Heute: 09. Februar 2012 Donnerstag
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Berufliche Aus- und Weiterbildung
 
Eine Bildungsoffensive für das kommende Jahrzehnt
Mit neuen Impulsen will die EU-Kommission die berufliche Bildung fit machen für die Zukunft. Der hohe Anteil gering qualifizierter Arbeitskräfte und die Alterung der Gesellschaft stellen sie vor neue Herausforderungen.
 
Die Verbesserung der Ausbildungssyteme sei angesichts des globalen Wettlaufs um Talente immer wichtiger. Vor allem in Anbetracht der raschen Entwicklung der allgemeinen und beruflichen Bildungssysteme in Schwellenländern wie China, Brasilien und Indien müsse Europa mehr tun, so die EU-Kommission in einer am 9. Juni 2010 veröffentlichten Mitteilung. Die Pläne der EU-Kommission für die Zukunft der beruflichen Aus- und Weiterbildung basieren auf der Strategie Europa 2020 und der Leitinitiative "Jugend in Bewegung".
 

Prognosen zeigen, dass die Nachfrage nach mittleren und hohen Qualifikationen bis 2020 steigt. Die kontinuierliche computergestützte Entwicklung von Produkten und Verfahren wird in Verbindung mit einer alternden Bevölkerung und der Notwendigkeit einer CO2-armen Wirtschaft zu Veränderungen bei Arbeitsplätzen und sozialen Strukturen führen. Computer- und Medienkenntnisse sind Schlüsselqualifikationen und daher unerlässlich, um im Beruf mithalten zu können. Das gilt nicht nur für die Erstausbildung bei jungen Leuten. Auch Erwachsene müssen ihre Fertigkeiten und Kompetenzen durch kontinuierliche berufliche Weiterbildung auf dem Laufenden halten. Der traditionelle Lebenslauf "Ausbildung - Berufstätigkeit - Rente" gehört der Vergangenheit an, das Arbeitsleben wird heute durch Berufs- und Karrierewechsel durchbrochen.
 
"Wir wollen das Image der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Europa verändern und für einen größeren Realitätsbezug sorgen", sagte die für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou. "In der derzeitigen Wirtschaftslage ist es wichtiger denn je, unsere Bemühungen zu bündeln und die berufliche Aus- und Weiterbildung für Auszubildende, Schüler und all diejenigen attraktiver zu machen, die ihre Kompetenzen verbessern wollen."
 
Ein neuer Impuls
Die von der EU-Kommission am 9. Juni 2010 vorgestellten Pläne zeigen mehrere Wege auf, wie der beruflichen Aus- und Weiterbildung ein neuer Impuls verliehen werden kann. Es geht unter anderem um folgende Ziele:
  • Die berufliche Erstausbildung muss über ein attraktives Lernangebot verfügen, das die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und die Durchlässigkeit zur Hochschulbildung berücksichtigt.
  • Menschen in allen Lebensphasen brauchen einen flexiblen und offenen Zugang zur beruflichen Aus- und Weiterbildung. Hier könnten mehr integrierte Orientierungs- und Beratungsdienste helfen.
  • Studien- oder Ausbildungszeiten in anderen Ländern müssen ein regulärer Bestandteil der Berufsausbildung werden.
  • Sozialpartner und die öffentlichen Arbeitsverwaltungen müssen bei der Vorausplanung der Berufsbildung stärker die Bedürfnisse der Arbeitsmärkte einbeziehen.
  • Die beruflichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für benachteiligte Gruppen wie Schulabbrecher, Geringqualifizierte und Arbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Behinderungen müssen verbessert werden.
  • An den Schulen und Berufsbildungseinrichtungen muss mehr Wert auf die Förderung eines kreativen, innovativen und unternehmerischen Denkens bei den Schülern gelegt werden.
Zehnjahresplan
 
Die Pläne sind der Beitrag der EU-Kommission zu einem neuen Zehnjahresprogramm für eine verstärkte europäische Zusammenarbeit bei der beruflichen Bildung.
 
Im Dezember werden Kommissarin Vassiliou und die für berufliche Aus- und Weiterbildung zuständigen EU-Minister in Brügge (Belgien) mit Vertretern der Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammentreffen, um eine ehrgeizige Modernisierungsagenda für die kommenden zehn Jahre sowie kürzerfristige Ziele aufzustellen, die regelmäßig überprüft werden. (vth)


Berufswahl folgt traditionellen Geschlechterrollen
Jungs wollen lieber klassische Männerberufe wie Techniker, Ingenieure oder Naturwissenschaftler erlernen, anstatt Kindergärtner oder Krankenpfleger zu werden. Die Jobwahl spiegelt immer noch das traditionelle Verständnis von Geschlechterrollen wider. Das hat eine am 7. Juni 2010 veröffentlichte EU-Studie ergeben. EU-Kommissarin Androulla Vassiliou betonte, dass sich die Politik um beide Geschlechter kümmern muss.
 
Auch in Deutschland folgt die Studienfachwahl oft traditionellen Mustern: Der Anteil der weiblichen Hochschulabsolventen im Bereich Gesundheit und Soziales betrug 2007 fast 75 Prozent (in allen 27 EU-Staaten: 76 Prozent), im Ingenieur- und Bauwesen jedoch nur knapp 18 Prozent (EU27: 25,5 Prozent). Mädchen erzielen in der Regel höhere Abschlüsse und bessere Noten bei Schulabschlussprüfungen als Jungen, die häufiger die Schule abbrechen oder ein Schuljahr wiederholen.
 
Zur Gleichbehandlung der Geschlechter im Bildungsbereich finanziert die EU-Kommission Kooperationen zwischen EU-Ländern und unterstützt mit dem Programm für lebenslanges Lernen multinationale Bildungsprojekte.
 
Links zur EU-Studie:
 
Gleichstellung der Geschlechter im Bildungsbereich:
Das größte Problem sind nach wie vor traditionelle Rollenbilder

PresseInformation der EU-Kommission vom 7. Juni 2010.
 
Vergleichende Studien zu Bildungsthemen
Die am 7. Juni 2010 veröffentlichte Studie "Geschlechterunterschiede bei Bildungsresultaten: derzeitige Situation und aktuelle Maßnahmen in Europa" kann über diese Seite als Broschüre abgerufen werden.
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 21 vom 10. Juni 2010 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


Kommission fördert berufliche Aus- und Weiterbildung
PresseInformation der EU-Kommission vom 9. Juni 2010.
 
EU policy on vocational education and training
Memorandum der EU-Kommission vom 9. Juni 2010 mit Fragen und Antworten (FAQ) zum Thema.
 
Ein neuer Impuls für die europäische Zusammenarbeit in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zur Unterstützung der Strategie Europa 2020
Text der Mitteilung der EU-Kommission vom 9. Juni 2010 mit ihren Vorschlägen als PDF-Dokument.
 
Berufliche Aus- und Weiterbildung
Wachsender globaler Wettbewerb, ein hoher Anteil gering qualifizierter Arbeitskräfte und die Alterung der Gesellschaft sind Herausforderungen, denen durch berufliche Aus- und Weiterbildung begegnet werden soll, um die Bürger auf die Gesellschaft von heute vorzubereiten und Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in Europa auch künftig zu gewährleisten. Informationen und Dokumente der EU-Kommission zum Thema.
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