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Elektronik rettet Leben
 
EU verschärft die Sicherheitsregeln für Kfz
Ein Auto, das Fahrfehler stillschweigend korrigiert, Unfälle voraussieht und selbsttätig bremst? Das klingt nach Science fiction - ist es aber nicht. Die Technik gibt es, und die EU-Kommission sorgt dafür, dass sie nicht nur in teuren Luxuskarossen zum Einsatz kommt. Viele intelligente Systeme könnten schon in zwei bis drei Jahren Standard sein.
 
Nicht nur im Kampf gegen den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr setzt die EU auf technischen Fortschritt. Auch die Sicherheit will sie durch Elektronik voranbringen. Schließlich hat sie im Weißbuch zur Verkehrspolitik 2001 erklärt, die jährlichen Verkehrsopferzahlen in der EU bis 2010 auf 20.000 halbieren zu wollen. Eine "Verordnung für die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich ihrer allgemeinen Sicherheit", die am 23. Mai 2008 von der EU-Kommission vorgestellt wurde, soll in diesem Sinne modernen Sicherheitssystemen zum Durchbruch verhelfen. Auch das Rollgeräusch und den Rollwiderstand von Reifen sollen gesenkt und so die Autos umweltfreundlicher machen.
 
"Das ist ein großer Schritt zu mehr Sicherheit auf der Straße", erklärte Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen, verantwortlich für Unternehmen und Industrie. "Das Maßnahmenpaket reduziert die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs und zeigt, dass die Kommission ihre Versprechen hält. Darüber hinaus stärkt es die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie, indem es das Typzulassungsrecht vereinfacht und mehr Transparenz schafft."
 
Stabilitätskontrolle wird Pflicht
Mehr Sicherheit bringt die elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) - über Sensoren erkennt das System eine beginnende Schleuderbewegung und vergleicht sie mit den Lenkbewegungen des Fahrers. Durch automatisches Abbremsen einzelner Räder versucht ESP dann, das Fahrzeug zu stabilisieren. Das System soll ab 2012 für alle neuen Fahrzeugmodelle und ab 2014 für alle Neufahrzeuge vorgeschrieben sein. Vom flächendeckenden ESP verspricht sich die Kommission 4.000 weniger Verkehrstote im Jahr und 100.000 weniger Unfälle.
 
In Deutschland verfügen schon über 70 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge über ESP. Doch fehlen sie meist dort, wo sie besonders wichtig wären - in Kleinwagen und in Lastwagen. Also ist gesetzlicher Zwang sinnvoll, auch die USA haben bereits gehandelt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat im Februar den deutschen Automobilherstellern empfohlen, ESP serienmäßig in alle Autos einzubauen. Bereits 2007 hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, dass Pkw ab 2009 mit einem Bremsassistenzsystem (BAS) ausgestattet sein müssen. Das verkürzt den Bremsweg bei Notbremsungen beträchtlich. Das System erkennt, dass der Fahrer rasch reagiert, aber wenn er nicht energisch genug bremst, verstärkt es automatisch die Bremskraft. Dadurch können Zusammenstöße mit Fußgängern vermieden oder doch abgemildert werden. Wäre der europäische Autobestand komplett mit BAS ausgerüstet, bliebe jährlich bis zu 1.100 Fußgängern der Unfalltod erspart.
 
Alle Pkw sollen außerdem obligatorisch über Reifendruckkontrollsysteme verfügen, die den Fahrer bei unzureichendem Reifendruck warnen. In den USA ist so etwas schon seit 2003 Pflicht, weil schleichender Druckverlust und defekte Reifen viele schwere Verkehrsunfälle verursachen. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene EU-Verordnung enthält zudem strengere Grenzwerte für das Reifenrollgeräusch und höhere Anforderungen an die Nasshaftung und den Rollwiderstand. Letzteres senkt den Benzinverbrauch und spart CO2.
 
Notbremsung nur für Schwerlaster
Vorläufig nur für Schwerlastwagen fordert die EU-Kommission, ab 2013 Notbrems- und Spurhaltesysteme, die den Fahrer beim Abkommen von der Fahrbahn warnen. Alleine die technischen Verbesserungen bei Lastwagen können, so die Kommission, 2.500 Menschenleben im Jahr retten - 500 durch ESP und 2.000 durch die Notbrems- und Spurhaltesysteme. Wie stark die geplante EU-Verordnung die Autopreise steigen lassen wird, ist noch nicht abzusehen - aber das Kosten/Nutzen-Verhältnis steht außer Frage.
 
Die Verordnung, die der Zustimmung des Europäischen Parlaments und des EU-Ministerrates bedarf, wird das Typgenehmigungsrecht deutlich vereinfachen: Sie ersetzt 50 EU-Richtlinien (und rund 100 damit verbundene Änderungsrichtlinien) zur Sicherheit von Kraftfahrzeugen und Reifen. Und das verringert den Verwaltungsaufwand der Hersteller erheblich. (mb)
 

Quelle der vorstehenden Informationen:
EU-Nachrichten Nr. 18 vom 22. Mai 2008 der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.


INFORMATIONEN zum Thema




LINKS zum Thema


Kraftfahrzeuge sollen sicherer und umweltfreundlicher werden
PresseInformation der EU-Kommission vom 23. Mai 2008.
 
Fußgängerschutz: Kommission schlägt Einbau von Bremsassistenzsystemen in Neufahrzeugen vor
PresseInformation der EU-Kommission vom 8. Oktober 2007.
 
Car Safety Package
Über diese Seite der EU-Kommission können die am 23. Mai 2008 veröffentlichten Dokumente mit den einzelnen Vorschlägen der EU-Kommission abgerufen werden.
 
Automotive Industrie: Safety
Informationen der EU-Kommission zum Thema Automobilindustrie und Sicherheit.
 
Automobilindustrie in Europa - EU-Strategie für langfristige Rentabilität
Die EU-Kommission hat sich am 7. Februar 2007 auf eine umfassende Strategie für die europäische Automobilindustrie geeinigt, in deren Rahmen die Wirtschaftlichkeit der Automobilherstellung sowie eine verbraucherfreundliche Preisgestaltung gewährleistet werden sollen. Die Strategie umfasst eine Vielzahl von Elementen, beispielsweise Verringerung des Verwaltungsaufwands, ökologische Nachhaltigkeit, Verkehrssicherheit, Handel und überseeische Märkte sowie Forschung.
 
European transport policy for 2010 : time to decide
Weißbuch der EU-Kommission vom 12. September 2001 "Die europäische Verkehrspolitik bis 2010: Weichenstellungen für die Zukunft".