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Teilnehmerrekord zum 30jährigen Bestehen: Knapp 680.000 Europäer nutzten 2015 das Erasmus-Programm

27.01.2017 Brüssel. 678.000 Europäerinnen und Europäer konnten im Jahr 2015 dank des EU-Programms „Erasmus+“ (Erasmus Plus) im Ausland studieren, sich fortbilden, arbeiten oder Freiwilligendienst leisten. 83.100 Teilnehmer kamen aus Deutschland. Damit verzeichnete das Programm einen neuen Teilnehmerrekord. Um dies zu ermöglichen, investierte die Europäische Union (EU) 2015 über 2 Milliarden Euro in fast 20.000 Projekte. Die meisten Erasmus-Teilnehmer stammen aus Frankreich, Deutschland und Spanien. Spanien, Deutschland und Großbritannien waren 2015 die beliebtesten Zielländer. Der am Donnerstag (26. Januar) von der Europäischen Kommission vorgelegte Jahresbericht 2015 zeigt, dass das Programm weiterhin auf gutem Weg ist, sein Ziel einzuhalten, zwischen 2014 und 2020 vier Millionen Menschen zu unterstützen. Die EU-Kommission hat zudem am Donnerstag die Kampagne zum 30-jährigen Bestehen des Erasmus-Programms gestartet.

Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission und ehemaliger Erasmus-Studierender an der Universität Leicester (Vereinigtes Königreich), erklärte dazu am Donnerstag: „Durch Bildung erwerben wir die Kenntnisse, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es uns ermöglichen, unser Potenzial voll auszuschöpfen und unsere Chancen zu nutzen. Mobilität erweitert unseren Horizont und stärkt unser Selbstbewusstsein. Erasmus kann beides bieten. Als ehemaliger Erasmus-Studierender kann ich dies aus meiner persönlichen Erfahrung heraus bestätigen. Ich rufe alle Studierenden und insbesondere auch Lehrkräfte, Ausbilder, Jugendbetreuer und Auszubildende dazu auf, die Möglichkeiten, die Erasmus+ ihnen bietet, zu nutzen.“

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, ergänzte: „Seit mittlerweile drei Jahrzehnten eröffnet Erasmus jungen Menschen große Chancen, hilft ihnen dabei, wichtige Fähigkeiten wie soziale und interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, und fördert bürgerschaftliches Engagement. Das Programm verbindet Menschen miteinander, unterstützt ihre Zusammenarbeit und versetzt so unsere Jugend in die Lage, eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Genau diese Solidarität braucht Europa – heute mehr denn je. Ich möchte dafür sorgen, dass mit Erasmus+ künftig noch mehr Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund gefördert werden.“

Jahresbericht 2015

2015 wurde das Spektrum von Erasmus+ noch ausgeweitet: Erstmals konnten Hochschuleinrichtungen mehr als 28.000 Studierende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Länder außerhalb Europas entsenden oder aus diesen Ländern aufnehmen. Frankreich, Deutschland und Spanien entsenden weiterhin die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer; bei den Empfängerländern stehen Spanien, Deutschland und das Vereinigte Königreich an der Spitze. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden belegen, dass sich ein Auslandsaufenthalt mit Erasmus+ lohnt: 94 Prozent geben an, dass sie ihre Kompetenzen steigern konnten, und 80 Prozent sind der Auffassung, dass sich ihre beruflichen Perspektiven verbessert haben. Ein Drittel der Erasmus-Studierenden, die Praktika im Ausland absolvierten, erhielt vom aufnehmenden Unternehmen anschließend ein Stellenangebot.

Im Vergleich zu den Vorgängerprogrammen wurde bei Erasmus+ auch die Einbeziehung des Arbeitsmarktes gestärkt, Schüler können jetzt Praktika in Unternehmen und Organisationen im Ausland machen und damit Erfahrungen sammeln, die sie auf die Arbeitswelt vorbereiten.

Der typische Erasmus-Hochschulstipendiat war 2014/15 übrigens weiblich, 24,5 Jahre alt und verbrachte 5,3 Monate im Ausland.

Eine weitere wichtige Funktion von Erasmus+ ist die Förderung der sozialen Eingliederung. Dies gilt auch für neu angekommene Migranten und Flüchtlinge, deren Bildungsbedarf nun verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dem Jahresbericht 2015 zufolge wurden zusätzlich 4 Millionen Euro bereitgestellt, damit die Online-Sprachhilfe in den kommenden drei Jahren von 100.000 Flüchtlingen genutzt werden kann. Auch der Bekämpfung der Radikalisierung im Rahmen von Erasmus+-Maßnahmen wird eine größere Priorität beigemessen. Bildungsangebote und Jugendprojekte haben eine Schlüsselfunktion bei der Förderung der sozialen Integration, der Verbesserung des interkulturellen Verständnisses und der Entwicklung des Zugehörigkeitsgefühls zu einer Gemeinschaft. Erasmus+ fördert beispielsweise Weiterbildungsprojekte für Jugendbetreuer in ganz Europa und in benachbarten Regionen, damit sie die Inklusion junger Menschen besser unterstützen können: Im Jahr 2015 nahmen rund 38.000 Jugendbetreuer an solchen Erasmus+-Projekten teil, die mit rund 28 Millionen Euro gefördert wurden.

