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Grußwort der Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, von Birgit Honé,  zur Ausstellungseröffnung „Begegnungen hinter Stacheldraht. Deutsche Kriegsgefangene im Lager Bando in Japan, 1917 – 1920“ am 13. März 2019 im Niedersächsischen Landtag

PresseInformation des Niedersächsischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung vom 13.03.2019.

Grußwort der Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, von Birgit Honé, zur Ausstellungseröffnung „Begegnungen hinter Stacheldraht. Deutsche Kriegsgefangene im Lager Bando in Japan, 1917 – 1920“ am 13. März 2019 im Niedersächsischen Landtag

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Dr. Andretta,
sehr geehrte Frau Generalkonsulin Katō,
sehr geehrte Frau Professorin Düselder,
meine sehr geehrte Damen und Herren,

es ist für mich eine große Freude, heute im Namen der Landesregierung hier ein Grußwort sprechen zu dürfen. Ich verbinde das mit herzlichen Grüßen des Herrn Ministerpräsidenten, der sich an seine letzte Reise nach Tokushima sehr gerne erinnert.
Ich danke Ihnen, sehr geehrte Frau Dr. Andretta, dass Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es ermöglicht haben, dass die Wanderausstellung „Begegnungen hinter Stacheldraht“ nun hier im Niedersächsischen Landtag der Öffentlichkeit gezeigt wird.
Sehr geehrte Frau Generalkonsulin Katō, es ist uns eine große Ehre und Freude, dass Sie heute zu dieser Ausstellungseröffnung angereist sind.

Für mich ist diese Eröffnung eine echte Herzensangelegenheit – und ich möchte Ihnen gerne sagen, warum dies so ist. Ausschlaggebend dafür sind insbesondere meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Begegnungen, die ich im Rahmen der Partnerschaft, die zwischen der Präfektur Tokushima und dem Land Niedersachsen besteht, bisher machen konnte.
Ohne die Partnerschaft, die seit 2007 Niedersachsen und die Präfektur Tokushima verbindet, wäre diese Ausstellung nicht zustande gekommen, und wir wären heute nicht hier.
Umgekehrt gibt es diese Partnerschaft, weil es Bandō gegeben hat.
Sie bekommen dazu gleich noch mehr Informationen von Frau Professorin Düselder vom Museum Lüneburg. Schön, dass Sie da sind!

Anrede
Im Ersten Weltkrieg, als Deutschland und Japan Kriegsgegner waren, kamen rund eintausend Deutsche als Kriegsgefangene in das Lager Bandō. Benannt nach einem kleinen Ort, der heute ein Teil der Stadt Naruto ist.
Der Lagerleiter, Oberst Matsue, ermöglichte humanitäre Bedingungen für die Gefangenen. Etliche von ihnen kamen aus dem heutigen Niedersachsen – auch darüber berichtet diese Ausstellung.
In dem Lager konnte wirtschaftliches und kulturelles Leben entstehen. So konnte u.a. auch ein Orchester aufgebaut werden. Im Jahr 1918 fand im Lager Bandó die asiatische Erstaufführung von Beethoven’s neunter Symphonie statt. Seitdem hat die „Die Ode an die Freude“ auch in Japan immens an Bedeutung gewonnen. Sie erklingt häufig bei offiziellen Anlässen.
Die Ode, die seit 1985 auch die offizielle Hymne der Europäischen Union ist, löst bei uns allen, egal wie oft wir sie hören, positive Emotionen aus! Die gewaltige Musik hat etwas Erhebendes, die Botschaft ist Versöhnung. Alle Menschen werden Brüder …

