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Das Ende einer Legende
| Es ist vorbei: Seit 1. Juli 2009 ist die Gurkenkrümmungsnorm Geschichte. Der Spott über die EU, der sich lange an dem vorgeschriebenen Krümmungsgrad entzündet hatte, geht ins Leere. Die vor einem halben Jahr von der EU-Kommission beschlossene Aufhebung der gesetzlichen Vermarktungsnormen für 26 Obst- und Gemüsesorten ist in Kraft getreten. Seitdem haben knubbelige Karotten und krumme Gurken in den Regalen der Supermärkte wieder eine Chance.
Nach der 20 Jahre alten Verordnung zur Qualitätsnorm von Gurken (1677/88) mussten sie "gut geformt und praktisch gerade sein". Der maximale Krümmungsgrad betrug zehn Millimeter auf zehn Zentimeter Gurkenlänge. Ähnliche Vorschriften galten für Aprikosen, Artischocken, Spargel, Auberginen, Avocados, Bohnen, Rosenkohl, Karotten, Blumenkohl, Kirschen, Zucchini, Zuchtpilze, Knoblauch, Haselnüsse in der Schale, Kopfkohl, Porree, Melonen, Zwiebeln, Erbsen, Pflaumen, Staudensellerie, Spinat, Walnüsse in der Schale, Wassermelonen und Chicoree. Was nicht der Norm entsprach, wurde von den Erzeugern aussortiert und in vielen Fällen einfach weggeworfen oder zu Viehfutter verarbeitet. |
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Die EU-Kommission setzte also nur um, was aus den EU-Mitgliedsländern an Wünschen an sie herangetragen wurde. Nicht die Kommission wollte die Regulierung, die Agrarwirtschaft hatte daran ein Interesse. Noch bis vor einem halben Jahr hatte auch die Bundesregierung Vorbehalte gegen einen Fall der Normen angemeldet, jetzt stimmte sie der Streichung zu. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner nannte das Aus für die Gurkenverordnung "einen weiteren Schritt zur Vereinfachung und Entbürokratisierung".
Der Wegfall der Normen wird sich für die Verbraucher positiv auswirken. Da weniger Obst und Gemüse auf dem Müll landet, gelangt mehr in den direkten Verkauf. Dadurch können die Preise sinken. Die regionalen Anbieter können mehr Sorten anbieten, kleinere, aber schmackhaftere Auberginen, andere Kirschsorten als die genormten aus dem Supermarktregal und Aprikosen, die vielleicht nicht so prall aussehen, aber dafür weniger nach Wasser schmecken.
EU-Normen gelten allerdings weiter für die in Europa umsatzstärksten Obst- und Gemüsesorten, unter anderem für Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Tomaten und Paprika. Doch auch für diese Obst- und Gemüsearten können die Mitgliedstaaten zum ersten Mal den Verkauf von Erzeugnissen erlauben, die nicht den Normen entsprechen, solange diese entsprechend gekennzeichnet sind, um sie von den Erzeugnissen der Güteklassen Extra, I und II zu unterscheiden.
Die neuen Regeln werden es den einzelstaatlichen Behörden ermöglichen, den Verkauf von allem Obst und Gemüse unabhängig von Größe und Form zu gestatten. Das geht in die Richtung, die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel bereits im Herbst vergangenen Jahres aufgezeigt hat: Ihr Grünbuch zur Erzeugung und zum Verkauf der Agrarprodukte stellt eindeutig die Lebensmittelqualität in den Vordergrund. Die Verbraucher sollen entscheiden, ob sie lieber genormtes oder auch nicht perfekt geformtes, aber dafür schmackhafteres Obst und Gemüse kaufen wollen. (vth)
| Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 23 vom 2. Juli 2009 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. |
LINKS zum Thema
Die krumme Gurke ist wieder da: 'unförmiges' Obst und Gemüse ab dem 1. Juli wieder im Handel
PresseInformation der EU-Kommission vom 30. Juni 2009.
Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Obst und Gemüse
Seit dem 1. Januar 2008 gilt eine neue gemeinsame Marktorganisation (GMO) für Obst und Gemüse, zusammen mit entsprechenden Durchführungsbestimmungen. Die reformierte GMO soll Wettbewerbsfähigkeit und Marktausrichtung des Obst- und Gemüsesektors verbessern, krisenbedingte Einkommensschwankungen abmildern, den Absatz fördern und damit zur öffentlichen Gesundheit beitragen sowie den Umweltschutz verbessern. Informationen der EU-Kommission zum Thema.
Agrarpolitik der EU: Weniger Vorschriften - mehr Wettbewerbsfähigkeit
In den vergangenen Jahren ist die Agrarwirtschaft von Bürokratiekosten und Vorschriften deutlich entlastet worden und hat an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Die EU-Kommission zog am 18. März 2009 eine positive Bilanz ihres Aktionsprogramms zur Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Das Ziel, den aus der GAP entstehenden Verwaltungsaufwand bis 2012 um 25 Prozent zu senken, scheint erreichbar.

