Masken, Desinfektionsmittel und UV-Lampen: knapp 200 gefährliche Corona-Produkte lösen EU-weiten Alarm aus © Europäische Union, 2020, Quelle: EU-Kommission - Audiovisueller Dienst, Fotograf*in: Xavier Lejeune

02.03.2021 Brüssel. Ob unsichere Masken oder toxische Desinfektionsmittel: im Jahr 2020 betrafen 9 Prozent aller Gefahrenmeldungen an das „Sicherheitstor für gefährliche Produkte“ (das ehemalige Schnellwarnsystem RAPEX) Waren im Zusammenhang mit COVID-19. „Das Safety Gate hat sich als krisensicher erwiesen: während der COVID-19-Pandemie hat es zum Schutz der Verbraucher beigetragen, da es ein wichtiges Instrument für die effiziente und rasche Verbreitung von Informationen über gefährliche Produkte wie unsichere Masken oder toxische Desinfektionsmittel und deren Entfernung vom Markt ist“, so EU-Verbraucherkommissar Didier Reynders.

In Deutschland führten Kraftfahrzeuge (71 Prozent), Elektrogeräten und -zubehör (5 Prozent) und Schmuck (4 Prozent) die Liste der gemeldeten gefährlichen Produkte an. Diese Zahlen hat die Europäische Kommission heute (Dienstag) in Brüssel vorgestellt.

Wichtigste Erkenntnisse des Berichts

Die Überwachungsmaßnahme konzentrierte sich auf COVID-19-bezogene Produkte, die für alle Verbraucher von wesentlicher Bedeutung geworden sind. So gab es 2020 161 Warnmeldungen zu Masken, 3 Warnmeldungen zu speziellen Overalls, 13 Warnmeldungen zu Handdesinfektionsmitteln und 18 Warnmeldungen zu UV-Lampen, die als Sterilisatoren dienen sollen. Bei den Warnmeldungen zu Masken handelte es sich um Masken, die zwar schützen sollten, dies aber nicht tun. Weitere Beispiele für gefährliche COVID-19-Produkte, die über das Safety Gate gemeldet wurden, betrafen Desinfektionsmittel, die toxische Chemikalien enthalten, wie Methanol, das zu Blindheit oder bei Verschlucken sogar zum Tod führen kann, oder UV-Desinfektionsmittel, die die Anwender einer starken Strahlung ausgesetzt haben, die Hautreizungen verursacht. Die im System verbreiteten Warnmeldungen gelten auch dieses Jahr.

2020 tauschten Behörden aus den 31 Teilnehmerländern des Safety Gate Network (EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und das Vereinigte Königreich) insgesamt 2.253 Warnmeldungen zu Maßnahmen aus, die über das System gegen gefährliche Produkte ergriffen wurden. Sie reagierten mit 5.377 Folgemaßnahmen. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als 20 Prozent gegenüber der Zahl der Folgeuntersuchungen 2019.

Dem heute vorgelegten Jahresbericht über das „Safety Gate“ zufolge war Spielzeug die Produktkategorie mit den meisten Warnmeldungen (27 Prozent aller Meldungen), gefolgt von Kraftfahrzeugen (21 Prozent) sowie Elektrogeräten und -zubehör (10 Prozent). Dies zeigt, dass bei der Marktüberwachung in der EU ein besonderer Schwerpunkt auf Kinder, eine schutzbedürftige Verbrauchergruppe, gelegt wird. Im Allgemeinen handelt es sich bei den am häufigsten gekennzeichneten Produkten um Produkte, die Verletzungen wie Brüche oder Gehirnerschütterungen verursachen (25 Prozent), gefolgt von chemischen Bestandteilen in Produkten (18 Prozent) und Produkten, mit denen Kinder sich erwürgen können (12 Prozent).

Im Vergleich zum Vorjahr verpflichten sich mehr Online-Marktplätze, die Sicherheit der von ihnen verkauften Produkte zu verbessern. Gestern haben sich zwei neue Unterzeichner der Initiative „Verpflichtungserklärung für mehr Produktsicherheit“ angeschlossen und zwar Joom und Etsy. Folglich verpflichten sie sich zu prüfen, dass über das Safety Gate registrierte Produkte nicht auf ihren Websites zum Verkauf angeboten werden und rasch zu handeln, wenn die nationalen Behörden ihnen gefährliche Produkte melden, die entfernt werden sollten.

Nächste Schritte

Die Kommission zeichnet Unternehmen, die Verbraucher besser schützen, mit dem EU-Preis für Produktsicherheit aus. Die gestern für Bewerbungen für 2021 eingeleitete Runde wird sich auf Initiativen zum Schutz besonders schutzbedürftiger Verbraucher und auf den Einsatz neuer Technologien zur Verbesserung der Produktsicherheit für Verbraucher konzentrieren. Bewerbungsschluss ist der 30. April 2021. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Hintergrund

Seit 2003 ermöglicht das Safety Gate einen raschen Informationsaustausch zwischen den EU-/EWR-Mitgliedstaaten, dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Kommission über gefährliche Non-Food-Produkte, die ein Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher darstellen. Auf diese Weise können geeignete Folgemaßnahmen ergriffen und Produkte vom Markt ausgeschlossen werden.

Entsprechend der Veröffentlichung des Berichts hat die Kommission ihre vollständig umgestaltete öffentliche Website Safety Gate mit einer modernen und benutzerfreundlichen Schnittstelle lanciert, um das Notifizierungsverfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen. Die Seiten werden nach und nach in alle EU-Sprachen sowie Isländisch und Norwegisch übersetzt. Unternehmen können zudem das Business Gateway nutzen, um nationale Behörden rasch und effizient über Sicherheitsbedenken in Bezug auf ein Produkt zu informieren, das sie in Verkehr gebracht haben.

Eine weitere Maßnahme zum Verbraucherschutz ist die Verpflichtungserklärung für mehr Produktsicherheit. Dort werden spezifische freiwillige Maßnahmen von Marktplätzen dargelegt, um Angebote unsicherer Produkte rasch von ihren Plattformen zu entfernen. Bislang haben elf Online-Marktplätze diese Vereinbarung unterzeichnet, um in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten gefährliche Produkte von ihren Websites zu entfernen. bol.com, eMAG, Wish.com, AliExpress, Amazon, eBay, Rakuten France, Allegro, Cdiscount und heute Etsy and Joom.

Links zum Thema:

Vollständige Pressemitteilung

Jahresbericht über das Safety Gate

Safety Gate – Factsheet

Safety Gate

Business Gateway

EU-Preis für Produktsicherheit

Verpflichtungserklärung für mehr Produktsicherheit

Quelle dieser Informationen: EU-Nachrichten der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland.