Die Klimapolitik der EU: Energie für eine Welt im Wandel
| Saubere Energie, weniger Treibhausgase, mehr Wachstum und Beschäftigung - die EU-Kommission hat am 23. Januar 2008 Vorschläge für den Klimaschutz auf den Tisch gelegt, die sich konkret an jedes Mitgliedsland richten. Damit sollen die vom Europäischen Rat im Frühjahr 2007 eingegangenen Verpflichtungen umgesetzt werden. Bis 2020 geht es um 20 Prozent weniger CO2 und eine Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent. Die Kommission ist überzeugt, dass die vereinbarten Ziele nicht nur technologisch erreichbar, sondern auch ökonomisch lohnend sein werden. Allein die Verpflichtung, den Anteil der erneuerbarer Energiequellen auf 20 Prozent zu erhöhen, bietet Chancen für Tausende von europäischen Unternehmen. Das reformierte Emissionshandelssystem (EHS) wird den CO2-ausstoßenden Industrien Anreize liefern, sauberer zu produzieren.
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Emissionshandel zentralisiert
Die Kommission schlägt einen einheitlichen Markt für den Handel mit Emissionsrechten vor, der neben dem CO2 auch andere Treibhausgase aller industriellen Großemittenten erfasst. Die auf dem Markt handelbaren Rechte werden Jahr für Jahr zurückgefahren, so dass ihre Gesamtzahl bis 2020 um 21 Prozent unter den Stand von 2005 sinkt. Das neue Emissionshandelssystem (EHS) basiert auf den Erfahrungen mit dem seit dem 1. Januar 2005 eingeführten System, in dem EU-weit 10.000 Industrieanlagen erfasst sind. Die Unterschiede:- Statt der bisher 27 nationalen Obergrenzen gibt es eine EU-weit geltende Obergrenze.
- Mit dem neuen System werden über 40 Prozent der Gesamtemissionen erfasst.
- Ein größerer Teil der Zertifikate wird versteigert und nicht mehr kostenfrei zugeteilt. Das betrifft zunächst die Stromerzeuger, die ab 2013 zu 100 Prozent in die Versteigerung einbezogen werden. Bei den anderen Industrien gilt: 80 Prozent können kostenfrei zugeteilt, 20 Prozent müssen verkauft werden.
- Die Stahlindustrie, der Luftverkehr und Industriesektoren wie Aluminium- und Ammoniakhersteller sowie weitere klimaschädliche Gase werden bis 2020 einbezogen. Details liegen ab 2010 fest.
- Kleinere Anlagen unter 10.000 Tonnen CO2-Emissionen fallen aus dem Anwendungsbereich heraus.
Deutschland: Minus 14
Flexibel bei den Erneuerbaren
Die Kommission hält einen Anstieg der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch um 11,5 Prozent bis 2020 für notwendig und machbar. Heute liegt der Anteil EU-weit bei 8,5 Prozent. Auch hier gilt: Für jeden Mitgliedstaat bestehen andere Zielvorgaben, wenn es um den Ausbau von Wind-, Wasser-, Solar-, Biomasse- oder geothermischer Energie geht. Jedes Land muss seinen Anteil an erneuerbaren Energien um mindestens 5,5 Prozent steigern. Für Deutschland weist die Tabelle (oben rechts) allerdings einen Pflichtanteil von 18 Prozent "Erneuerbaren" im Jahre 2020 aus. Derzeit liegt er noch unter zehn Prozent. Diese Zahl ergibt sich aus einem Index, der das Wohlstandsniveau jedes Landes und seine technischen wie natürlichen Möglichkeiten berücksichtigt. Staaten wie Schweden oder Österreich können wegen ihres Wasserreichtums bereits heute auf einen hohen Anteil erneuerbarer Energien zurückgreifen. Auch sie müssen diesen Anteil noch steigern.
Polen oder Luxemburg haben es da wesentlich schwerer. Aber auch für diese Länder gibt es eine Möglichkeit, ihrer Verpflichtung nachzukommen. Investiert Polen in eine Windkraftanlage in Deutschland oder Luxemburg in ein Solarkraftwerk in Griechenland, können ihnen Prozente gut geschrieben werden. Das gilt allerdings nicht, wenn sie nur die Energie aus einem anderen Land beziehen, aber nicht investieren.
Zum Klimapaket der Kommission gehören auch neue Leitlinien für staatliche Umweltschutzbeihilfen, die den Mitgliedstaaten helfen werden, eine nachhaltige Klimaschutz- und Energiepolitik auszuarbeiten. Das deutsche Erneuerbare Energiengesetz bleibt davon unberührt. Der Staat darf weiter alternative Energieerzeuger durch Garantiepreise fördern. Der Anteil von zehn Prozent Biokraftstoffen im Verkehrssektor bis 2020 muss von allen Mitgliedstaaten ohne Unterschied erreicht werden.
Und was kostet das ganze?
Die Kosten für die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen liegen schätzungsweise bei 0,5 Prozent des weltweiten BIP beziehungsweise 90 Milliarden Euro im Jahre 2020. Jeder Bürger würde demnach ab 2013 drei Euro pro Woche für das Klima bezahlen. Nicht zu handeln, kostet nach den Berechnungen des englischen Chefökonomen Nicolas Stern wenigstens zehn Mal mehr. Den in Aussicht gestellten Kosten stehen Einsparungen beim Kauf von Erdöl und Gas gegenüber. Die EU wird unabhängiger von Einfuhren. Klappt alles, wie es die EU-Kommission vorhat, werden 2020 rund 600 bis 900 Millionen Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre gepustet. Und nicht zuletzt wird der Umstieg auf eine neue Energiewirtschaft neue Arbeitsplätze schaffen und die EU weltweit beim Export sauberer Technologien in Führung bringen. (vth)STICHWORT: CO2-SPEICHERUNG IM BODEN
Eine Möglichkeit, CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren, kann in der Speicherung des Treibhausgases in unterirdischen geologischen Formationen bestehen. Voraussetzung hierfür: Das Treibhausgas muss bereits bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe in den Kraftwerken abgetrennt werden, um anschließend im Boden versenkt zu werden.
| Deutschland ist bei dieser Technik führend. Derzeit läuft im brandenburgischen Ketzin das europäische Pilotprojekt CO-2-SINK. Drei Bohrungen sind auf einem Gelände vorgenommen worden, wo bereits vor Jahrzehnten Erdgas aus Sibirien in einer Sandsteinschicht gelagert wurde. Erkundungsbohrungen haben gezeigt, dass es dort noch mindestens eine weitere geeignete Speicherschicht gibt. Die erste 803 Meter tiefe Bohrung soll als Injektionsbohrung dienen, während die zweite und dritte Bohrung zur Beobachtung und Erkundung der physikalischen und geo-chemischen Prozesse unter Tage angebracht wurde. Geplant ist, über einen Zeitraum von zwei Jahren insgesamt 60.000 Tonnen CO2 bei Ketzin unterirdisch zu speichern.
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Die EU-Kommission ist der Auffassung, dass es ohne Abscheidung und Speicherung bis 2050 nicht möglich sein wird, die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren. Dennoch versteht sie die Speicherung von Kohlendioxid als eine Übergangslösung. Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger gelten in Brüssel langfristig als die nachhaltigsten Lösungen für die Versorgungssicherheit und den Klimaschutz.
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 3 vom 24. Januar 2008 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |







