17.03.2017 Hannover  (dpa/lni) – Die Milchkrise des vergangenen Jahres scheint überwunden. Das liegt auch daran, dass viele Bauern ihre Milchherstellung zurückgefahren haben. Ein EU-Programm soll sie dabei unterstützen. In Niedersachsen war die Resonanz so groß wie in keinem anderen Bundesland.

Rund 1700 niedersächsische Milchviehbetriebe werden nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums bis Ende März 7,7 Millionen Euro aus EU-Mitteln erhalten. Sie beteiligten sich an dem EU-Programm zur Milchmengenreduzierung, mit dem die Milchpreise stabilisiert werden sollten. Die Bauern hatten bei der Milchproduktion lange Zeit hohe Verluste gemacht, die Preise deckten ihre Erzeugerkosten nicht, deswegen wurde das EU-Programm gestartet.

Die Höfe in Niedersachsen produzierten von Oktober bis Dezember 2016 rund 55 Millionen Kilogramm weniger Milch als im gleichen Zeitraum 2015, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Damit war Niedersachsen das Bundesland mit der stärksten Resonanz. Zum Vergleich: In Bayern, dem Bundesland mit den meisten Milchkühen, wurde die Milchmenge nur um 30 Millionen Kilogramm heruntergefahren.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, er freue sich über die Bereitschaft der Milchbauern, einen Beitrag dafür zu leisten, dass sich der Milchpreis wieder stabilisiere. Die in den vergangenen Monaten leicht gestiegenen Auszahlungspreise würden die Milliardenverluste der Bauern aber noch längst nicht wettmachen.

Ein Überangebot an Milch hatte im vergangenen Jahr einen Preisverfall ausgelöst. Die EU hatte daraufhin das Hilfspaket im Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro aufgelegt. Es sah 150 Millionen Euro für die Reduzierung der Milchmenge vor. Die niedersächsischen Milchbauern, die sich an dem Programm beteiligten, erhalten Ende März nun das Geld aus dem EU-Topf ausbezahlt: 14 Cent für jedes Kilogramm verringerter Milchmenge.

«Die Bauern haben das Programm sofort angenommen. Leider kam es zu spät, sonst hätte man den Absturz verhindern können», sagte Johanna Böse-Hartje, die Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter. Sie plädierte für politische Regularien, die im Krisenfall greifen sollten und notfalls auch für Strafzahlungen derjenigen, die sich nicht an Mengenbegrenzungen halten.

«Das Programm war ein Signal der EU, das eine gewisse Preisstabilisierung gebracht hat» sagte Frank Feuerriegel, Marktreferent Milch beim Landvolk. Allerdings hätten viele Milchbauern schon vorher auf dem Höhepunkt der Milchkrise im vergangenen Sommer auf den Preisverfall reagiert: «Das belegen die deutliche höheren Schlachtzahlen aus dieser Phase.» Landwirte, die ihre Produktion schon aus Eigeninitiative zurückgefahren hätten, hätten sich dann um die EU-Gelder bemüht.

Aktuell liegt der Milchpreis in Niedersachsen bei 32 bis 33 Cent. Laut Feuerriegel ist das ein Preis, bei dem die Milchbauern keine großen Verluste mehr machen, aber auch nicht genug einnehmen, um den Schaden aus dem vergangenen Jahr wiedergutzumachen.

Nach den Angaben des Landwirtschaftsministeriums gab es in Niedersachsen im November 2016 gut 10 000 Milchviehbetriebe, das waren 4,7 Prozent weniger als ein Jahr davor.

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