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Ratifizierung des EU-Vertrages von Lissabon
Der am 13. Dezember 2007 in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon von den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) feierlich unterzeichnete EU-Reformvertrag kann erst dann in Kraft treten, wenn ihm die 27 EU-Staaten in einem Ratifizierungsverfahren zugestimmt haben.
(Hintergrund: Ratifizierung eines Vertrages...)
 
Das gesamte Ratifizierungsverfahren in allen EU-Staaten sollte ursprünglich bis spätestens Anfang 2009 abgeschlossen sein, damit der EU-Reformvertrag noch vor den turnusmäßigen Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 hätte in Kraft treten können. Dies ist jedoch nicht gelungen.
 
Im Gegensatz zu dem Verfahren bei der seinerzeit geplanten EU-Verfassung sollten bei der Ratifizierung des "Vertrages von Lissabon" in den EU-Staaten dieses Mal keine Volksabstimmungen (Referenden) stattfinden. Statt dessen sollten die nationalen Parlamente im Rahmen des Ratifizierungsverfahrens dem EU-Reformvertrag zustimmen - in Deutschland der Deutsche Bundestag und der Bundesrat (die Länderkammer). Eine Ausnahme ist Irland. Dort wurde auch zum EU-Reformvertrag von Lissabon eine Volksabstimmung durchgeführt, weil das dort so gesetzlich vorgeschrieben ist.
 
Die Tschechische Republik hat als letzter der 27 EU-Staaten den EU-Reformvertrag von Lissabon Anfang November 2009 ratifiziert. Der Vertrag konnte somit zum 1. Dezember 2009 in Kraft treten.


Ratifizierung in den EU-Mitgliedstaaten
(Reihenfolge nach dem Datum der endgültigen Ratifizierung)
Hier finden Sie eine Übersicht über die Ratifizierung des EU-Vertrages von Lissabon in den 27 EU-Mitgliedstaaten - geordnet nach der Reihenfolge des Datums der Unterzeichnung der Ratifizierungsurkunde des Vertrages durch den jeweiligen EU-Mitgliedstaat:
      
   Land  Ratifizierung erfolgt 
  ------ -----------  -------------------------- 

1. 

  Ungarn  am 17. Dezember 2007 durch das Parlament in Budapest
(325 Ja-, 5 Nein-Stimmen, 14 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 6. Februar 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

2. 

  Malta  am 29. Januar 2008 durch das Parlament in Valletta
(einstimmig!)
endgültig ratifiziert: am 6. Februar 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

3. 

  Frankreich  am 7./8. Februar 2008 in Paris
a) durch die Nationalversammlung (336 Ja-, 52 Nein-Stimmen) und
b) durch den Senat (265 Ja-, 42 Nein-Stimmen)
endgültig ratifiziert: am 14. Februar 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

4. 

  Rumänien  am 4. Februar 2008 durch das Parlament in Bukarest
(387 Ja-, 1 Nein-Stimme, 1 Enthaltung)
endgültig ratifiziert: am 11. März 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

5. 

  Slowenien  am 29. Januar 2008 durch das Parlament in Ljlubljana
(74 Ja-, 6 Nein-Stimmen; 10 Abgeordnete fehlten)
endgültig ratifiziert: am 24. April 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

6. 

  Bulgarien  am 21. März 2008 durch das Parlament in Sofia
(195 Ja-, 15 Nein-Stimmen, 30 Abgeordnete abwesend)
endgültig ratifiziert: am 28. April 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

7. 

  Österreich  a) am 9. April 2008 durch den Nationalrat (Parlament) in Wien
(157 Ja-, 27 Nein-Stimmen)
b) am 24. April 2008 durch den Bundesrat
endgültig ratifiziert: am 13. Mai 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

8. 

  Dänemark  am 24. April 2008 durch das Parlament in Kopenhagen
(90 Ja-, 25 Nein-Stimmen, 64 Abgeordnete abwesend)
endgültig ratifiziert: am 29. Mai 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

9. 

  Lettland  am 8. Mai 2008 durch das Parlament in Riga
(70 Ja-, 3 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung)
endgültig ratifiziert: am 16. Juni 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

10. 

  Portugal  am 23. April 2008 durch die Nationalversammlung in Lissabon
(208 Ja-, 21 Nein-Stimmen)
endgültig ratifiziert: am 17. Juni 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

11. 