Genauso habe ich es erlebt, als ich vor gut einem Jahr im Februar 2018 die Präfektur Tokushima mit einer Delegation besuchen konnte. Anlässlich des 100. Jahrestages der Erstaufführung fand ein Jubiläumskonzert in Tokushima statt.
Zu den mehr als 3.000 Sängerinnen und Sängern gehörten auch 100 Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen, die auf Einladung und Kosten unserer japanischen Partner nach Japan reisen konnten, um dieses besondere Konzert mitzugestalten.
Für diese besondere Gastfreundschaft und Großzügigkeit sind wir sehr dankbar.
Sie hat den einzelnen Schülerinnen und Schülern im letzten Jahr nicht nur ein einmaliges Erlebnis beschert, sondern dieser Austausch sorgt dafür, dass der Dialog miteinander auch durch die jüngere Generation fortgesetzt wird.
Besonders gefreut habe ich mich, dass über die Konzertmitwirkung hinaus auch Schulpartnerschaften gepflegt und angebahnt wurden. – Ich möchte an dieser Stelle besonders herzlich die Gäste der Jonouchi-Highschool Tokushima und der Wilhelm-Raabe-Schule begrüßen, die sich damals auch in Tokushima begegnet sind. Schön, dass Sie heute Nachmittag hier sind!

Die offizielle Partnerschaft zwischen Tokushima und Niedersachsen gehört zwar zu den jüngsten, aber auch zu den besonders aktiven:
Viele aktuelle Themen prägen unsere Partnerschaft, es gibt eine Reihe interessanter Projekte: von Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2020 über gemeinsame Start-Up-Projekte von Berufsauszubildenden bis hin zur UNESCO-Bewerbung für das Weltdokumentenerbe. Auch dazu können Sie Näheres in der Ausstellung finden.

Anrede
Heute kann ich diese Ausstellung zum zweiten Mal eröffnen. Bereits im April 2017 haben Herr Gouverneur Iizumi von der Präfektur Tokushima und ich dies erstmals im Museum Lüneburg getan.
Die Ausstellung wurde damals aufgrund der großen überregionalen Resonanz um einen Monat verlängert. Dies hat dazu beigetragen, die besonderen deutsch-japanischen Beziehungen, die auf das Kriegsgefangenenlager Bandó in Japan zurückzuführen sind, in Deutschland und Niedersachsen bekannter zu machen.

Wir haben allen Grund dazu, die Erinnerungskultur lebendig zu halten. 2018 jährte sich das Ende des 1. Weltkriegs zum hundersten Mal. Es gibt keine lebenden Zeitzeugen mehr. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Erinnerung lebendig halten. Die Wanderausstellung „Begegnungen hinter Stacheldraht“ stellt diese Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart dar.
Auf beeindruckende Art und Weise wird nachvollziehbar, dass Bandó ein besonderes Kriegsgefangenlager war: Es ermöglichte – trotz Gefangenschaft – ein menschliches Leben. Kreativität und Kunst, deutsche Kultur wurden zugelassen und gefördert.
Dies sind sicherlich nicht die Bilder, die wir im Kopf haben, wenn wir an Gefangenenlager früher und heute denken.
In Kriegszeiten wurde Deutschen in Bandó mit Menschlichkeit begegnet. Daran erinnern wir dankbar. Es ist aber auch unsere Verpflichtung, diese Geschichte und die Menschlichkeit weiterzutragen.
Frieden, Versöhnung und Menschenwürde – das sind Werte und Haltungen, die auch heute in unserem Leben und unserer Gesellschaft Platz haben müssen.

Anrede
Sie merken: Mich hat nicht nur die Ausstellung nachhaltig beeindruckt, sondern auch die heutigen Beziehungen zur Präfektur Tokushima haben einen hohen Wert für mich – aber auch für die Landesregierung insgesamt.
Der Ausstellung wünsche ich hier in Hannover und auch an anderen Orten viele Besucherinnen und Besucher.
Bitte nehmen Sie die Eindrücke von heute Nachmittag nicht nur für sich mit nach Hause, sondern erzählen Sie davon, damit noch viele Menschen hierher in den Landtag kommen, um sich diese beeindruckende Ausstellung anzuschauen.

Vielen Dank.