustrative Programme" PINC aus dem Jahr 2007 aktualisiert. Demnach sollen Atomkraftwerke nach dem neusten Stand der Technik gebaut werden, die den höchsten Sicherheitsstandards genügen. Dazu sollen die bislang noch voneinander abweichenden Genehmigungsvorschriften harmonisiert und vereinfacht werden. Welche Rolle die politisch umstrittene Atomenergie bei der Energieversorgung haben soll, bleibt aber Sache der Mitgliedsländer. Derzeit stehen verteilt auf 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union 148 Atomreaktoren. Sie erzeugen etwa ein Drittel des in der EU verbrauchten Stroms.
Kraft-Wärme-Kopplung
Die gemeinsame Nutzung von Strom und Wärme ermöglicht die höchste Energieausbeute bei der Stromerzeugung, weil die Abwärme voll genutzt wird. Damit sollen allein zwei Punkte der 20 Prozent Einsparung bis 2020 in der EU erzielt werden. Dabei geht es nicht nur um die industrielle Nutzung, sondern auch um den Einbau in Wohnhäuser. Ein positiver Nebeneffekt der Kraft-Wärme-Kopplung ist, dass sie den Wettbewerb auf dem Strommarkt erhöht, tendenziell also den Strompreis senkt. 2006 stammten elf Prozent des in der EU27 erzeugten Stroms aus Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen.
Energiekennzeichnung
Seit 1992 werden Verbraucher gemäß der Richtlinie zur Verbrauchskennzeichnung über den Stromverbrauch von Elektrogeräten informiert. Seither gehören die Einstufungen A bis G bei Kühlschränken und Waschmaschinen zum Standard. Das hat die Sensibilität der Verbraucher für das Thema in den vergangenen Jahren stark gesteigert. Das Ziel der Kommission ist nun, den Anwendungsbereich zu erweitern und nicht nur Haushaltsgeräte zu erfassen.
Gebäude
In Wohn- und Gewerbegebäuden wird nicht nur ein beträchtlicher Teil der gesamten Energie verbraucht. Hier bestehen auch die größten Sparpotenziale. In schlecht isolierten Häusern kann der Verbrauch auf bis zu 60 Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr steigen. Moderne, gut gedämmte Gebäude verbrauchen nur noch drei bis fünf Liter pro Quadratmeter. Neue Baumaterialien und Installationsmethoden können den Verbrauch drastisch senken. Die Richtlinie zur Energieperformance von Gebäuden aus dem Jahr 2002 ist ein Meilenstein. Eine Überarbeitung der Richtline von 2002 wird die Informationen über den Energieverbrauch verbessern.
Versorgungsnetze
Wichtige Energieträger wie Strom und Gas kommen über eine feste Leitung zum Verbraucher. Diese Leitungen dürften schon bald nicht mehr ausreichen. Energiesicherheit und Klimaschutz machen es nötig, die Versorgungsnetze auszubauen. Bis 2030 dürften in der EU Investitionen in Stromnetz und -erzeugungsanlagen von einer Billion Euro nötig sein. Bislang ist das Netz darauf ausgerichtet, große zentrale Kraftwerke zu verknüpfen. In Zukunft geht es darum, eine Vielzahl von dezentralen Energiequellen anzubinden. Die Kommission legt in ihrem Grünbuch über Europäische Energienetzwerke eine Strategie dazu vor. Darin geht es unter anderem um eine Gasversorgung aus der Region des Kaspischen Meeres und aus Nordafrika, sowie eine Strategie für verflüssigtes Gas.
Windenergie
Sie ist unverzichtbar zur Erreichung des 20-Prozent-Ziels an erneuerbaren Energien. Künftig wird sie eine wichtige Rolle spielen bei der grenzüberschreitenden Planung neuer Windfarmen auf dem Meer. Obwohl manche Staaten schon an das 20-Prozent-Ziel herankommen, ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Bis 2020 - so die Schätzung der EU-Kommission - kann ein Drittel aller erneuerbaren Energien aus der Nutzung des Windes stammen. Dabei werden die offshore-Anlagen auf dem Meer zunehmen. Sie produzieren mehr Strom, weil der Wind auf See stetiger weht, aber dafür sind sie auch teurer: Rotoren und Masten müssen stabiler sein, die gewonnene Energie muss über größere Strecken transportiert werden.
Erdgas
Dieser Energieträger ist mit einem Anteil von einem Viertel am Verbrauch derzeit der zweitwichtigste im Energiemix der EU. Eine mögliche Versorgungskrise hätte verheerende ökonomische und soziale Wirkungen. Die EU muss sich auf einen sicheren Versorgungsweg konzentrieren. Die EU-Kommission regt eine Debatte unter den Mitgliedstaaten und mit den Europäischen Institutionen an. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Mitgliedstaaten aufgrund ihrer geographischen Lage und historischen Vergangenheit ganz unterschiedliche Positionen einnehmen. Derzeit verfolgen sie noch verscheidene Strategien bei den Versorgungsstandards und den Vorbereitungen auf eine Krisen situation. Ein gemeinsamer Gasmarkt entwickelt sich erst. (ur/hb)
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 38 vom 13. November 2008 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |
INFORMATIONEN zum Thema
Energieversorgung: EU arbeitet zielstrebig an der Zukunft
Eine sichere Versorgung mit Erdgas sowie der koordinierte Ausbau der Energieinfrastruktur in der EU - das sehen zwei Initiativen vor, die die EU-Kommission am 16. Juli 2009 verabschiedet hat. Die EU-Mitgliedstaaten sollen bei einer Energiekrise enger zusammenarbeiten und sich bei Versorgungsausfällen gegenseitig aushelfen.