  Slowakei  am 10. April 2008 durch das Parlament in Bratislava
(103 Ja-, 5 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung, 41 Abgeordnete abwesend)
endgültig ratifiziert: am 24. Juni 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

12. 

  Vereinigtes Königreich  a) im März 2008 durch das Unterhaus in London
b) am 18. Juni 2008 durch das Oberhaus in London
endgültig ratifiziert: am 16. Juli 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

13. 

  Luxemburg  am 29. Mai 2008 durch das Parlament in Luxemburg
(47 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme, 3 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 21. Juli 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

14. 

  Italien  a) am ?. Juli 2008 durch den Senat (einstimmig) in Rom
b) am 31. Juli 2008 durch die Abgeordnetenkammer (einstimmig)
endgültig ratifiziert: am 8. August 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

15. 

  Griechenland  am 11. Juni 2008 durch das Parlament in Athen
(250 Ja-, 42 Nein-Stimmen)
endgültig ratifiziert: am 12. August 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

16. 

  Litauen  am 8. Mai 2008 durch das Parlament in Vilnius
(83 Ja-, 5 Nein-Stimmen, 23 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 26. August 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

17. 

  Zypern  am 3. Juli 2008 durch das Parlament in Nikosia
(31 Ja-, 17 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung, 7 Abgeordnete abwesend)
endgültig ratifiziert: am 26. August 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

18. 

  Niederlande  a) am 5. Juni 2008 durch das Unterhaus des Parlaments in Den Haag
(111 Ja-, 39 Nein-Stimmen)
b) am 8. Juli 2008 durch den Senat des Parlaments
endgültig ratifiziert: am 12. September 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

19. 

  Finnland  am 11. Juni 2008 durch das Parlament in Helsinki
(151 Ja-, 27 Nein-Stimmen)
endgültig ratifiziert: am 12. September 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

20. 

  Estland  am 11. Juni 2008 durch das Parlament in Tallinn
(91 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme)
endgültig ratifiziert: am 23. September 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

21. 

  Spanien  a) am 26. Juni 2008 durch das Unterhaus in Madrid
(322 Ja-, 6 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen)
b) am 15. Juli 2008 durch den Senat
endgültig ratifiziert: am 8. Oktober 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

22. 

  Belgien  Als siebte und damit letzte Regionalvertretung nahm das flämische Regionalparlament am 10. Juli 2008 den Lissabon-Vertrag an.
endgültig ratifiziert: am 15. Oktober 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

23. 

  Schweden  am 20. November 2008 durch das Parlament in Stockholm
(243 Ja-, 39 Nein-Stimmen, 13 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 10. Dezember 2008 
  ------ -----------  -------------------------- 

24. 

  Deutschland  a) am 24. April 2008 durch den Bundestag
(515 Ja-, 58 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung)
b) am 23. Mai 2008 (am Verfassungstag) durch den Bundesrat
(15 Länder stimmten zu; Berlin enthielt sich, was als "Nein" gewertet wird)
endgültig ratifiziert: am 25. September 2009 
  ------ -----------  -------------------------- 

25. 

  Polen  am 1./2. April 2008 durch das Parlament in Warschau
a) durch das Unterhaus (384 Ja-, 56 Nein-Stimmen, 12 Enthaltungen)
b) durch das Oberhaus (74 Ja-, 17 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 10. Oktober 2009 
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26. 

  Irland  1. Volksabstimmung am 12. Juni 2008 = Ablehnung
(Nein = 53,4% / Ja = 46,6% / Wahlbeteiligung = 53,1%)
2. Volksabstimmung am 2. Oktober 2009 = Zustimmung
(Ja = 67,1% / Nein = 32,9% / Wahlbeteiligung = 58,0%)
endgültig ratifiziert: am 15. Oktober 2009 
  ------ -----------  -------------------------- 

27. 

  Tschechien  a) am 18. Februar 2009 durch das Parlament in Prag
(125 Ja-, 61 Nein-Stimmen)
b) am 6. Mai 2009 durch den Senat in Prag
(54 Ja-, 20 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen)
endgültig ratifiziert: am 13. November 2009 


LINKS zum Thema


Stand der Dinge in Ihrem Land
Informationen der EU-Kommission zum Stand des Ratifizierungsverfahren in den einzelnen 27 Mitgliedstaaten der EU.
 
