Studie: EU-Handelsabkommen wirken sich positiv auf Agrar- und Ernährungssektor aus © Europäische Union, 2010, Quelle: EU-Kommission - Audiovisueller Dienst, Fotograf*in: Jennifer Jacquemart

26.01.2021 Brüssel. Die EU-Handelsagenda wirkt sich insgesamt positiv auf die EU-Wirtschaft und den Agrar- und Ernährungssektor aus. Das zeigt eine Dienstag (26. Januar) veröffentlichte Studie, die sich mit den Auswirkungen von 12 Handelsabkommen auf den Agrar- und Lebensmittelsektor bis 2030 befasst. „Diese Studie zeigt, dass wir das richtige Gleichgewicht gefunden haben, um den Landwirten in der EU mehr Exportmöglichkeiten zu bieten und sie gleichzeitig vor den potenziell schädlichen Auswirkungen vermehrter Importe zu schützen“, so Exekutiv-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. „Die Unterstützung der EU-Agrar- und Ernährungswirtschaft wird auch weiterhin ein Schlüsselelement der EU-Handelspolitik sein, sei es durch Marktöffnung, Schutz traditioneller EU-Lebensmittel oder Verteidigung gegen Dumping oder andere Formen des unfairen Handels.“

Laut der Studie werden Handelsabkommen zu einem erheblichen Anstieg der EU-Agrar- und Lebensmittelexporte führen, während die Importe in geringerem Maße zunehmen. Dies wird insgesamt zu einer positiven Handelsbilanz führen. Die Studie bestätigt auch, dass der Ansatz der EU, durch Zollkontingente eine begrenzte Menge an Importen zu niedrigeren Zöllen zu gewähren, der beste Ansatz ist, um anfällige Agrar- und Lebensmittelsektoren in der EU zu schützen.

Agrarkommissar Janusz Wojciechowski betonte: „Der Erfolg des EU-Agrarhandels spiegelt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Sektors wider. Die Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik haben in hohem Maße dazu beigetragen, unterstützt durch den weltweiten Ruf von EU-Produkten als sicher, nachhaltig erzeugt, nahrhaft und von hoher Qualität.”

Die von der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Center, JRC) der Kommission durchgeführte Studie befasst sich mit den kumulativen Auswirkungen von 12 Handelsabkommen auf den Agrar- und Lebensmittelsektor bis 2030 und ist eine Aktualisierung einer Studie aus dem Jahr 2016. Die Studie ist eine theoretische Modellierung und enthält Ergebnisse für den Handel im gesamten Agrarsektor sowie sektorspezifische Auswirkungen auf Handel, Erzeugerpreise und Produktionsmengen.

Die Studie deckt Freihandelsabkommen (FTAs) ab, die kürzlich von der EU abgeschlossen oder umgesetzt wurden, sowie Handelsabkommen, die auf der EU-Agenda stehen. Sie umfasst zwei Szenarien, ein ehrgeiziges (vollständige Liberalisierung der Zölle für 98,5 Prozent aller Produkte und eine teilweise Zollsenkung um 50 Prozent für die übrigen Produkte) und ein konservativeres (vollständige Liberalisierung um 97 Prozent und eine Zollsenkung um 25 Prozent für die übrigen Produkte). Zusätzlich werden in den Szenarien die fünf abgeschlossenen Freihandelsabkommen auf Basis des Verhandlungsergebnisses modelliert. Die Ergebnisse der Szenarien werden jeweils mit einem Referenzszenario von „Business as usual“ im Jahr 2030 verglichen.

Wichtigste Ergebnisse

Für beide Szenarien zeigen die Ergebnisse eine positive Auswirkung auf die EU-Agrar- und Lebensmittelhandelsbilanz bis 2030. Während die EU-Handelspartner Marktzugang in der EU erhalten, können auch die EU-Exporte deutlich wachsen. Die EU-Agrarnahrungsmittelexporte in die 12 FTA-Partner werden um 25 Prozent (konservatives Szenario) und um 29 Prozent (ehrgeiziges Szenario) steigen, während die Importe um 10 Prozent (konservativ) und um 13 Prozent (ehrgeizig) zunehmen, jeweils im Vergleich zum Referenzszenario.

Die Studie bestätigt, dass der EU-Agrarsektor von der EU-Handelsagenda profitieren kann. Ein Vergleich der kumulativen Auswirkungsstudien von 2016 und 2021 zeigt die Wirksamkeit von Zollkontingenten bei der Milderung der Auswirkungen auf unsere sensiblen Sektoren wie Rindfleisch, Reis oder Zucker. In der Tat hat die Studie von 2016 bereits die Strategie gegenüber dem Mercosur beeinflusst, und diese Aktualisierung kann als Beweisgrundlage für die Notwendigkeit von Zollkontingenten in den laufenden Handelsverhandlungen verwendet werden. Darüber hinaus kann eine ehrgeizige künftige Gemeinsame Agrarpolitik, die Innovation, Nachhaltigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Landwirtschaftssektors unterstützt, auch dazu beitragen, etwaige negative Ergebnisse der Handelsverhandlungen zu minimieren und gleichzeitig die positiven zu verstärken.

Das Ergebnis der Studie wurde gestern den EU-Ministern beim AGRIFISH-Rat vorgestellt und heute im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments präsentiert.

Links zum Thema:

Die ausführliche Pressemitteilung mit den wichtigsten Erkenntnissen der Studie

Die Studie zur Auswirkung von Handel auf den Agrar- und Lebensmittelsektor

Fragen und Antworten zur Studie

Quelle dieser Informationen: EU-Nachrichten der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.