© Europäische Union, 2018, Quelle: EU-Kommission - Audiovisueller Dienst, Fotograf*in: Mauro Bottaro
24.03.2026 Canberra. US-Präsident Trump vergrätzt Verbündete mit Zöllen, die EU hingegen setzt auf freien
Handel und die engere Anbindung von Partnern. Auch mit Australien will sie deutlich mehr
zusammenarbeiten.
Die Europäische Union und Australien haben nach rund acht Jahren die
Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das
Vertragswerk werde Zölle und Handelshemmnisse abbauen, die Wirtschaft ankurbeln und
damit für mehr Wohlstand sorgen, sagten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
und Premierminister Anthony Albanese in der australischen Hauptstadt Canberra.
Von der Leyen machte deutlich, dass es für die EU wichtig ist, internationale
Handelsbeziehungen auszubauen und zu diversifizieren, um Risiken und Abhängigkeiten zu
verringern – zumal in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump mit ihrer
aggressiven Zollpolitik ein zunehmend schwieriger Partner sind und China als immer
selbstbewusster auftritt.
Industriebereiche, die besonders von dem Abkommen profitieren könnten, sind der EU-Kommission zufolge
etwa Maschinenbau, Chemie, Fahrzeugindustrie und Landwirtschaft.
Die EU soll zudem einen besseren Zugang zu Australiens strategisch wertvollen Rohstoffen
wie seltenen Erden und Lithium bekommen.
«Starkes Signal an den Rest der Welt»
«Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass in Zeiten der Turbulenzen
Freundschaft und Zusammenarbeit das Wichtigste sind», sagte die deutsche
Kommissionspräsidentin. Die EU und Australien seien geografisch weit voneinander entfernt,
doch in der Sicht auf die Welt könne man einander kaum näher sein. Enger
zusammenrücken will man auch mit einer neuen Sicherheits- und
Verteidigungspartnerschaft, die stärkere Kooperation gegen Cyber-Risiken, hybride
Bedrohungen sowie ausländische Informationsmanipulation und Einmischung vorsieht.
Premierminister Albanese erklärte, das Freihandelsabkommen werde beiden Seiten
zugutekommen. Für Australien sei der Wegfall von Zöllen auf den Export von Wein und
Meeresfrüchten bedeutend. Zudem könnten künftig mehr landwirtschaftliche Produkte wie
Rindfleisch in die EU exportiert werden. Umgekehrt sieht das Abkommen die Abschaffung
von mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenexporte nach Australien vor, wodurch
Firmen aller Größen nach EU-Angaben jährlich rund eine Milliarde Euro an Zöllen sparen
würden. Auch soll das Abkommen EU-Fachkräften die Arbeit in Australien erleichtern.
«Prosecco»-Streit konnte Abkommen nicht aufhalten
Strittig war bei den Verhandlungen bis zuletzt unter anderem der Umgang mit bestimmten
Agrarprodukten, deren Namen in Europa geschützt sind und die bestimmte
Herstellungskriterien erfüllen müssen – etwa Feta-Käse, Gruyère und Parmesan. Auch der in
Australien produzierte «Prosecco» war der EU ein Dorn im Auge.
Doch beide Seiten waren letztlich kompromissbereit. Australische Weinproduzenten dürfen
demnach weiter Prosecco herstellen und unter diesem Namen verkaufen, dürfen ihn aber
nicht exportieren, wie Albanese erläuterte.
Bedenken der europäischen Agrarlobby begegnete die EU-Seite mit dem Hinweis, das
Abkommen werde Zölle auf wichtige EU-Ausfuhren wie Käse, Fleischzubereitungen, Wein
und Schaumwein, einige Obst- und Gemüsearten einschließlich verarbeiteter Produkte,
Schokolade und Zuckerwaren abschaffen. Gleichzeitig werde man für sensible Waren wie
Rindfleisch, Schaf- und Ziegenfleisch, Zucker, einige Molkereiprodukte und Reis zollfreie
oder zollermäßigte Einfuhren aus Australien nur in begrenztem Umfang zulassen.
Deutsche Automobilindustrie begrüßt Deal
Die EU geht davon aus, dass die Exporte aus den Mitgliedstaaten nach Australien im
kommenden Jahrzehnt um ein Drittel auf jährlich bis zu 17,7 Milliarden Euro wachsen
könnten. Besonderes Wachstumspotenzial gibt es den Angaben zufolge bei Milchprodukten,
Kraftfahrzeugen und Chemikalien. EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87
Prozent zulegen, heißt es.
Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, erklärte vorab, das
Handelsabkommen werde für die europäische Automobilindustrie «erhebliche Chancen
eröffnen», vor allem auch für die exportorientierten deutschen Hersteller. Sie haben auf dem
australischen Markt starke Konkurrenz aus China und Japan.
Die EU ist Australiens drittgrößter Handelspartner nach China und Japan. Umgekehrt liegt
Australien im Warenhandel mit den 27 EU-Staaten hingegen nur auf dem 20. Platz. Das
Land mit knapp 28 Millionen Einwohnern will über die verstärkte Zusammenarbeit mit der EU
auch die Abhängigkeit von seinem größten Handelspartner China reduzieren, der im
Indopazifik-Raum immer fordernder auftritt und die Australier seine Machtposition deutlich
spüren lässt.
Wann das Abkommen mit Australien unterzeichnet werden kann, ist noch unklar. Denn der
Vertragstext muss noch rechtlich geprüft und in alle Amtssprachen der EU übersetzt werden.
Anschließend muss er von den Mitgliedstaaten und vom Europäischen Parlament gebilligt
werden.
Jahrelange Verhandlungen, Scheitern und Neubeginn
Die EU hatte 2018 beschlossen, die Gespräche für das Handelsabkommen mit Australien zu
beginnen. Zwischenzeitlich gab es Verstimmungen, weil die Australier mit den USA und
Großbritannien 2021 hinter dem Rücken der EU einen neuen Sicherheitspakt für den
Indopazifik-Raum aushandelten und einen milliardenschweren U-Boot-Deal mit Frankreich
platzen ließen. Bei einem Treffen im japanischen Osaka 2023 scheiterte das Abkommen
schließlich wegen Streitigkeiten über Agrarimporte – dann schliefen die Gespräche ein.
Richtig Fahrt nahmen die Verhandlungen erst wieder auf, als Trump erneut ins Weiße Haus
einzog. Seither mischt er die einst eher berechenbare Welt des internationalen Handels mit
immer neuen Zollentscheidungen auf. Mit seinen politischen Alleingängen macht er aber
indirekt auch gute Werbung für den kooperativeren Ansatz der EU – und die mühsame Arbeit
daran, verlässliche Handelsbeziehungen durch Freihandelsabkommen zu stärken. Beispiele
dafür sind das jüngst nach jahrzehntelangen Verhandlungen unterzeichnete Abkommen mit
vier südamerikanischen Staaten des Mercosur-Bunds und die neu vereinbarte große
Freihandelszone mit Indien.
Von Jürgen Bätz und Ansgar Haase, dpa
Quelle dieser Information: Der Abdruck dieser Nachricht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
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