EU-Gipfel von Brüssel 18./19. Juni 2009
Schlussdokument (= Schlussfolgerungen) der Tagung des Europäischen Rates der Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten (= EU-Gipfel) am 18. und 19. Juni 2009 in Brüssel als PDF-Dokument. Mit Zugeständnissen an Irland soll der Lissabon-Reformvertrag gerettet werden. In den Zugeständnissen wird bekräftigt, dass die EU nicht in die irische Steuerpolitik eingreift, die militärischen Neutralität akzeptiert und das strikte Abtreibungsverbot anerkennt. Die Zugeständnisse sollen später dem EU-Recht als Protokoll hinzufügt werden. Mit dieser Entscheidung soll Irland der Weg zu einem neuen Referendum über den Lissabon-Vertrag geebnet werden, das Anfang Oktober abgehalten werden soll.
 
EU-Gipfel von Brüssel am 11./12. Dezember 2008
Beim EU-Gipfel im Dezember 2008 in Brüssel sind sich die EU-Staats- und Regierungschefs über mehrere Forderungen Irlands einig geworden. Damit ist nun der Weg für ein zweites Referendum über den Vertrag von Lissabon in Irland bereitet. Das Referendum wird mit großer Wahrscheinlichkeit im Oktober 2009 abgehalten werden - also erst nach den Europawahlen im Juni 2009. Wir dokumentieren hier den Beschluss des EU-Gipfels im Wortlaut.
 
EU-Gipfel von Brüssel am 19./20. Juni 2008
Nach der Ablehnung des EU-Reformvertrages von Lissabon durch Irland in der irischen Volksabstimmung (Referendum) vom 12. Juni 2008 hat der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten bei seiner Tagung am 19./20. Juni 2008 in Brüssel über die aktuelle Situation beraten. Wir dokumentieren hier den Beschluss des EU-Gipfels im Wortlaut.


HINTERGRUND zum Thema


Hamburg (dpa) - Die Ratifizierung ist das Annahmeverfahren für einen internationalen Vertrag. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen "ratum facere" - für gültig machen - ab.
 
Bisweilen entstehen Unklarheiten über den genauen Verlauf des Prozesses, da die Verfassungen einzelner Staaten je nach juristischer und historischer Tradition unterschiedliche Ratifizierungsverfahren vorschreiben.
 
Formell bezeichnet die Ratifizierung die völkerrechtlich verbindliche Unterzeichnung des Vertrages durch das Staatsoberhaupt, in Deutschland durch den Bundespräsidenten. Zuvor muss die Legislative dem Vertrag in Form eines Gesetzes zustimmen. In Deutschland ist nach dem Beschluss dieses Gesetzes durch den Bundestag auch die Zustimmung des Bundesrates erforderlich. Bundestag und Bundesrat können dabei keine inhaltlichen Änderungen vornehmen.
 
In Deutschland ist nach der Unterschrift des Bundespräsidenten die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt (BGBl.) vorgeschrieben. Bei bilateralen Verträgen tauschen die beiden beteiligten Staaten die unterzeichneten Ratifizierungs-Dokumente aus. Bei multilateralen Abkommen zwischen mehreren Staaten muss die entsprechende Urkunde an einem zuvor vertraglich festgelegten Depositar-Ort hinterlegt werden. Der Vertrag tritt in der Regel erst dann in Kraft, wenn eine vereinbarte Anzahl oder alle Ratifikationsurkunden dort hinterlegt sind, beziehungsweise wenn eine zuvor festgelegte Frist verstrichen ist.
 
Quelle dieser Information:
Der Abdruck dieser Nachricht vom 1. Juli 2008 erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

 
Das EIZ Niedersachsen ist eine Informationsstelle im europe direct-Netzwerk der EU.
Website der EU-Ratspräsidentschaft Belgiens im 2. Halbjahr 2010.
Informationen, Dokumente und Links zum EU-Reformvertrag und zum Prozess seiner Ratifizierung.
dabei sein in Europa: Unsere EU- und Europa-Informationen für Jugendliche.
EU- und Europa-Infos für Kinder mit dem niedersächsischen Europa-Pferd "Eurogaloppo".