Heute: 03. September 2010 Freitag
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Europäischer Forschungsrat (ERC)
 
Die Nobelpreise nach Europa zurück bringen
Der Europäische Forschungsrat (European Research Council - ERC) hat am 27. Februar 2007 mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin seine Arbeit aufgenommen. Für EU-Forschungskommissar Janez Potočnik beginnt damit ein "neues Zeitalter". Erstmals verfügt Europa über eine eigene Forschungsagentur, die sich allein der Förderung grundlegender Spitzenforschung verschrieben hat. Der ERC arbeitet unabhängig von politischen Vorgaben oder regionalen Rücksichtnahmen und ist nur der Qualität verpflichtet.
 

An der Eröffnungskonferenz nahmen neben Janez Potočnik auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Angelika Niebler, Vorsitzende des Forschungsausschusses im Europäischen Parlament, teil. Rund 300 namhafte Wissenschaftler waren nach Berlin gekommen.
 
Unter den weltbesten Universitäten sind nur wenige aus Europa. Mit einem Durchschnitt von 1,9 Prozent sind die Europäer von dem Lissabon-Ziel, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Forschung auszugeben, noch weit entfernt. Deutschland liegt mit 2,5 Prozent zwar etwas über dem Durchschnitt, aber in den vergangenen zehn Jahren kamen die meisten Nobelpreisträger für Physik von US-amerikanischen Forschungsinstituten. Gerade junge Forscher wandern in die USA ab, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden, um Karriere zu machen. In Europa fehlten derzeit 700.000 Wissenschaftler, um das Ziel der Gemeinschaft zu erreichen, in der Forschung die Weltspitze zu bilden und Europa als wettbewerbsfähigsten Kontinent zu profilieren, sagte Bundeskanzlerin Merkel bei der Veranstaltung am 27. Februar.
 
Das soll mit dem ERC anders werden. Gezielt werden junge Wissenschaftler, die zwei bis neun Jahre nach ihrer Promotion stehen, gefördert. Sie sollen Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, frei von finanziellen und organisatorische Zwängen kreativ sein zu können. Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär des ERC, sagte: "Auf die Institute und Hochschulen, an denen diese handverlesenen Leute arbeiten wollen, kommt einiges zu. Sie müssen ein gutes akademisches Umfeld bieten, Doktoranden bereit stellen, unabhängiges Publizieren ermöglichen und ein anständiges Gehalt zahlen."
 
Das sollte mit der Mittelausstattung von 7,5 Milliarden Euro für sieben Jahre nicht unmöglich sein. „Es dürfte nur wenige neue Organisationen geben, die im Durchschnitt über eine Milliarde Euro pro Jahr verfügen“, sagte Potocnik. "Einige der bedeutendsten Entdeckungen und Wissensfortschritte ergaben sich daraus, dass großen Ideen Raum und Zeit zur Entwicklung gegeben wurde. Dies wollen wir mit dem Europäischen Forschungsrat erreichen."
 
Gute Ideen für Produkte von morgen
In der Tat kann Europa seine Stellung als wissensbasierte Volkswirtschaft nur halten, wenn auf dem Gebiet der Grundlagenforschung Pionierarbeit geleistet wird. Dass solche Forschungen nicht im Elfenbeinturm bleiben, zeigen viele Beispiele von Entdeckungen aus der jüngsten Zeit: Dass man mit Mikrowellen Speisen erwärmen kann, entdeckte ein amerikanischer Forscher, als er über ein kompliziertes Problem beim Einsatz von Magnetspulen bei Radaranlagen forschte. Das World Wide Web wurde von einem Wissenschaftler des Europäischen Kernforschungszentrums CERN bei Genf entwickelt. Er wollte Forscherkollegen helfen, Informationen untereinander auszutauschen. LCD-Displays, also Bildschirme aus Flüssigkeitskristallen, finden sich heute in allen möglichen Anwendungen: Taschenrechner, Uhren, Autos, Fernseher, Mobiltelefone nutzen die Technik. Entdeckt wurde sie bereits 1904. Dass sie sich für den Alltag eignet, fiel 1968 einem Forscher in den USA auf.
 
