PresseInformation des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr vom 30.10.2013

In der vergangenen Woche bereiste die Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Daniela Behrens, mit einer fast 30-köpfigen Unternehmerdelegation die baltischen Staaten. Stationen der Reise waren die Republiken Litauen, Lettland und Estland. „Das Baltikum ist nach wie vor eine wichtige Drehscheibe im Ost-West-Handel, die drei baltischen Transitländer gehören zu den dynamischsten Märkten in der EU“, so Daniela Behrens zu den Motiven der Reise. Bei den politischen Gesprächen und den Unternehmertreffen ging es darum, die bereits bestehenden Beziehungen weiter auszubauen, vor allem aber um die Identifizierung von neuen Geschäftsfeldern und -partnern. In allen Gesprächen wurden Chancen für die niedersächsische Wirtschaft ausgelotet, die aus zusätzlichen EU-Fördermitteln für Großprojekte wie z. B. den Ausbau der Gleistrasse Rail Baltica oder der Autobahn Via Baltica erwachsen.

Behrens diskutierte mit den Vertretern in den Wirtschafts- und Verkehrsministerien auch Kooperationsmöglichkeiten des Jade-Weser-Ports mit den baltischen Häfen, um Perspektiven für die Anbindung des Wachstumsmarktes Osteuropa zu entwickeln.

Neben politischen Gesprächen wurden in erster Linie Wirtschaftstreffen, Kooperationsbörsen und Firmenbesuche durchgeführt. Für die niedersächsischen Unternehmer waren insgesamt fast 300 individuelle B2B-Gespräche organisiert worden. Vertreter der Deutschen Botschaften in den drei Hauptstädten sowie Experten der sehr gut aufgestellten Deutsch-Baltischen Handelskammer standen den Delegationsteilnehmerinnen und -teilnehmern in Gesprächen über die politische Lage, die wirtschaftliche Entwicklung und die dortigen Geschäftsmöglichkeiten Rede und Antwort.

Die Delegationsreise führte zunächst nach Litauen. In Vilnius führte die Staatsekretärin im Wirtschafts- und Verkehrsministerium politische Gespräche über geplante Großprojekte, die für Niedersachsen von besonderem Interesse sind – wie z. B. der Tiefwasserhafen in Klaipeda und die intermodalen Logistikzentren in Klaipeda, Kaunas und Vilnius. Litauen ist insbesondere ein wichtiges Transitland für Gütertransporte nach Weißrussland und in die Ukraine. Währenddessen loteten in B2B-Gesprächen litauische und niedersächsische Unternehmer Chancen für Kooperationen aus. Interessante Unternehmensbesuche wie der in einem Recyclingunternehmen folgten im Anschluss. Für die niedersächsische Wirtschaft bieten sich in Litauen vor allem Chancen in den Bereichen Elektrotechnik sowie hochkomplexe Elektronik, Energietechnik, energiesensibler Anlagenbau, klassischer Maschinenbau und Medizintechnik an. Litauen will sich durch den Beitritt zur Euro-Zone zum 1. Januar 2015 noch enger als bisher an die Euro-Länder binden.

Weiter ging es nach Lettland, dem wachstumsstärksten Land der EU. Im derzeitigen Aufschwung sind hier besonders Anlagen und Ausrüstungen, Chemieerzeugnisse, Elektrotechnik, Baubedarf sowie Lebensmittel gefragt. Beim Treffen mit dem Wirtschaftsminister Daniels Pavluts unterstrich dieser erneut die große Bedeutung, die er der niedersächsischen Wirtschaft im internationalen Austausch beimisst. Dass dies kein leeres Versprechen ist, beweist auch die Tatsache, dass in der nächsten Woche der lettische Finanzminister Anris Vilks zu Gesprächen mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies in Hannover zusammentrifft. Die Abgeordneten des niedersächsischen Landtages tauschten im lettischen Parlament ihre Erfahrungen mit Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschafts-, Landwirtschafts-, Umwelt- und Regionalpolitik aus. Die mitgereisten Unternehmer konnten sich in Riga von der Leistungsfähigkeit der lettischen Logistik und Thermotechnik überzeugen. Lettland wird bereits zum 1. Januar 2014 dem Euro beitreten.

Zu den wichtigsten WirtschaftszweigenEstlands -der dritten und somit letzten Etappe der Reise – gehören Finanzdienstleistungen, Transport/Logistik, Tourismus, Handel, Telekommunikation, E-Commerce und IT-Services, die Immobilien- und Baubranche, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei. Eine dominierende Rolle geht von der pulsierenden Hauptstadt Tallinn aus. Die mitgereisten Politiker folgten Einladungen ins Wirtschaftsministerium sowie ins Parlament. In der lettischen Wirtschaftsförderagentur, im IT-Demonstrationszentrum sowie im Technologiepark Technopol mit mehr als 150 angesiedelten Hightech-Unternehmen informierte sich die Delegation über die weit fortgeschrittene Anwendung von E-Government- und E-Health-Lösungen in der Verwaltung und im Gesundheitssektor sowie die Chancen in Bereichen wie Maschinen/Anlagen, Automobilbau, Chemie, Elektrotechnik, Bau sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Bilaterale Unternehmergespräche rundeten auch in Tallinn das Programm ab.

Alle drei Länder haben die Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 inzwischen weitgehend aus eigener Anstrengung und durch drastische Sparprogramme überwunden. „Dieser Leistung gebührt unser besonderer Respekt“, so Staatssekretärin Daniela Behrens.

Vorrangig ging es überall um die konkrete weitere Gestaltung der bilateralen Beziehungen mit den einzelnen Ländern für das Jahr 2014 und die Ausweitung der schon bestehenden Kontakte in den Bereichen Energieeffizienz und Bildung sowie in die Förderung von Mittelstand, Wissenschaft und Technik. Die Gespräche fanden auf allen Ebenen in einer sehr offenen und herzlichen Atmosphäre statt. Niedersachsen und Hannover musste man häufig nicht erst vorstellen; die großen Messen haben den Standort auch im Baltikum längst bekannt gemacht. Auch die aktuellen Herausforderungen stellen sich in allen Regionen ähnlich dar: Transport und Logistik, Energiegewinnung, Innovationsmanagement, Fachkräftemangel sind die Stichworte. Auf der Suche nach praktikablen Lösungen kann man nun ein Stück gemeinsam gehen.