Neu hinzugekommen ist die Finanzierung von Austauschmaßnahmen zwischen europäischen Hochschulen und Hochschulen aus der ganzen Welt. Im Rahmen dieser Aktion wurden über 28.000 Teilnehmer mit insgesamt 110 Millionen Euro gefördert. Im zweiten Laufzeitjahr von Erasmus+ richteten internationale Zusammenschlüsse von Hochschuleinrichtungen außerdem 32 gemeinsame Erasmus-Mundus-Masterstudiengänge ein; jeder dieser Studiengänge bietet von der EU finanzierte Stipendien für Studierende aus der ganzen Welt.

Erasmus-Austauschmaßnahmen stehen allen Menschen offen

Im Einklang mit dem Programmziel, Gerechtigkeit und Inklusion zu fördern, wurde denjenigen der Zugang erleichtert, die mit Hindernissen konfrontiert sind – aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage, einer Behinderung, des sozialen Status, der geografischen Abgelegenheit oder aus gesundheitlichen Gründen. Dies sind derzeit rund 10 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Austauschmaßnahmen. Personen, die gemäß nationalen Kriterien aus benachteiligten Verhältnissen kommen, erhalten eine zusätzliche Förderung von 100-200 Euro pro Monat. Derzeit werden über 39.000 benachteiligten Studierenden solche Zusatzstipendien gezahlt.

Im Jugendbereich kommt jeder dritte Teilnehmende von Jugendaustauschprojekten aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen. Jugendaustauschprojekte und der Europäische Freiwilligendienst stehen jedermann offen und sind kostenlos. Den Freiwilligen werden die Reise- und Aufenthaltskosten erstattet, sie erhalten ein Taschengeld, Versicherungsschutz und eine Ermäßigungskarte.

Hintergrund

Gestartet wurde Erasmus im Jahr 1987 als Austauschprogramm für Studierende; im ersten Jahr gab es 3.200 Teilnehmer aus elf Ländern. Heute bietet Erasmus+ eine Vielzahl von Möglichkeiten in der Hochschulbildung, der beruflichen und schulischen Bildung und Weiterbildung, in der Erwachsenenbildung, Jugend und Sport. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat das Programm neun Millionen Menschen die Chance eröffnet, im Ausland zu studieren, berufliche Erfahrungen zu sammeln oder sich weiterzubilden. In Deutschland ging Erasmus 1987 mit 657 Studenten an den Start.

Seitdem haben mehr als 1,3 Millionen Deutsche an dem Programm teilgenommen, von 2014 bis 2020 werden aus Deutschland 660.000 Teilnehmer erwartet. Seit der Einführung von Erasmus+ im Jahre 2014 haben tatsächlich bereits zwei Millionen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund die Gelegenheit ergriffen, im Ausland zu studieren, eine Ausbildung zu machen, sich freiwillig zu engagieren und Erfahrungen zu sammeln. Für Erasmus+ stellt die EU-Kommission bis 2020 ein Gesamtbudget von knapp 14,8 Milliarden Euro bereit. Das bedeutet 40 Prozent mehr Finanzierung im Vergleich zum Vorgänger-Programm. Zurzeit beteiligen sich die 28 Mitgliedstaaten der EU sowie Island, Norwegen, Liechtenstein, die Türkei und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien an Erasmus+.

Zum 30. Geburtstag von Erasmus finden im gesamten Jahr 2017 zahlreiche Veranstaltungen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene statt – unterstützt und inspiriert durch ehemalige Erasmus-Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die EU-Kommission möchte auf diesen Veranstaltungen und durch Online-Konsultationen einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern darüber führen, wie das Programm gestärkt werden kann, sodass es auch künftig konstruktiv Beiträge zur europäischen Gesellschaft beiträgt.

Für Erasmus+ sind in Deutschland drei Nationale Behörden verantwortlich (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Kultusministerkonferenz). Vier Nationale Agenturen sind für dessen Umsetzung zuständig – die Nationale Agentur „Jugend für Europa“ für den Bereich Jugend, die Nationale Agentur im Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz für den Schulbereich, die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit beim DAAD für den Bereich der Hochschulbildung und die Nationale Agentur „Bildung für Europa“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung für den Bereich der beruflichen Bildung und Erwachsenenbildung.

Link zum Thema:

Von Erasmus zu Erasmus+: 30 Jahre Erfolgsgeschichte
Memorandum der EU-Kommission vom 26. Januar 2017 mit Fragen und Antworten (FAQ) zu Erasmus.