Medien: EU-Kommission brummt Facebook Strafe wegen WhatsApp-Daten auf

18.05.2017 Brüssel (dpa) – Die EU-Kommission neigt laut Medienberichten dazu, Facebook mit einer Strafe wegen irreführender Angaben bei der Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp zu belegen. Es solle um eine «bedeutende» Summe gehen, um andere Unternehmen abzuschrecken, berichteten die «Financial Times» und das «Wall Street Journal» unter Berufung auf informierte Personen in der Nacht zum Donnerstag. Ihre Zustimmung zu dem am Ende rund 22 Milliarden Dollar schweren Deal werde sie aber nicht zurückziehen.

Die Kommission kann eine Strafe von bis zu einem Prozent des Jahresumsatzes verhängen, bei Facebook wären das 276 Millionen Dollar für das vergangene Jahr.

Die Brüsseler Behörde sieht sich von Facebook getäuscht. Das weltgrößte Online-Netzwerk habe aus Sicht der Kommission im Verfahren zur Freigabe des WhatsApp-Deals «falsche oder irreführende Angaben gemacht», sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager im Dezember.

Laut damaligen Angaben der Kommission hatte bei der Prüfung des WhatsApp-Deals angegeben, dass es nicht zuverlässig möglich sein werde, einen automatischen Datenabgleich zwischen den Benutzerkonten beider Dienste einzurichten. Im August 2016 hatte Facebook jedoch angekündigt, künftig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern mit Facebook-Profilen zu verknüpfen. Das hatte zu massivem Widerstand europäischer Datenschützer geführt, das Verfahren liegt in Europa auf Eis. Die Kommission geht davon aus, dass die Möglichkeit zum Abgleich der Daten bereits während des Prüfverfahrens bestand. Facebook betonte stets, man habe korrekte Angaben über technische Fähigkeiten und Pläne gemacht.

Links zum Thema:

Fusionskontrolle: Kommission wirft Facebook vor, irreführende Angaben zur WhatsApp-Übernahme gemacht zu haben
Die Europäische Kommission hat eine Mitteilung der Beschwerdepunkte an Facebook gesandt, in der sie dem Unternehmen vorwirft, es habe im Rahmen der Prüfung der geplanten Übernahme von WhatsApp durch Facebook nach der EU-Fusionskontrollverordnung, die die Kommission im Jahr 2014 durchgeführt hat, falsche oder irreführende Angaben gemacht. PresseInformation der EU-Kommission vom 20. Dezember 2016.

Falsche Angaben zur Übernahme von WhatsApp: Facebook büßt mit 110 Millionen Euro Strafe
Nachricht vom 19. Mai 2017 zum Thema.

Quelle dieser Information:
Der Abdruck dieser Nachricht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).