Die Brücke zur Zivilgesellschaft
| Sie sind die Praktiker in der EU-Gesetzgebung: So zumindest Verstehen sich die 344 Mitglieder des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA). Aktiv in ihren Berufen vertreten sie bei den EU-Organen gesellschaftspolitische Interessen und wichtige Berufszweige. Im Gegensatz zu Lobbygruppen sieht der EWSA nach seinem Selbstverständnis europäische Belange im Vordergrund. 2008 feiert die beratende Versammlung ihr 50jähriges Bestehen.
Sie sind Handwerker, Landwirte, Verwaltungsbeamte, Unternehmer oder auch Gewerkschaftsfunktionäre. Die meiste Zeit gehen die 24 deutschen Abgeordneten des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zuhause ihrem berufl ichen Alltag nach. Doch einmal im Monat fahren sie nach Brüssel, um dort in ihrer jeweiligen Fachgruppe zu einem aktuellen EU-Thema als Berufspraktiker Stellung zu beziehen. |
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Effizienz der Organisation stärken
1957 wurde der EWSA durch die Römischen Verträge zu einer offi ziellen Institution der Gemeinschaft, am 19. Mai 1958 folgte die konstituierende Sitzung. Seither versteht sich der EWSA als eine „Brücke zwischen den EU-Institutionen und der so genannten organisierten Zivilgesellschaft“. Zu letzterer zählen Arbeitnehmer- sowie Arbeitgeberorganisationen und Verbände, die allgemeine gesellschaftliche Interessen vertreten - wie beispielsweise die Belange der Verbraucher, Umweltschützer, Landwirte, von sozialen Einrichtungen oder auch die der Familien. Nichtregierungsorganisationen sind im EWSA ebenfalls vertreten.
Die Mitglieder werden auf Vorschlag der Regierungen vom Europäischen Rat für jeweils vier Jahre ernannt. Jährlich erarbeiten sie rund 150 Stellungnahmen. Wie stark ihr Einfluss auf die künftige Politikgestaltung in der EU ist, hängt für Vizepräsident Graf von Schwerin nicht allein von den Kompetenzen ab, die der Lissabon-Vertrag dem EWSA gibt, sondern nach seiner Auffassung vor allem von der Arbeitsweise des EWSA selbst. Er möchte die institutionellen Abläufe noch effizienter gestalten, damit die Mitglieder mehr Freiräume für eigene Initiativstellungnahmen haben. "Wir wollen noch mehr in die Alltagspolitik einsteigen und nicht nur darauf warten, bis wir von Kommission oder dem Europaparlament zu einer Stellungnahme aufgefordert werden." Dies geschehe in kleinen Schritten: So sei in seiner bisherigen zweijährigen Amtszeit durchgesetzt worden, Stellungnahmen auf maximal zehn Seiten zu beschränken.
Die Öffentlichkeitsarbeit will er außerdem stärken. Nach außen soll deutlich werden, dass nicht nur Europaabgeordnete Bürgerinteressen vertreten. Als DGB-Funktionär repräsentiere er beispielsweise rund sieben Millionen Gewerkschaftsmitglieder im EWSA. Die Arbeitnehmervertreter aus allen EU-Mitgliedstaaten kämen auf einen beachtlichen Anteil der Unionsbürger. Der EWSA wolle als Interessensvertreter bestimmter Bevölkerungsgruppen mehr Initiative zeigen. (ur)
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 19 vom 29. Mai 2008 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |
DOWNLOAD zum Thema
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss:
50 Jahre im Dienste der europäischen Bürgerinnen und Bürger
Informationsblatt (2 Seiten DIN A4) zum 50jährigen Bestehen und zur Geschichte des EWSA als PDF-Dokument.