Heute stellen sich Gentechniker die grundlegende Frage, warum menschliches Erbgut genauso viel Gene umfasst wie das einer Fliege oder eines Wurms - und das Ergebnis doch völlig verschieden ist. Mathematiker entwickeln Formeln, die komplizierte Klimamodelle im Computer darstellbar machen und so helfen, den Klimawandel exakter zu analysieren.
 
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) wies drauf hin, dass sich das ERC um die "gesamte Wertschöpfungskette" kümmern werde: von zukunftsweisenden Ideen aus der Grundlagenforschung bis hin zu erfolgreichen Produkten. Konjunkturzyklen aus der Vergangenheit belegen, dass vor wirtschaftlichem Aufschwung immer ein in den Alltag vorstoßender wissenschaftlicher Durchbruch stand.
 
Der jüngste Zyklus setzte mit dem PC (1980 bis 2000) ein. Davor bestimmten das Auto, der elektrische Strom und die Eisenbahn die langen Wellen der Konjunktur. Ob es in der Zukunft die Nanotechnologie, die Genforschung oder die Energietechnik sein werden, die einen Durchbruch auslösen - auch das ist eine Frage, die direkt mit Grundlagenforschung zusammenhängt.
 
Champions League für Wissenschaftler
Die erste Ausschreibung für Förderprojekte läuft: Forscher können sich ab sofort um direkte Finanzhilfen in Höhe von 300 Millionen Euro für 2007 bewerben. Derzeit begutachten in einer ersten Runde etwa 200 Wissenschaftler Projektvorschläge. Sie sollen noch in diesem Jahr eine Förderzusage bekommen. Insgesamt seien rund 3.000 Anträge eingegangen, sagt Generalsekretär Winnacker. Die Vergabe der Fördergelder werde offen und transparent erfolgen, im Internet werden die Namen der Gutachter veröffentlicht.
 
Forschungskommissar Potocnik betonte, er werde sich persönlich dafür einsetzen, dass die Wissenschaftler frei vom Einfluss der Politik entscheiden könnten. Die Ansprüche der EU-Mitgliedsländer dürften keine Rolle spielen.
 
Um die Forschungsgelder des ERC können sich nicht nur Wissenschaftler aus Europa bewerben. Auch Chinesen, Amerikaner oder Inder haben eine Chance. Einzige Bedingung für den Zuschlag: Sie müssen in Europa forschen, denn hier soll die "Champions League" spielen. Und bei der kommt es immer nur auf eines an: Spitzenqualität, oder wie bei der Eröffnungskonferenz immer wieder gesagt wurde, Exzellenz.


STICHWORT ERC


Die Idee für den ERC entstand im Dezember 2003 unter der dänischen Ratspräsidentschaft. Der Europäische Rat gab im März 2004 grünes Licht. Schon ein Jahr später ernannte EU-Forschungskommissar Potocnik die 22 Gründungsmitglieder, die von einem unabhängigen Komitee vorgeschlagen worden waren. Sie bleiben vier Jahre im Amt. Im 7. Forschungsrahmenprogramm 2007 bis 2013 erhielt der ERC seinen festen Platz.
 
Ingesamt kann der ERC 15 Prozent der rund 50 Milliarden Euro ausgeben, die für die Jahre 2007 bis 2013 vorgesehen sind. Im Unterschied zu den 85 Prozent, die an feste Forschungsfelder wie Gesundheit, Transport, Energie gebunden sind, können die 7,5 Milliarden vom ERC frei vergeben werden.
 
Zu den Mitgliedern des ERC gehören unter anderem die Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Vollhard vom Max-Planck-Institut Tübingen, der Chemienobelpreisträger Paul J. Crutzen (Mainz) und der Physiker Hans-Joachim Freund, Direktor des Fritz-Haberland Instituts Berlin. Generalsekretär Ernst-Ludwig Winnacker war zuvor Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 8 vom 1. März 2007 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


European Research Council (ERC)
Website des Europäischedn Forschungsrates.
 
Forschungsrahmenprogramm der EU 2007-2013
Über 9 Milliarden Euro will die Europäische Union innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU von 2007 bis 2013 in die Forschung an Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) investieren. IKT gelten als Motor für Innovation, Kreativität und Wettbewerbsfähigkeit in allen Industrie und Dienstleistungssparten.
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