Schengen-Raum
ZUM ANHÖREN · Sprechtext
Schengen macht eine alltägliche Erfahrung möglich: Von Deutschland nach Frankreich oder in die Niederlande zu fahren, ohne an einer regulären Binnengrenzkontrolle anhalten zu müssen.
Der Schengen-Raum entstand, weil Staaten Kontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen schrittweise abbauen wollten. Dafür reicht es aber nicht, einfach Schlagbäume zu öffnen: Die beteiligten Staaten brauchen gemeinsame Regeln für die Außengrenzen, Visa und Sicherheitszusammenarbeit.
Heute gehören 29 Staaten zum Schengen-Raum – 25 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.
Schengen bedeutet deshalb nicht „keine Grenzen“. Es bedeutet vor allem: grundsätzlich keine Personenkontrollen an den Binnengrenzen – verbunden mit gemeinsamen Regeln für den gesamten Raum.
ZUR VERTIEFUNG · Webseitentext
Warum gibt es Schengen?
1985 unterzeichneten Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande im luxemburgischen Ort Schengen ein Abkommen mit dem Ziel, Kontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen schrittweise abzubauen. Das Durchführungsübereinkommen von 1990 regelte die praktische Umsetzung; 1995 wurden die Kontrollen zwischen den ersten beteiligten Staaten tatsächlich abgeschafft.¹
Wie funktioniert ein Raum ohne reguläre Binnengrenzkontrollen?
Wenn Personenkontrollen an den Grenzen zwischen Mitgliedstaaten grundsätzlich entfallen, verlagert sich ein Teil der Zusammenarbeit auf die gemeinsame Außengrenze und auf gemeinsame Regeln. Der Schengener Grenzkodex enthält Regeln für Grenzkontrollen; hinzu kommen eine gemeinsame Visumpolitik sowie Polizei- und Informationszusammenarbeit.
Das bedeutet nicht, dass innerhalb des Schengen-Raums niemand kontrolliert werden darf. Polizeikontrollen bleiben möglich, und bei einer ernsthaften Bedrohung können Staaten unter den rechtlichen Voraussetzungen vorübergehend wieder Kontrollen an Binnengrenzen einführen.¹
Schengen ist nicht dasselbe wie Zollunion oder EU
Schengen betrifft vor allem das Überschreiten von Grenzen durch Personen. Zoll- und Warenregeln folgen einer anderen Logik. Deshalb sollte „keine Grenzkontrolle“ nicht mit „keine Zollkontrolle“ gleichgesetzt werden.
Wer gehört dazu?
Zum Schengen-Raum gehören 29 Staaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn. Bulgarien und Rumänien sind seit 1. Januar 2025 vollständig Teil des Schengen-Raums.²
⚠ EU, aber nicht vollständig Schengen: Irland gehört nicht zum Schengen-Raum. Bei Zypern sind die Kontrollen an den Binnengrenzen noch nicht aufgehoben.
⚠ Nicht-EU, aber Schengen: Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz gehören zu Schengen, obwohl sie nicht EU-Mitglieder sind.
⚠ Übersee und Sondergebiete: Kanaren, Azoren und Madeira gehören zum Schengen-Raum. Die französischen RUP außerhalb Europas gehören dagegen nicht zum Schengen-Raum; Ceuta und Melilla haben besondere Regelungen.
Was zeigt diese Karte?
Die Schengen-Karte zeigt einen gemeinsamen Reise- und Grenzraum. Sie beantwortet also eine andere Frage als die EU-Karte: Nicht „Wer ist EU-Mitglied?“, sondern „Zwischen welchen Staaten sind die regulären Personenkontrollen an den Binnengrenzen grundsätzlich abgeschafft?“
Quellen und Fußnoten
1 Entstehung, Funktionsweise und Regeln des Schengen-Raums. Rat der EU. Quelle öffnen
2 Aktuelle 29 Schengen-Staaten und Status von Zypern/Irland. Rat der EU. Quelle öffnen
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