11.03.2026 Brüssel. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat mit Blick auf die Folgen des Krieges im Nahen Osten angekündigt, mehrere Optionen zur Senkung der Energiepreise zu prüfen. „Wir bereiten verschiedene Optionen vor: eine bessere Nutzung von Strombezugsverträgen und Differenzverträgen, staatliche Beihilfemaßnahmen, und wir loten die Subventionierung oder Deckelung des Gaspreises aus“, erklärte sie im Plenum des Europäischen Parlamentes.
Trotz der Anstrengungen der vergangenen Jahre und einer gesunkenen Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe sei Europa nicht immun gegen Preisschocks. „Die Energiemärkte sind global. Versorgungsunterbrechungen in der Golfregion wirken sich im Handumdrehen auf die Preise weltweit aus. Schon jetzt erleben wir deutliche Preisausschläge“, sagte die Kommissionspräsidentin.
Heimische Energiequellen entscheidend
Europa verfüge über heimische Energiequellen, nämlich erneuerbare Energien und Kernkraft, sagte von der Leyen. „Die Preise dafür sind in den letzten 10 Tagen stabil geblieben. Trotzdem werden Stimmen laut, dass wir unsere langfristige Strategie aufgeben und sogar wieder auf fossile Brennstoffe aus Russland zurückgreifen sollten. Das wäre ein schwerer strategischer Irrtum. Dadurch würden wir abhängiger, verwundbarer und schwächer. Deshalb sollten wir unsere langfristige Strategie beibehalten. Wir können pragmatischer und cleverer bei der Umsetzung werden – aber der eingeschlagene Kurs ist richtig.“
Um die Energierechnung der Bürgerinnen und Bürger zu senken, müssten alle vier Preiskomponenten in den Blick genommen werden, erklärte die Kommissionspräsidentin: „Die Kosten für die Energie selbst, die mehr als 56 Prozent der Rechnung ausmachen. Netzentgelte, auf die 18 Prozent entfallen. Steuern und Abgaben, die mit 15 Prozent zu Buche schlagen. Und CO2-Kosten, die sich auf durchschnittlich rund 11 Prozent belaufen.“
Emissionshandel mindert Verwundbarkeit
Mit Blick auf den Europäischen Emissionshandel erklärte sie: „Ohne das Emissionshandelssystem würden wir jetzt 100 Milliarden Kubikmeter mehr Gas verbrauchen, was uns verwundbarer und abhängiger machen würde. Wir brauchen also das EHS, aber wir müssen es modernisieren.“
Die vollständige Rede der Kommissionspräsidentin finden Sie hier.
Energiepaket vom 10. März: Vorschläge der EU-Kommission
Gestern hatte die Europäische Kommission bei ihrer wöchentlichen Sitzung ein umfassendes Energiepaket verabschiedet. Es hat zum Ziel, Investitionen in saubere Energien vor Ort anzukurbeln, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und die Energiepreise zu senken.
Das Paket besteht aus drei Komponenten:
- Eine Investitionsstrategie der Kommission für saubere Energie soll dazu beitragen, die Lücke zwischen dem derzeit verfügbaren privaten Kapital und den erforderlichen Investitionen zu schließen. Die Kommission wird die Strategie in enger Partnerschaft mit der Europäischen Investitionsbank-Gruppe umsetzen. Diese will in den kommenden drei Jahren mehr als 75 Milliarden Euro zur Unterstützung der Energiewende bereitstellen. Insbesondere wird sich die EIB-Gruppe mit einem Richtbetrag von bis zu 500 Millionen Euro an den Investitionsfonds für strategische Infrastrukturen binden. Dadurch wird Ankerkapital für Investitionen in spezifische Energieinfrastrukturprojekte bereitgestellt, wodurch die Ziele des europäischen Netzpakets finanziell gefördert werden.
- Mit dem Bürgerenergiepaket schlägt die Kommission konkrete Maßnahmen vor, um a) die Energiekosten zu senken, b) die Erzeugung eigener sauberer Energie zu ermöglichen und c) Energiearmut zu bekämpfen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen von einem schnelleren Anbieterwechsel, niedrigeren Steuern und Abgaben auf ihre Stromrechnungen und transparenteren Informationen über Energierechnungen und -verträge profitieren.
- Inländische, saubere Energietechnologien sind von entscheidender Bedeutung, um zuverlässige und erschwingliche Energie zu gewährleisten und die Führungsrolle der EU bei Netto-Null-Technologien zu stärken. In der Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMR) schlägt die Kommission deshalb Maßnahmen vor, die es den EU-Mitgliedstaaten, die diese Technologie verfolgen, ermöglichen soll, Anfang der 2030er Jahre die ersten operativen SMR einzusetzen. Die Strategie wird die Industrie dabei unterstützen, ihre Entwicklung und Einführung zu beschleunigen, insbesondere durch die Arbeit der Europäischen Industrieallianz zu KMR. Die Kommission wird eine zusätzliche Aufstockung von 200 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds bis 2028 in Betracht ziehen, um die Einführung erster kommerzieller Einheiten innovativer Kerntechnologien durch Risikominderungsgarantien zu unterstützen.
Links zum Thema:
Rede der Präsidentin in der EP-Plenardebatte am 11. März
Vollständige Pressemitteilung zum Energiepaket vom 10. März
Fragen und Antworten zur Investitionsstrategie für saubere Energie
Fragen und Antworten zur Strategie für kleine modulare Reaktoren
Quelle: Quelle dieser Informationen: EU-Nachrichten der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland
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