Europäisches Informations-Zentrum Niedersachsen
Niedersächsische Staatskanzlei
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30 Jahre RASFF
 
Weltweit höchstes Niveau bei der Lebensmittelsicherheit
Glykol im Wein, Melamin im Tierfutter und der BSE-Skandal - das sind nur die bekanntesten Lebens- und Futtermittelskandale, die das Vertrauen von Europas Verbrauchern in Handel und Vertrieb erschüttert haben. Und es geht weiter: Der Jahresbericht 2008 der Europäischen Kommission zählt unter anderem auf, dass Mineralöl in Sonnenmilch aus der Ukraine entdeckt wurde und Dioxin in Schweinefleisch aus Irland. Dem Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel der EU (RASFF= Rapid Alert System for Food and Feed) geht so schnell der Stoff nicht aus. Seit 30 Jahren wacht es über die Lebensmittelsicherheit in Europa.
 
Alles begann mit Orangen, in denen kleine, silberne Kügelchen gefunden wurden - Quecksilber, wie sich später herausstellte. Das war 1978 in Maastricht. Mitarbeiter der niederländischen Gesundheitsbehörde leiteten sofort eine landesweite Suche ein. Eine "Arabische Revolutionsarmee" behauptete, sie habe die Früchte präpariert, um Israel zu schaden. Die ökonomischen Auswirkungen waren gewaltig: Deutschland stoppte den Import von 140 Millionen Tonnen Zitrusfrüchten.
 

Der Vorfall veranlasste die Lebensmittelkontrolleure der damals neun EU-Mitgliedstaaten für solche Fälle ein Schnellwarnsystem einzurichten, das Meldungen über gefährliche Lebensmittel zentral sammelt und die Informationen untereinander austauscht. Dazu brauchte man Labors, verbindliche Gefahrendefinitionen, Kontaktstellen in den einzelnen Ländern und ein Kommunikationsnetz. Am Anfang ging der Informationsaustausch nur über Telefon, 1980 kam das Telex dazu, 1992 das Fax und im Jahr 2000 stellte das RASFF die gesamte Kommunikation auf das Internet und den E-Mail-Verkehr um.
 
Die Aufwertung des Systems
Diethylenglykol - auch als Frostschutzmittel bekannt - macht aus saurem milden Wein. 1985 setzten einige österreichische Winzer ihrem Weißwein dieses Mittel zu. Als der Betrug aufflog, hatte das RASFF jahrelang mit den Folgen zu tun: fast 10.000 verschiedene Weinsorten waren betroffen. Ein Jahr später meldete Italien einen Fall von Weinpanscherei mit giftigem Methanol. An dem Gebräu waren bereits 23 Menschen gestorben. Die sofortige Übermittlung der Warnung erlaubte den Behörden überall in Europa, weitere Chargen dieses Weines rechtzeitig zu beschlagnahmen. Die dänische Kontaktstelle schließlich übermittelte die ersten Meldungen über radioaktiv verstrahlte Früchte nach dem Tschernobyl-Unfall am 26. April 1986. Noch am selben Tag gingen Warnungen an alle Staaten heraus.
 
1992 nahm der Europäische Binnenmarkt Gestalt an. Das führte zu einer entschiedenen Aufwertung von RASFF. Zum ersten Mal wurde es in eine Richtlinie über allgemeine Produktsicherheit aufgenommen, zusammen mit dem Schnellwarnsystem für andere Konsumgüter RAPEX. Auch die Rinderwahn-Krankheit BSE, die 1995 in Großbritannien ausbrach, veranlasste die EU-Kommission zu weitreichenden Umstrukturierungen. Das RASFF wurde jetzt auch für Tiere und Futtermittel zuständig, bei der EU-Kommission entstand die Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz und Inspektoren des Lebensmittel- und Veterinäramtes der EU waren häufi g zu Kontrollen vor Ort.
 
2002 kamen das europäische Lebensmittelgesetz und das Hygienepaket dazu, das RASFF erhielt die bis heute gültige gesetzliche Grundlage. Es galt nun: Sicherheit "vom Erzeuger bis zum Verbraucher". Auch die Zahl der Meldungen nahm zu: Mehr als 3.000 Vorfälle - viermal so viel wie 1999 - wurden 2002 gemeldet. Die Zahl stieg weiter an und pendelte sich heute bei etwa 7.000 pro Jahr ein.
 
Das RASFF unterscheidet zwischen Warnmeldungen (von einem Lebens- oder Futtermittel gehen ernsthafte Gesundheitsrisiken aus), Informationsmeldungen (das Produkt hat ein geringes Risiko oder hat den Markt noch nicht erreicht), Grenzzurückweisungen (gilt für gefährliche Lebens- und Futtermittel an den Außengrenzen der EU) und Nachrichten (dient dem Informationsaustausch zwischen den Kontrollbehörden).
 
Heute sind alle 27 EU-Staaten Mitglieder des RASFF. Hinzu kommen die EU-Kommission, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Die EU hat sich zum größten Importeur und einem der größten Exporteure von Lebensmitteln entwickelt. Eine völlige Risikofreiheit wird es nicht geben, aber die modernen Lebensmittel und Hygienestandards, die dem Schnellwarnsystem RASFF zugrunde liegen, haben den europäischen Markt heute zu einem der sichersten Verbrauchermärkte der Welt gemacht. (vth)
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 25 vom 16. Juli 2009 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


LINKS zum Thema


EU‑Schnellwarnsystem RASFF wird 30 und ist so effizient wie noch nie
PresseInformation der EU-Kommission vom 16. Juli 2009.
 
Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF)
Memorandum der EU-Kommission vom 16. Juli 2009 mit Fragen und Antworten (FAQ) zum Thema.
 
RASFF - Annual Report 2008
Volltext des Jahresberichts 2008 der EU-Kommission als PDF-Dokument.
 
Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) / 30 Years RASFF
Informationen der EU-Kommisson zum Schnellwarnsystem der EU für Lebens- und Futtermittel.