Gedenktag für die Opfer aller totalitären und autoritären Regime

22.08.2019 Brüssel. Der Erste Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, und EU-Kommissarin Vera Jourová haben anlässlich des Gedenktages für die Opfer totalitärer und autoritärer Regime am morgigen Freitag dazu aufgerufen, sich auch künftig für Freiheit und Demokratie einzusetzen. „Seit der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts sind mittlerweile 80 Jahre vergangen, und die meisten Vertreter der Generation, die die Geißel des Totalitarismus erlebt hat, sind nicht mehr unter uns. Gelebte Geschichte wird somit zu geschriebener Geschichte. Deshalb müssen wir die Erinnerung an die Ereignisse lebendig halten, um neuen Generationen Inspiration und Anleitung zu geben, wenn es gilt, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zu verteidigen. Dies macht unser Wesen als Europäer aus. Gemeinsam treten wir entschieden gegen totalitäre und autoritäre Regime aller Art ein. Ein freies Europa ist nicht selbstverständlich, wir müssen uns Tag für Tag dafür stark machen“, so Timmermans und Jourová.

In der gemeinsamen Erklärung heißt es weiter: „Jedes Jahr am 23. August gedenken wir der Millionen Opfer totalitärer Regime. Mit der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion am 23. August 1939 begann ein dunkles Kapitel der europäischen Geschichte. Es war eine Zeit, in der die Menschen weder freie Entscheidungen treffen konnten noch ein Mitspracherecht in der Politik hatten. Im damaligen Europa waren Freiheit und Demokratie nur ein Traum.

Viele Millionen Opfer wurden unter totalitären Regimen in Europa deportiert, gefoltert und ermordet. Aufgrund dieser Grausamkeit, des Mangels an Freiheit und der Missachtung der Grundrechte hatten in einigen Teilen Europas mehrere Generationen nie die Möglichkeit, Freiheit und Demokratie zu erleben.

In diesem Jahr begehen wir auch den 30. Jahrestag der Ereignisse am Ende des Sommers 1989, als Bürgerinnen und Bürger in Mittel- und Osteuropa sich auflehnten, den Eisernen Vorhang durchbrachen und seinen Fall beschleunigten. Dank des mutigen Handelns dieser Menschen haben Freiheit und Demokratie wieder in ganz Europa Einzug gehalten. Dies wird diese Woche in mehreren Ländern gewürdigt, von den baltischen Staaten bis hin zu Deutschland und Ungarn. Der Mut der Bürgerinnen und Bürger trug auch dazu bei, Spaltungen zu überwinden und Europa zu einen. Dies ist unser gemeinsames europäisches Erbe, das wir alle pflegen, behaupten und verteidigen müssen.“

Hintergrund

Am 23. August 1939 schlossen Nazi-Deutschland und die Sowjetunion den Hitler-Stalin-Pakt, der Mittel- und Osteuropa entzweite und dazu führte, dass in einer der dunkelsten Kapitel der Geschichte unseres Kontinents die Grundrechte vieler Millionen Menschen verletzt wurden. Aber auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs litten viele Europäerinnen und Europäer noch Jahrzehnte unter totalitären Regimen.

Am 23. August 1989 bildeten mehr als eineinhalb Millionen Menschen eine 600 Kilometer lange Menschenkette durch Estland, Lettland und Litauen, um gemeinsam für Freiheit einzutreten. So fällt der Jahrestag dieser Demonstration mit dem 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts zusammen.

In diesem Jahr wurde auch der 30. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks begangen, einer Friedensdemonstration, die am 19. August 1989 in Sopron, einer nahe der ungarischen Grenze zu Österreich gelegenen Stadt, stattfand. Bürgerinnen und Bürger haben sich um den Grenzzaun versammelt, um bei einer von den Behörden beider Länder organisierten Veranstaltung Solidarität und Freundschaft zu zeigen. Das Paneuropäische Picknick ist eines der Ereignisse des Jahres 1989, das den Weg für die Wiedervereinigung und den Fall des Eisernen Vorhangs ebnete.

Links zum Thema:

Wortlaut der Erklärung von Timmermans und Jourová

Video: Erster Vizepräsident Timmermans über unsere gemeinsamen Werte

Quelle dieser Informationen: EU-Nachrichten der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.