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EU-Studie: Mehr Online-Einkäufe durch eine verbesserte europaweite Paketzustellung

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EU-Studie: Mehr Online-Einkäufe durch eine verbesserte europaweite Paketzustellung

04.01.2016 Brüssel. Die Preise für Paketzustellungen ins Ausland durch die nationalen Postdienste sind fast fünfmal höher als für Paketzustellungen im Inland. Dies ergab eine Studie, die die Europäische Kommission am 22. Dezember 2015 veröffentlicht hat. Verbraucher und Einzelhändler werden demnach immer noch durch die hohen Kosten für grenzüberschreitende Zusendungen und die Probleme bei der Onlinebestellung in einem anderen Land abgeschreckt. Dabei könnten Verbraucher EU-weit jährlich mehr als 11 Milliarden Euro sparen, wenn sie bei Onlinekäufen aus dem vollen Angebot an Waren und Dienstleistungen auswählen könnten.

EU-Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip, zuständig für den digitalen Binnenmarkt, wies darauf hin, dass das Potenzial des E-Commerce bisher nicht ausgenutzt wird. EU-Binnenmarktkommissarin Elżbieta Bieńkowska fügte hinzu: “Unser Ziel ist es, die grenzüberschreitende Versendung von Paketen sowohl für den Einzelnen als auch für kleine und mittlere Unternehmen reibungslos und kostengünstiger zu machen – nicht über Preisregulierung oder Preisobergrenzen sondern durch mehr Transparenz und Wettbewerb.”

Zurzeit kaufen 44 Prozent der Verbraucher online in ihrem Land, nur 15 Prozent kaufen in einem anderen EU-Land ein. Der Umfang des elektronischen Handels variiert stark je nach EU-Mitgliedstaat. Während im Jahr 2012 im Vereinigten Königreich 82 Prozent der Internetnutzer Online-Einkäufe getätigt haben, machten in Rumänien nur 11 Prozent der Internetnutzer von dieser Möglichkeit Gebrauch. In Deutschland, dem Vereinigten Königreich und in Frankreich werden 60 Prozent des EU-weiten Onlinehandels getätigt. Der grenzüberschreitende elektronische Handel wächst in der EU aber langsamer als der Handel innerhalb der Inlandsmärkte: 54 Prozent der Internetnutzer in der EU haben 2012 bei einem Online-Einzelhändler aus ihrem Land eingekauft, lediglich 14 Prozent haben dies bei einem Händler aus einem anderen Land getan.

Die Erwartungen und Bedürfnisse der Verbraucher und Online-Einzelhändler in Bezug auf Schnelligkeit, Qualität, Zuverlässigkeit und Kosten der Zustellung werden jedoch nicht immer erfüllt. Probleme mit der Zustellung machen den Löwenanteil der beim Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren eingehenden Verbraucherbeschwerden über grenzüberschreitende Online-Geschäfte aus. Zustellungsprobleme sind ein wichtiger Faktor für die Entscheidung des Verbrauchers, seinen Online-Kauf abzuschließen oder abzubrechen. Gleichzeitig sind Zustellungen an Verbraucher im elektronischen Handel ein Wachstumsmotor für den europäischen Paketzustellungsmarkt.

Diese Einschränkungen will die EU-Kommission beheben und hat daher die Öffentlichkeit bereits in einem Grünbuch über einen integrierten Zustellungsmarkt für das Wachstum des elektronischen Handels in der EU und in einer Konsultation zur grenzüberschreitenden Paketzustellung um Stellungnahmen gebeten. Zusätzlich hat die EU-Kommission einen Fahrplan für die Vollendung des Binnenmarkts für die Paketzustellung vorgelegt. In ihrer Strategie für den digitalen Binnenmarkt hat die EU-Kommission im Jahr 2015 angekündigt, dass sie die Versendung von grenzüberschreitenden Paketen preisgünstiger machen will und im Frühjahr 2016 vorstellen wird, wie Preistransparenz und Regulierung im grenzüberschreitenden Paketmarkts verbessert werden können.