EU-Sozialkommissar Schmit fordert Krisenprogramm für Jugendliche © Europäische Gemeinschaften, 1998, Quelle: EU-Kommission - Audiovisueller Dienst

17.06.2020 Brüssel (dpa) – EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit hat vor Sozialabbau im Kampf gegen die Corona-Krise gewarnt. Zwar sei bei Einvernehmen der Tarifpartner in einzelnen Betrieben ein Lohnverzicht denkbar, sagte Schmit in einem Interview der Deutschen PresseAgentur. Aber: «Es wäre der falsche Weg, jetzt Sozialabbau als Beitrag für den Krisen-Exit vorzustellen.» Die Gesellschaft dürfe jetzt nicht «verlottern» und immer mehr Menschen abhängen.

Wegen des Wirtschaftseinbruchs stünden «mindestens zwei bis drei schwierige Jahre» mit hoher Arbeitslosigkeit bevor, sagte der luxemburgische Sozialdemokrat. Das treffe vor allem junge Leute. «Die Jugendlichen riskieren, die größten Opfer zu sein, entweder weil sie noch nicht im Arbeitsmarkt sind oder weil sie in prekären Arbeitsverhältnissen sind», sagte Schmit. Europa müsse zeigen, «dass es seine Jugend jetzt nicht opfert».

Er schlug vor, notfalls Zuschüsse für Ausbildungs- oder Arbeitsplätze einzuführen. «Es ist besser, einen Arbeitsplatz zu subventionieren, als Jugendliche einfach auf der Straße zu lassen», sagte Schmit. Zudem müsse sehr stark in digitale Ausbildung investiert werden, denn für Digitalexperten gebe es Hunderttausende freie Stellen. «Wir brauchen eine Art “Skills-Revolution”», sagte er.

Zur deutschen Debatte über ein Recht auf Heimarbeit äußerte sich Schmit zurückhaltend. Für viele Arbeitnehmer komme dies ohnehin nicht in Frage. Zudem habe es auch negative Folgen, wenn Beruf und Privatleben nicht mehr getrennt seien. Die Tarifpartner könnten sicher Vereinbarungen treffen. Aber: «Bei einem europäischen Recht auf Homeoffice bin ich sehr skeptisch.»

Quelle dieser Information: Der Abdruck dieser Nachricht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa)