Warten auf den Wein – Wie Niedersachsens neue Winzer sich vorbereiten

21.07.2017 Bad Iburg (dpa/lni) – Wo bald Gerd Brinkmanns Weinreben wachsen sollen, steht zurzeit noch Mais. Doch für diesen ist der Lehmboden nicht optimal, deshalb ist es seine letzte Saison. «Etwas Besseres als Wein gibt es für diese Fläche nicht», sagt Brinkmann, der einer von Niedersachsens zehn neuen Winzern ist. Als das Landwirtschaftsministerium die Anbaurechte ausschrieb, bewarb sich der Landwirt – und bekam den Zuschlag. Wein hat er bisher lediglich getrunken, aber nicht selbst produziert.

Durch eine neue EU-Regelung wurde Niedersachsen im vergangenen Jahr offiziell zur Weinregion. Der kommerzielle Anbau von Trauben ist streng reglementiert, Hobbywinzer dürfen beispielsweise nur 99 Rebstöcke anbauen. In der ersten Vergaberunde der neuen Anbaurechte erhielten zehn Landwirte aus Niedersachsen grünes Licht für eine Fläche von insgesamt 7,6 Hektar.

Doch bis die ersten Flaschen entkorkt werden können, steht noch eine Menge Arbeit bevor. Gerd Brinkmann hat gerade 4.300 Rebpflanzen bestellt, im kommenden Mai will er pflanzen. Michael Winkler aus Göttingen ist schon einen Schritt weiter: Er hat bereits die ersten 5.000 Quadratmeter bepflanzt. Seine Rebsorte Solaris trage sogar schon die ersten Trauben, berichtet der Neuwinzer stolz. Am liebsten wolle er direkt mit der Weinherstellung anfangen. «Ich hadere noch, ob meine Neugier größer ist als meine Vernunft.»

Sind die Rebstöcke gepflanzt, warten die nächsten Herausforderungen auf die Landwirte. Um in größeren Mengen Wein zu produzieren, braucht es aufwendige Technik – zum Pressen, Gären und Keltern. Gerd Brinkmann überlegt, erst einmal die Anlagen einer Mosterei in der Nachbarschaft zu benutzen und hofft, «dass der Wein dann nicht nach Apfelsaft schmeckt.» Winkler hingegen setzt auf Gebrauchtwaren: Solange die Trauben wachsen, will er sich von ehemaligen Winzern die Geräte zusammenkaufen. Bis die jungen Rebstöcke genügend Ertrag bringen, kann es bis zu drei Jahren dauern.

Ganz ohne Unterstützung von ihren erfahrenen Kollegen aus dem Süden kommen die norddeutschen Winzer noch nicht aus. Brinkmann hat Schulungen in Würzburg besucht, Winkler lässt seine Anbauflächen von einem befreundeten Winzer aus Rheinhessen «wohlwollend begutachten». Beide spielen außerdem mit dem Gedanken, Unternehmer aus den traditionellen Weinbauregionen mit dem maschinellen Anpflanzen zu beauftragen.

Die bisher bewilligten Weinbauflächen liegen in der Region Hannover, den Landkreisen Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Schaumburg, Friesland, Osnabrück und dem Ammerland. Doch es können neue hinzukommen: Die neue Regelung erlaubt dem Bundesland bis 2020 pro Jahr fünf Hektar neue Weinfläche, deshalb können sich Interessierte jährlich um die Rechte bewerben.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer freut sich schon auf die ersten Tropfen aus Niedersachsen: «Ich setze auf die Kreativität und Qualität unserer Neuwinzerinnen und -winzer. Womöglich gibt es ja dann bald ganz exquisiten, köstlichen Wein mit niedersächsischer Note.»

Wenn alles gut läuft, könnte es im Jahr 2021 Gerd Brinkmanns ersten, eigenen Wein geben – «nur für uns und ein paar gute Freunde natürlich», betont er, denn das Getränk müsse sich erst noch entwickeln. Ab dem Jahr 2022 könne man vielleicht übers Verkaufen nachdenken.

Links zum Thema:

Niedersachsen wird ab 2016 Weinland
Nach EU-Neuregelung erstmals erwerbsmäßiger Anbau möglich – Anträge bis 1. März 2016 stellen – Minister Meyer: Weinbau ist Bereicherung für unser Land. PresseInformation des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) vom 11. September 2015.

Neuntes Gesetz zur Änderung des Weingesetzes
Das Neunte Gesetz zur Änderung des Weingesetzes enthält die Umsetzung des zum 1. Januar 2016 geltenden neuen EU-Genehmigungssystems für Rebpflanzungen, welches das bisherige System der Pflanzrechte ablöst. Das neue Genehmigungssystem betrifft vor allem Neuanpflanzungen, die nun unter besonderen Voraussetzungen in ganz Deutschland zu ermöglichen sind. Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit weiterführenden Links zum Thema.

Weinrechtliche Vorschriften der Europäischen Union (EU)
Informationen des Instituts für Landwirtschaft der Georg-August-Universität Göttingen mit weiterführenden Links zu den EU-Vorschriften.

Die Reformen des EU-Weinmarktes
Informationen und Dokumente der EU-Kommission zum Weinmarkt in der EU.

Quelle dieser Information:
Der Abdruck dieser Nachricht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).