Erneuerbare Energien schaffen 2,8 Millionen Jobs in der EU
Der Ausbau erneuerbarer Energien entlastet nicht nur das Klima, sondern auch den Arbeitsmarkt: Bis 2020 können in der EU bis zu 2,8 Millionen neue Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien und ein Wertzuwachs von 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geschaffen werden. Zu diesem Schluss kommt eine von der EU-Kommission am 2. Juni 2009 vorgelegte Studie zur Auswirkung der erneuerbaren Energien auf das wirtschaftliche Wachstum und die Beschäftigung in Europa (EMPL-RES).
Extern: PresseInformation... / Studie...
Nachhaltige Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen
Das Europäische Parlament (EP) hat sich am 18. November 2008 für die Unterstützung einer frühzeitigen Demonstration von nachhaltiger Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ausgesprochen. Die klimapolitischen Ziele der EU könnten nur erreicht werden, wenn es gelingt, den Einsatz der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) auf breiter Front sicherzustellen. Deswegen befürwortet das Parlament die Errichtung von mindestens 12 Demonstrationsanlagen.
Extern: EP-Pressebericht... / EP-Entschließung...
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Energiepolitik der EU
Die EU-Kommission hat am 10. Januar 2007 ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das die Energiepolitik für die kommenden Jahrzehnte skizziert. In dem Paket greift die Kommission die Herausforderungen des Klimawandels auf, thematisiert angesichts des russischen Öllieferstopps die Versorgungssicherheit und kritisiert den fehlenden Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt.
EU-Strom- und Gas-Markt: Politik für den Verbraucher
Die EU-Kommission hat mit ihren neuen Gesetzesvorschlägen, ihrem dritten Legislativpaket vom 19. September 2007, einen entscheidenden Schritt zur Schaffung eines europäischen Energie-Binnenmarktes getan. Zentraler Punkt ist die Frage, in welcher Weise große Energie-Produzenten und -Importeure die Kontrolle über ihre Netze abgeben müssen. Die Antwort der Kommission: Neben einer eigentumsrechtlichen Trennung von Energieerzeugung und ihrer Verteilung soll auch eine betriebliche Trennung von Verteilungsnetzen und Produktion möglich sein.![]()
PUBLIKATIONEN zum Thema
EU-Umweltagentur: Die EU-Umweltagentur (EEA) ruft mit alarmierenden Zahlen zu neuen Anstrengungen zum Klimaschutz in Europa auf. Der Energieverbrauch in Europa werde bis 2030 um 26 Prozent steigen, warnt die Kopenhagener Agentur in ihrem am 20. November 2008 veröffentlichten Energie- und Umweltbericht 2008. Dabei würden fossile Brennstoffe wie Kohle und Öl weiterhin die Hauptquelle sein. 80 Prozent der Treibhausgase kämen in Europa nach wie vor aus dem Energiesektor.
"Weiter so" keine Option für Europas Energiesystem Der EEA Report No. 6/2008 bewertet die wichtigsten Faktoren, Umweltbelastungen und einige Auswirkungen von Energieerzeugung und verbrauch und berücksichtigt dabei die Hauptziele der europäischen Energie- und Umweltpolitik: Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit, erhöhte Energieeffizienz und erneuerbare Energien sowie ökologische Nachhaltigkeit. Der Bericht befasst sich mit sechs politischen Fragestellungen, stellt gegenwärtige Entwicklungen in der EU vor und vergleicht diese mit anderen Staaten. Extern: EEA-PresseInformation... / EEA Report No. 6/2008... |
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LINKS zum Thema
Sicherung der Energiezukunft: Kommission legt Vorschläge zur Energieversorgungssicherheit und
-solidarität sowie zur Energieeffizienz vor
PresseInformation der EU-Kommission vom 13. November 2008.
EU Energy Security and Solidarity Action Plan: 2nd Strategic Energy Review
Memorandum der EU-Kommission vom 13. November 2008 mit näheren Informationen zum Thema.
Second Strategic Energy Review - Securing our Energy Future
Über diese Seite der EU-Kommission können die Überprüfung der Energiestrategie und die zugehörigen Begleitdokumente abgerufen werden.
Einzelheiten zu den Vorschlägen der EU-Kommission in den verschiedenen Bereichen in Memoranden der EU-Kommission vom 13. November 2008:
- Offshore-Windenergie
- Gewährleistung einer sicheren Erdgasversorgung
- Energie sparende Produkte: Ausweitung der Energieverbrauchskennzeichnung
- Energieeffizienz: Erreichen des 20 %-Ziels
- Richtige Bereifung kann Sprit sparen
- Besseres Erdölbevorratungssystem für eine sichere Erdölversorgung
- Aktualisierung des Nuklearprogramms der Kommission
- Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)
- Hin zu sicheren, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen europäischen Energienetzen
- Energieeffiziente Gebäude sparen Geld: Neufassung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
Erneuerbare Energien in Niedersachsen
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist ein wichtiger Baustein der niedersächsischen Landespolitik und aufgrund seiner Bedeutung für den Umwelt- und Klimaschutz, die Schonung der natürlichen Ressourcen und die Schaffung von innovativen Arbeitsplätzen von großem öffentlichen Interesse. Um die Informationen über den aktuellen Stand der Entwicklung und die vielen Akteure zugänglich zu machen hat die Niedersächsische Staatskanzlei diese Website gemeinsam mit den zuständigen Ministerien entwickelt.








