EIZ Niedersachsen

EU-Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015: In Menschen investieren

Gepostet in EU-Nachrichten

EU-Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015: In Menschen investieren

22.01.2016 Brüssel. Die Lage auf den Arbeitsmärkten entwickelt sich in der Europäischen Union (EU) insgesamt positiv, bei Wirtschaftswachstum und Beschäftigung bestehen zwischen den EU-Mitgliedstaaten aber nach wie vor noch große Unterschiede. Das ist ein Fazit des am Donnerstag (21. Januar) von der Europäischen Kommission vorgestellten Beschäftigungs- und Sozialberichts 2015.

“Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen in der EU – vor allem die arbeitsmarktfernsten – mehr und bessere Chancen vorfinden. Zugleich müssen wir in Qualifikationsmaßnahmen investieren, damit alle Frauen und Männer in der EU ihr gesamtes Potenzial ausschöpfen können. Wenn wir Wachstum und Arbeitsplätze wollen, müssen wir in Menschen investieren”, sagte EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen bei der Vorstellung des Berichts. “Zugleich müssen wir sicherstellen, dass unser Arbeitsrecht und unsere Sozialschutzsysteme mit den Anforderungen des 21. Jahrhunderts Schritt halten, und Unternehmertum und Innovation fördern. Die europäische Säule der Sozialrechte wird dabei eine wichtige Rolle spielen”, so die EU-Sozialkommissarin weiter.

Der Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015 zeigt Wege zur Beseitigung der Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten auf: Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von Arbeitsplätzen, einem effizienten Arbeitsmarkt, der Modernisierung des Sozialschutzes und auf Investitionen in Menschen.

Mobilität fördern

Der Bericht belegt, dass mit Hilfe der grenzüberschreitenden Mobilität mehr Jobs geschaffen werden können. Die Zahl der mobilen Arbeitskräfte ist in den letzten beiden Jahrzehnten zwar gestiegen, ihr Anteil an der gesamten Erwerbsbevölkerung ist jedoch nach wie vor gering: Lediglich 4 Prozent der EU-Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren leben in einem anderen EU-Mitgliedstaat als dem, in dem sie geboren wurden. Trotzdem haben mobile EU-Arbeitskräfte tendenziell bessere Beschäftigungsaussichten als die einheimische Bevölkerung. Aufgrund dieser Mobilitätsbewegungen ist die Arbeitslosenquote in einigen der von der Krise am härtesten getroffenen EU-Mitgliedstaaten gesunken, und in den Aufnahmeländern konnte der Personalmangel in einzelnen Bereichen abgebaut werden.

Neue Arbeitswelten

Die Vielfalt unterschiedlicher Arbeitsverträge hat zugenommen, was flexiblere Arbeitsverhältnisse und daher eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung erlaubt, aber auch zur Segmentierung des Arbeitsmarktes führen kann. Während durch einige neue Vertragsformen potenzielle Win-win-Situationen entstehen, bewirken andere unsichere Beschäftigungsverhältnisse. Es geht nicht nur um Flexibilität, sondern auch um Sicherheit – dies soll auch in die Entwicklung der europäischen Säule der Sozialrechte einfließen.

Selbständigkeit als Jobmotor und effizientere Arbeitsmärkte

Ein Schwerpunkt des Sozialberichts ist das Potenzial von Selbstständigkeit und Unternehmertum bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Daten zeigen, dass sich z.B. für junge und alte Menschen, Frauen und ethnische Minderheiten der Schritt in die Selbstständigkeit schwieriger gestalten kann. Laut Bericht sind die meisten Menschen überdies der Meinung, dass sie nicht über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse für eine Unternehmensgründung verfügen. Der Bericht zeigt gezielte Maßnahmen auf, wie sich dies ändern lässt. Sie reichen vom einfacheren Zugang zu Finanzierungen bis zu Steueranreizen, von unternehmerischer Ausbildung bis zu Betreuungsangeboten für Kinder und ältere Menschen.

Weiteres Thema des Berichts ist die Langzeitarbeitslosigkeit, von der rund 11 Millionen Menschen in der EU betroffen sind. Höhere Arbeitsmarkteffizienz lässt sich nur erreichen, wenn die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft wird, da die Chance, wieder einen Arbeitsplatz zu finden, für langzeitarbeitslose Menschen nur halb so groß ist wie für vorübergehend arbeitslose Personen. Die Analyse zeigt, dass Menschen, die bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung gemeldet sind und eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren, deutlich höhere Chancen haben, dauerhaft einen Arbeitsplatz zu finden.

Der jährlich erscheinende EU-Beschäftigungs- und Sozialbericht umfasst die neuesten Trends im Beschäftigungs- und Sozialbereich. Er bildet die Grundlage für die Initiativen der EU-Kommission im Bereich der Beschäftigungs- und Sozialpolitik und fließt in die Arbeit für das Europäische Semester, das Paket zur Arbeitskräftemobilität, die Blaue Karte EU, das Paket zu neuen Kompetenzen und den Aufbau der europäischen Säule der Sozialrechte ein.

Link zum Thema:

Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015: Investitionen in Menschen – der Schlüssel für Wirtschaftswachstum
PresseInformation der EU-Kommission vom 21. Januar 2016.